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Industriepionier Karl Heine wird anlässlich seines 200. Geburtstags in Leipzig gewürdigt

Archivmeldung vom 05.01.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.01.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Im Jahr 2019 jährt sich der Geburtstag von Karl Heine zum 200. Mal. Der bedeutende Industriepionier erblickte am 10. Januar 1819 in Leipzig das Licht der Welt. In Plagwitz legte er das erste planmäßig entwickelte, großräumige Industriegebiet Deutschlands an. Bild: "obs/Leipzig Tourismus und Marketing GmbH/Andreas Schmidt"
Im Jahr 2019 jährt sich der Geburtstag von Karl Heine zum 200. Mal. Der bedeutende Industriepionier erblickte am 10. Januar 1819 in Leipzig das Licht der Welt. In Plagwitz legte er das erste planmäßig entwickelte, großräumige Industriegebiet Deutschlands an. Bild: "obs/Leipzig Tourismus und Marketing GmbH/Andreas Schmidt"

Im Jahr 2019 jährt sich der Geburtstag von Karl Heine zum 200. Mal. Der bedeutende Industriepionier erblickte am 10. Januar 1819 in Leipzig als Sohn eines Kaufmanns und Rittergutsbesitzers das Licht der Welt. Mit einem Neujahrsempfang am 10. Januar 2019 sowie weiteren Aktivitäten ehrt Leipzig ein ganzes Jahr lang seinen berühmten Sohn.

Das deutsche Unternehmertum ist eng mit Karl Heine - früher Carl Erdmann Heine - und der Geschichte des Stadtteils Plagwitz verbunden. Bis heute hat sich dort ein ca. 90 Hektar großes Flächendenkmal der Industriearchitektur erhalten, das seinesgleichen sucht. Plagwitz war das erste planmäßig entwickelte, großräumige Industriegebiet Deutschlands.

Karl Heine studierte nach dem Besuch der Thomasschule an der Universität Leipzig Rechtswissenschaften und promovierte 1843 zum Dr. jur. Der Titel seiner in lateinischer Sprache verfassten Dissertation lautet übersetzt: "Über die wirtschaftliche Nutzung von Wasserwegen und deren Ufer nach sächsischem Landesrecht". Mit Unterstützung seiner vermögenden Mutter erwarb der junge Rechtsanwalt im großen Stil Grundbesitz im damaligen Dorf Plagwitz. Karl Heine erkannte das Potenzial, dass das Gelände im Leipziger Westen bot. Schon früh zeigte sich Heine von der damals noch revolutionären Eisenbahn sowie der wirtschaftlichen Nutzung von Wasserwegen begeistert. So handelt es sich bei dem 1873 eröffneten Bahnhof Plagwitz-Lindenau, der noch heute erhalten ist, um den ersten Industriebahnhof Europas. Auch die Kombination von Wohnquartieren und Arbeitsstellen in Plagwitz war einmalig und verhalf der Industrie zum stürmischen Aufbruch. Heines Visionen ermöglichten den Bau des heutigen Karl-Heine-Kanals, der zur Schaffung einer Schifffahrtsstraße von Leipzig nach Hamburg führen sollte. Ziel war es, die in Leipzig produzierten Industriewaren über den Hamburger Hafen weltweit abzusetzen. 1898 wurde das vorerst letzte Teilstück eröffnet, welches kurz vor dem Lindenauer Hafen endete.

Über den Durchstich des 3,3 Kilometer langen Karl-Heine-Kanals zum Lindenauer Hafen am 2. Juli 2015 hätte sich der Visionär bestimmt gefreut. Zwar wurde mit der jüngsten Wasserstraße Heines Traum "von der Elster an die Alster" noch nicht verwirklicht, jedoch rückte mit dem um 665 Meter verlängerten Kanal Leipzig näher an die Nordsee heran.

Karl Heine starb am 25. August 1888 in seiner Villa in Schleußig. Als Würdigung seiner Leistungen wurde ihm zu Ehren 1897 ein repräsentatives Denkmal gesetzt, das der Bildhauer Carl Seffner entwarf.

Ab 1920 ließen Rüstungsindustrie, Aktienspekulation, Krieg und wirtschaftlicher Verfall der sozialistischen Planwirtschaft den Industriestandort Plagwitz in den Hintergrund geraten. Nach der Wende 1989 erfolgte endgültig der Niedergang. Die Betriebe wurden liquidiert, die Bevölkerung wanderte ab und es kam zu hohem Leerstand. Über 90.000 Industriearbeitsplätze gingen in Leipzig verloren, davon ein großer Teil in Plagwitz.

