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Westdeutsche Zeitung: Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Archivmeldung vom 19.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

In einem Punkt hat der Kundus-Untersuchungsausschuss seinen Sinn und Zweck bereits erfüllt: Er zeigt himmelschreiende Missstände in der Bundeswehrführung und im Verteidigungsministerium auf. Dazu gehören Vertuschungsversuche genauso wie die Mängel in der Kommunikation und das aufgeblasene System von verschiedenen Stäben, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es für diesen genauso gefährlichen wie auch sensiblen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr keine klaren Regeln bei der Informationsweitergabe gibt. Auch wenn Verteidigungsminister Guttenberg Fehler im Umgang mit dem Luftschlag gemacht hat: Es ist ein Armutszeugnis, wenn ein Minister wichtige Details gefiltert und zu spät auf den Tisch bekommt. Guttenberg muss in seinem Ressort aufräumen, schnellstens. Der Untersuchungsausschuss gibt sich jedoch der Lächerlichkeit preis, wenn er sich in Gezänk darüber ergeht, wann Guttenberg welchen Bericht gelesen, sein Urteil vorschnell gefällt oder revidiert hat. Denn dabei treten die wirklich wichtigen Fragen dieser Mission in den Hintergrund. Was sind die Ursachen dafür, dass es überhaupt zu diesem verheerenden Angriff auf die Tanklastzüge kommen konnte? Liegt es an dem kleinen Bundeswehrkontingent in der hart umkämpften Nordprovinz, das nicht überall gleichzeitig sein kann? Liegt es an der Ausrüstung? Nicht zuletzt geht es um die Frage, wie in Afghanistan eine dauerhafte Stabilität gewährleistet werden kann. Damit sollten sich die politische und die militärische Führung kritisch auseinandersetzen. Denn Fakt ist, dass die Bundeswehr die Transformation von einer Verteidigungsarmee im Kalten Krieg zu einer Truppe im Auslandseinsatz noch längst nicht vollzogen hat, gleichzeitig in Afghanistan aber vor ihrer bislang größten historischen Herausforderung steht. Die Verantwortlichen sollten sich nicht allzu lange Zeit lassen mit den Antworten auf diese drängenden Fragen. Immerhin gibt es aus der Nato klare Signale, in nächster Zeit im deutschen Kommandobereich um Kundus eine Offensive gegen die Taliban zu starten. Die Gefahren für die Truppe nehmen mit jedem Tag zu. Und die Soldaten haben eine professionelle Führung verdient, denn sie halten den Kopf hin.

Quelle: Westdeutsche Zeitung

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