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Neue Westfälische (Bielefeld): Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite Rücksichtslos raffgierig

Archivmeldung vom 14.09.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.09.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Im November 2007 war es, knapp ein Jahr bevor die Lehman-Bank krachend unterging, da war Matthias Graf von Krockow, persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim, zu Gast beim ehrenwerten Industrie- und Handelsclub in Bielefeld. Selten ist ein Redner derart arrogant aufgetreten, kaum ein Gast erklärte derart gönnerhaft, wie die Dinge laufen in der Finanzwelt. Niemand sagte derart deutlich, dass alle anderen keine Ahnung haben.

Deutschland fehle eine Bank von Weltgeltung, referierte Krockow. Schwächlich seien die deutschen Banken. Irgendwie nicht ambitioniert genug. Nie hat ein Redner derart falsch gelegen. Nicht nur, dass "seine" Bank unterging im Strudel der Finanzkrise. Drei Jahre nach der Bielefeld-Stippvisite nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue auf. 2015 wurde Matthias Graf von Krockow nach seinem Geständnis zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Banker mit dem Adelstitel ist eines der Gesichter der Finanzkrise. Er steht für Raffgier, für Rücksichtslosigkeit, für den Verlust der Werte-Orientierung. Menschen wie Krockow oder der Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann tragen eine Mitschuld daran, dass die Finanzkrise derart verheerende Auswirkungen bekommen konnte. Und nagen selbst heute nicht am Hungertuch. Damals, vor zehn Jahren, stand die Welt am Abgrund. Ungezählte Menschen verloren ihr Erspartes, weil sie in faulige Zertifikate investiert hatten.

Spanien und Portugal stürzten ins Bodenlose, Griechenland steht gerade erst wieder auf - ziemlich wackligen - eigenen Füßen. Allenthalben sind Populisten nach oben gespült worden, die ihren Ursprung und ihre Nahrung darin fanden, dass Banken gerettet wurden, aber die Steuerzahler dafür blechen mussten. Denen die Nullzins-Politik der EZB den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Was haben wir daraus gelernt? Gut, die Deutsche Bank wird nun von einem Ostwestfalen gelenkt, dem man die Bodenständigkeit schon wegen seiner Herkunft abnimmt. Und die wildesten Finanzmodelle sind per Gesetz verboten. Aber sonst? Scheffeln die Banken in den Vereinigten Staaten längst wieder Milliarden. Hat der US-Präsident die Obama-Gesetzgebung pulverisiert, mit denen die US-Banken wenigstens annähernd im Zaum gehalten werden sollten. Ist von der viel zitierten neuen Demut der Finanzwelt rein gar nichts mehr übrig. Ob noch einmal eine Finanzkrise in derartiger Wucht über uns hereinbrechen kann, wird zehn Jahre nach der Lehman-Pleite gerne gefragt. Ja, sie kann. Genauso überraschend. Vielleicht noch heftiger. Jederzeit.

Quelle: Neue Westfälische (Bielefeld) (ots) von Stefan Schelp

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