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6,0: Zur Inflation

Archivmeldung vom 30.11.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.11.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

Und der nächste Inflationsschocker: Auf sage und schreibe 6,0 Prozent ist die deutsche Inflation im November gesprungen - gemessen an dem für EU-Zwecke berechneten HVPI-Index. In nationaler Rechnung sind es immerhin 5,2 Prozent - der höchste Stand seit 1992, also seit fast 30 Jahren! Nun ist Panik zwar weiter fehl am Platz. Aber die Zeit der Beschwichtigungen und Schönrederei muss endgültig vorbei sein. Die Inflation in Euroland ist zurück - und die EZB muss das endlich anerkennen.

Sicher, es spricht einiges dafür, dass die 6,0 Prozent den Höhepunkt des jüngsten Anstiegs markieren. Und noch mehr spricht dafür, dass die Teuerung 2022 schon wieder deutlich zurückgehen wird. Aber die Preise legen mittlerweile auf breiterer Front zu, der Druck auf den vorgelagerten Stufen bleibt hoch, und die Unsicherheit über den Ausblick hat zugenommen. Vor allem aber gibt es gerade auch mittelfristig einige Inflationsrisiken. Liquiditätsschwemme, De­-Globalisierung und Klimawandel sind da nur einige Stichworte. Das gilt es ernst zu nehmen.

Aber auch der aktuelle Inflationsanstieg ist bei aller vermeintlichen Kurzlebigkeit schon ein Riesenproblem. Er schmälert etwa die reale Kaufkraft mächtig und ist damit eine schwere Hypothek für den Konjunkturhoffnungsträger Konsum. Es ist eben beileibe nicht so, dass nur eine voreilige Straffung der Geldpolitik Schaden in einer Volkswirtschaft anrichten kann. Auch bei einer hohen Inflation drohen gehörige Wachstumseinbußen.

Es ist deshalb gut, dass auch im EZB-Rat ein Umdenken stattzufinden scheint. Gleichwohl kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass zumindest einige EZB-Granden das Problem immer noch auf die allzu leichte Schulter nehmen. Natürlich steht die EZB da auch vor ei­­­nem Dilemma, weil sich zu­gleich die Euro-Wirtschaft ab­schwächt und nun die Coronavariante Omikron die Unsicherheit über den Konjunkturausblick er­höht. Aber bislang besteht die be­rechtigte Hoffnung, dass auch Omikron den Aufschwung allenfalls etwas verzögert, aber nicht beendet. Ein Dilemma löst man auf jeden Fall nicht, indem man sich einseitig nur auf ein Problem fokussiert.

Die EZB muss also viel klarer machen, dass sie nicht nur bereit ist, ihre Politik weiter zu lockern, falls die Wirtschaft stärker abschmiert, sondern dass sie sich auch des Inflationsrisikos be­wusst ist und notfalls strafft. Nur so kann sie das Vertrauen als Hü­terin von Preisstabilität wahren bzw. zurückgewinnen. Dass ausgerechnet die EZB-Gewerkschaft Ipso jetzt um einen Ausgleich für die hohe Inflation bangt und mehr Geld verlangt, ist bezeichnend - als Misstrauensvotum gegen die eigene Spitze.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Mark Schrörs

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