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Die Samstags-Dokumentation "Unschuldig im Gefängnis - Justizopfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile"

Archivmeldung vom 29.11.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.11.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
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In Deutschland werden jährlich rund 800.000 Straftaten vor Gericht verhandelt - fundierten Schätzungen zufolge sind davon etwa 20 Prozent Fehlurteile. Die Justizirrtümer können jeden treffen - zu Unrecht müssen Betroffene dann unter Geldstrafen, Bewährungsurteilen oder sogar mehreren Jahren Haft leiden. In der zweistündigen Samstags-Dokumentation "Unschuldig im Gefängnis - Justizopfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile" (am 1. Dezember um 22:00 Uhr VOX) berichtet Süddeutsche TV über Menschen, für die dieses unfassbare Schicksal Realität wurde.

Dem Familienvater Ralf Witte aus Hannover wird 2001 vorgeworfen, sich an der damals 15-jährigen Jennifer vergangen zu haben. Zur angeblichen Tatzeit war Witte auf einem Familienfest - mit über 30 Zeugen eigentlich ein wasserdichtes Alibi. Doch die Falschaussage des Teenagers und mangelhafte Gutachten bringen den Straßenbahnfahrer hinter Gitter. Sein Urteil: zwölf Jahre und acht Monate Haft - sowie ein ruinierter Ruf. "Von fremden Menschen als Kinderschänder betitelt zu werden - und die rotten sich dann alle zusammen, da lebt man jahrelang mit Angst", berichtet das Justizopfer. Nach fünf Jahren in Haft gelingt es Rechtsanwalt Johann Schwenn bei einem Wiederaufnahmeverfahren die Freiheit des Familienvaters zu erkämpfen - dabei kommt unter anderem heraus, dass das angebliche Opfer ein ärztliches Attest gefälscht hat. Doch die Jahre in Haft haben bei Ralf Witte Spuren hinterlassen. "Mithäftlinge wollen mit Kinderschändern duschen gehen. Dann gibt es in der Dusche auf die Nase und Schlimmeres", so der 48-Jährige. Aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse ist Ralf Witte heute arbeitsunfähig, er leidet unter starken Angstzuständen - jetzt rauben ihm die mühsamen Verhandlungen um Haftentschädigung und Verdienstausfall mit dem Justizsenator weiter Kraft.

Monika de Montgazon saß 889 Tage unschuldig im Frauengefängnis. Die Berlinerin soll 2003 ihren schwer krebskranken Vater umgebracht haben, indem sie Feuer in seinem Haus legte. Obwohl die Arzthelferin kein Motiv hat und mehrfach ihre Unschuld beteuert, sprechen angeblich zuverlässige Brandgutachten gegen sie. Wegen "Totschlag mit besonderer Schwere der Schuld" wird Monika de Montgazon zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. "Irgendwie denkt man, dass das alles nicht sein kann und man gleich wieder frei gelassen wird. Es kann ja gar nicht sein, dass man eingesperrt werden soll", erinnert sich die heute 53-Jährige. Erst nach über zwei Jahren gelingt es ihrer Familie, durch weitere Brandgutachten zu beweisen, dass bei den früheren Gutachten schwere Fehler gemacht wurden. Doch auch die Freilassung bedeutet für Monika de Montgazon kein Happy End. Ihre Möbel sind verbrannt oder entsorgt, die hohen Rechnungen der privaten Brandgutachter sorgen für einen Schuldenberg und durch das Stigma von Gefängnis und Verurteilung wird sie nicht mehr als Arzthelferin eingestellt. "An den Rechtsstaat glaube ich nicht mehr!", sagt die heutige Kneipenbesitzerin, deren Fehlverurteilung als einer der schwersten Justizirrtümer der vergangenen Jahre gilt.

Der Tatort-Schauspieler Joe Bausch arbeitet seit über 25 Jahren als Arzt in der JVA Werl. Durch seinen Alltag hinter Gittern weiß er, welche Spuren ein Gefängnisaufenthalt bei Menschen hinterlässt. Viele leiden durch die Inhaftierung an psychischen Problemen - besonders gefährdet sind unschuldig Gefangene: "Selbst wenn man weiß, dass man schuldig ist, ist es ein Albtraum - aber dann noch zu wissen, dass man unschuldig ist, das ist dann schon etwas, wo man denkt, wann hört dieser Film auf?". Auch Joe Bausch erlebt, dass auf viele Gefangene nach der Entlassung enorme Probleme warten: "Wenn man nach fünf Jahren aus dem Knast kommt - auch unschuldig - kriegt man den Geruch nie mehr aus der Jacke."

Dies und mehr zeigt VOX in der Samstags-Dokumentation "Unschuldig im Gefängnis - Justizopfer im Kampf gegen Fehlurteile" am 1. Dezember um 22:00 Uhr.

Quelle: VOX Television GmbH (ots)

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