Nun waren abermals Visionen gefragt. Eine neue Gründerzeit begann, denn die Stadt Leipzig und zahlreiche Investoren starteten ein Aufbauprogramm. Die Baudenkmäler sowie die Gewässer und Gleisbogen, die in ihrer Gesamtheit den einzigartigen Charme von Plagwitz ausmachen, wurden renoviert und rekonstruiert. In ehemaligen Fabrikhallen entstanden Lofts und Gewerberäume. Zahlreiche Unternehmen, vor allem aus der Kreativ-Branche, siedelten sich in Plagwitz an.

Weltweit bekannt ist heute die ehemalige Leipziger Baumwollspinnerei. Kaum eine andere große Fabrikanlage, die kommerziell revitalisiert wurde, bietet ein derartig breites Angebot für ein kunstinteressiertes Publikum und bleibt dabei gleichzeitig kreative Heimat für viele Künstler. Eine weitere touristische Attraktion ist das "Da Capo - Eventhalle und Oldtimermuseum". In der restaurierten Fabrikhalle, die Landmaschinenfabrikant Rudolf Sack 1895 erbauen ließ, befindet sich eine der größten Sammlungen amerikanischer Oldtimer. Ein kultureller Leuchtturm ist ebenfalls das nur ein paar hundert Meter entfernte Kunstkraftwerk Leipzig. Das ehemalige Heizkraftwerk hat sich seit 2016 in ein Zentrum für digitale Kunst und Kultur verwandelt und fasziniert u.a. mit dem größten immersiven Videoprojektionssystem Deutschlands.

Ein Ausflug entlang der Wasserwege in Plagwitz ist nicht nur an heißen Sommertagen ein erfrischendes Vergnügen. Vom Boot aus kann man Leipzigs beeindruckende Industriearchitektur aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachten. Ein beliebter Ausgangspunkt ist der Leipziger Stadthafen, nur rund 600 Meter vom Innenstadt-Ring entfernt. Ein pfiffiger italienischer Wirt importierte vor mehreren Jahren sogar echte venezianische Gondeln nach Plagwitz, so dass sich dem Ausflügler heute die Chance bietet, einen romantischen Hauch Venedig zu genießen.

Mit einem Neujahrsempfang an Karl Heines 200. Geburtstag startet Leipzig am 10. Januar 2019 ab 17 Uhr im Vereinshaus des Wasser-Stadt-Leipzig e.V., der ehemaligen Verladestation von Heines beispielhaften Plagwitzer Anschlussgleissystems, in das Jubiläumsjahr. Neben der Übergabe des "Karl-Heine-Preises des Industriekultur Leipzig e.V." gibt es eine Geburtstagsfeier und um 20 Uhr in der Konsumzentrale (Industriestraße 85-95) die Aufführung des Musicals "Karl Heine - Sein Traum lebt". Eintritt: 12 Euro.

Ein weiterer Höhepunkt ist das KUNST-MARKT-FEST "Bohei & Tamtam" am 22. Juni 2019 von 11 bis 19 Uhr in Plagwitz. Im Rahmen eines Festes entlang der Karl-Heine-Straße werden altes und neues Handwerk, Kreativwirtschaft, Kunst und Populärkultur geboten. Unter dem Titel SOMMERPARADE DER WERKTÄTIGEN wird es einen Umzug geben.

Bereits zum 7. Mal finden vom 22.bis 25. August 2019 die "Tage der Industriekultur" statt. Das vielfältige Programm bietet entlang der Route "Offenes Werktor" Führungen durch Unternehmen im produzierenden Gewerbe. Die im Netzwerk Industriekultur Leipzig zusammenarbeitenden Vereine, Institutionen und Sammler laden zu Veranstaltungen ein, bei denen Industriekultur erlebbar wird.

Unter dem Motto "Wir machen 'ne Welle" findet vom 16. bis 18. August 2019 das 19. Leipziger Wasserfest statt. Hier gibt es viele Aktionen an, um und auf den Leipziger Gewässern, darunter eine Bootsparade und das beliebte Entenrennen.

Der 200. Geburtstag von Karl Heine ist gleichzeitig auch der Startschuss für das "Jahr der Industriekultur 2020" in Sachsen, das der Freistaat Sachsen ausgerufen hat. Im Jahr der 4. Sächsischen Landesausstellung (25.04.-01.11.2020) werden unter diesem Dach industriekulturelle Aktivitäten in ganz Sachsen durchgeführt und vermarktet.

Wer Leipzigs Industriekultur und die Wasserwege in Plagwitz näher kennenlernen möchte, kann bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH das dreitägige Reiseangebot "Auf Spritztour durch Leipzig" buchen: www.leipzig.travel/reiseangebote

Weitere Informationen: www.leipzig.travel und www.wasser-stadt-leipzig.de

Quelle: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (ots)

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