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Neues Deutschland: Der alte Schneid

Archivmeldung vom 19.12.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.12.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Es ist, als wollte man einen Polizisten auf eine vereiste Autobahn schicken, um die Raser zur Vernunft zu bringen - und im Angesicht seines Scheitern nach einem gut gepanzerten Wagen riefe, um ihn den Rowdys entgegenzuschicken.

Der Ruf nach Regeln, die ein »richtiges« Kriegführen in Afghanistan erlauben, ist nicht nur das Eingeständnis eines Irrtums - oder der Lügen, die man der Öffentlichkeit bisher aufgetischt hat. Deutschland »rechtlich, mental und politisch für kriegerische Handlungen aufzustellen«, wie es der CSU-Politiker Uhl verlangt, reißt den bereits porösen Wall gänzlich nieder, der unter dem Eindruck der Kriegsschrecken einst in Form des Grundgesetzes gegen alle Wiederholungsversuche errichtet wurde. Jetzt heißt die Forderung nach einigen verschämten Anläufen bereits unverblümt: Grundgesetzänderung.

Und auch der Charme des Hochglanzministers für angebliche Verteidigung erinnert zunehmend an uralten Schneid, wenn er mit der Ernennung des neuen Generalinspekteurs die Erwartung verbindet, dass dieser die »weitere Einsatzorientierung der Bundeswehr konsequent und entschieden voranbringen« werde. Kein Zweifel, die schwarz-gelbe Koalition verwickelt Deutschland mit neuem Elan in die erbarmungslosen Verteilungskämpfe unserer Zeit. Die SPD, die nun vor »Kriegsgeschrei« warnt, hat allerdings keinen Grund zu Moralappellen. Ihr kommt das Verdienst zu, den ersten Marschbefehl ausgelöst zu haben.

Quelle: Neues Deutschland

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