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Lausitzer Rundschau: Afghanistan vor dem zweiten Urnengang

Archivmeldung vom 24.10.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.10.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Da hat die Nato, hat der gesamte Westen erleichtert durchgeatmet, als der afghanische Möchte-Gern-Präsident Hamid Karsai endlich dazu bewegt werden konnte, die Mogelpackung des ersten Urnengangs der Präsidentenwahl so weit zu korrigieren, dass jetzt noch mal abgestimmt werden wird. Aber das Gezerre um die Millionen verschobener Stimmen spiegelt auf drastische Art und Weise die Sackgasse wider, in der die Verbündeten bei ihrem Engagement gelandet sind. Ihre Ansprechpartner vor Ort sind schwach und korrupt.

Unter normalen Umständen schließt man Wahlbetrüger von weiteren Machenschaften aus - in Kabul werden sie dafür gelobt, weiter mitzuspielen. Die jetzt angesetzte Stichwahl wird kaum weniger chaotisch und schon gar nicht glaubwürdig - Karsai ist mit seinen Betrügereien ja auch kein Einzelfall. Er steht für die politische Führung eines Landes, die sich gut tut daran, dass andere Verantwortung tragen. Das internationale Engagement wird von ihm nicht zum Wiederaufbau des Landes und zur Festigung seiner Strukturen gebraucht. Es dient vor allem der Stabilisierung einer verkrusteten, ineffektiven Macht. Im Vergleich dazu war das Besatzungsregime der USA im Irak hervorragend und führte zu wesentlich besseren Resultaten. Dabei gibt es in Afghanistan mit dem UN-Mandat zumindest völkerrechtlich wesentlich bessere Voraussetzungen für eine Einmischung von außen. So erfolgte ja die Überprüfung des Wahlergebnisses auch im Rahmen einer UN-Mission. Es wäre also durchaus sinnvoll, einmal darüber nachzudenken, ob das Land am Hindukusch nicht besser unter treuhänderischer Verwaltung regiert werden würde. Vor solch einer Form der Intervention schreckt allerdings die Allianz, die ihre Soldaten dort kämpfen und sterben lässt, zurück. Sie würde all die Fehler der Vergangenheit offenkundig machen und wäre darüber hinaus für lange Zeit verpflichtend. Und natürlich schwingt da auch die Angst mit, dass die stolzen Afghanen dann noch deutlicher rebellieren könnten. Also bleibt nur der stetige Druck auf Karsai, der alle Aussichten hat, auch den zweiten Wahlgang mit allen dafür geübten Tricks siegreich zu überstehen. Wie mühselig dieses Geschäft ist, haben wir bei der Qual mit der Wahl in den letzten Tagen erleben dürfen. Da drängen sich fast zwangsläufig die Fragen nach einer umfassenden, wohl durchdachten Afghanistan-Strategie auf. Die jetzige Vorgehensweise jedenfalls macht genau das immer wahrscheinlicher, was als Katastrophe beschrieben wird - den Abzug der Truppen nach einem weitgehenden Scheitern aller Bemühungen und einer großen Zahl von Toten. Karsai wird dann im Gegensatz zu seinen Landsleuten wohl noch die Wahl bleiben, in ein Exil seiner Wahl ausgeflogen zu werden.

Quelle: Lausitzer Rundschau

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