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Börsen-Zeitung: Die Kunst der Dosierung

Archivmeldung vom 15.04.2008

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.04.2008 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

"Allein die Dosis macht das Gift." Nur allzu gerne möchte man den Regierungen der G7-Staaten die Worte des deutschen Mediziners und Alchemisten Paracelsus aus dem sechzehnten Jahrhundert zurufen. Denn die Finanzkrise und der auf bis zu 1 Bill. Dollar geschätzte Abschreibungsbedarf der Banken könnten Politiker dazu verleiten, die Zügel für die Kreditwirtschaft strenger zu straffen, als nötig wäre. Denn damit ließe sich beim Wähler punkten.

Von der Kunst der richtigen Dosierung müssen sich die G7-Regierungen, -Notenbanken und -Aufsichtsbehörden in den kommenden Wochen bei dem beschlossenen Aktionsprogramm leiten lassen. Die Vorschläge des Expertengremiums Financial Stability Forum (FSF) zielen in die gleiche Richtung wie die vom internationalen Finanzverband, dem Institute of International Finance (IIF), präsentierten Ideen zur Selbstregulierung. Doch gibt es Ansätze, die auf eine staatliche Überreaktion hindeuten.

Es muss berücksichtigt werden, dass die überwiegende Zahl der weltweit tätigen Banken mit der Finanzkrise wenig zu tun hat. Eine Überregulierung belastet auch die sauberen und gesunden Banken. Damit treffen die - gewiss nicht zu verharmlosenden - Fehler weniger Institute die Gesamtbranche, quasi eine von oben verordnete Sozialisierung der Verluste. Die Gefahr dieser Überregulierung ist ihre Prozyklizität: Die sauberen Institute müssten infolge höherer Kapitalanforderungen ihre Kreditvergabe einschränken.

Deshalb ist die vom FSF geforderte generelle Anhebung der Eigenkapitalunterlegung im aktuellen Konjunkturumfeld alles andere als hilfreich. Die Regierungen sollen stattdessen ihre Anstrengungen intensivieren, damit die neuen, risikoadjustierten Eigenkapitalregeln (Basel II) weltweit zügig umgesetzt werden. Diese Forderung des FSF ist zu begrüßen. Mit Basel II hätte die Finanzkrise nicht dieses Ausmaß annehmen können, weil dann die Risiken der außerbilanziellen Zweckgesellschaften hätten konsolidiert werden müssen.

Vielen Forderungen des G7-Gipfels stimmen auch die Banken zu. Die Politiker müssen der populistischen Versuchung einer Überregulierung widerstehen. Die Banken haben selbst ein Interesse an einer Überwindung der Krise. Vertrauen in deren Selbstregulierung und wohldosierte Maßnahmen für eine effektivere Aufsicht lauten die Gebote.

Quelle: Börsen-Zeitung (von Markus Frühauf)

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