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Ein Stromausfall in Berlin – hieße nichts geht mehr

Archivmeldung vom 11.02.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.02.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Würde in Berlin flächendeckend und über längere Zeit der Strom ausfallen, wären die Folgen weitreichend und potentiell verheerend. In der Stadt ginge schlagartig und buchstäblich nichts mehr – ein Katastrophenfall. Für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt „Katastrophenschutz-Leuchttürme als Anlaufstellen für die Bevölkerung in Krisensituationen“ wurden 800 Berliner/innen zum totalen Blackout befragt. Nun liegen erste Ergebnisse vor, mit teils überraschenden Erkenntnissen, auch über die Mentalität von Großstadtbewohner/innen beim Zusammenbruch Kritischer Infrastrukturen oder sonstiger Krisen- und Katastrophenlagen.

Bei fortdauerndem Blackout würde es großflächig zu Systemausfällen kommen. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung gingen weit über Einschränkungen und Unannehmlichkeiten hinaus. Im Katastrophenfall sind die Kräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Rotem Kreuz und anderen Hilfeeinrichtungen weitgehend gebunden, für Notfälle im Einsatz. Die Bewältigung eines großen Stromausfalls gelingt deshalb am besten, wenn Selbsthilfepotenziale der Bevölkerung aktiviert werden. Dafür müssen geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wissenschaftler/innen und Praktiker/innen entwickeln und erproben gemeinsam ein System stationärer und mobiler Katastrophenschutz-Leuchttürme als Anlaufstellen für die Bevölkerung. Diese Leuchttürme sollen vor allem als Schnittstellen zwischen Bevölkerung und staatlichen Stellen fungieren. Insbesondere der Austausch von Informationen ist ein entscheidendes Moment. Hierfür erforscht das Projekt die organisatorischen und technischen Voraussetzungen. Ziel ist es, die staatliche Sicherheitsarchitektur um ein innovatives, die Bevölkerung aktivierendes, Element zu ergänzen.

An dem Verbundprojekt sind das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin, die Charité-Universitätsmedizin Berlin und die Berliner Feuerwehr als Praxispartner, die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin sowie das Forschungszentrum Katastrophenrecht der Humboldt-Universität zu Berlin als wissenschaftliche Partner und die Beuth Hochschule für Technik Berlin sowie die TimeKontor AG (Verbundkoordinator) als Entwicklungspartner beteiligt.

Inzwischen liegen erste Ergebnisse eines wichtigen Teilprojekts vor. Unter der Leitung der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin waren insgesamt 800 Berlinerinnen und Berliner befragt worden, wie sie ihre Situation im Falle eines Stromausfalls einschätzen, welche Hilfebedarfe sie sehen und ob und in welcher Form sie bereit wären, Hilfe zu leisten. Die Befragung fand in den Bürgerämtern von drei Bezirken – unter anderem in Steglitz–Zehlendorf – statt. Die Befragung führte zu drei wesentlichen Ergebnissen:

  • Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung würde bei einem Stromausfall nach wenigen Tagen in eine potentiell kritische Situation geraten. Insofern besteht eine partiell hohe Vulnerabilität.
  • Die Bevölkerung erwartet Hilfe durch staatliche und nichtstaatliche Stellen. Insbesondere wünscht sie sich wohnungsnahe Anlaufstellen. Neben Hilfsgütern und -leistungen sind der Bevölkerung aktuelle Informationen und kompetente Ansprechpersonen für ihre individuellen Probleme und Nöte besonders wichtig.
  • Die Bevölkerung erwartet nicht nur Hilfe und Unterstützung. Sie ist in einem überraschend hohen Maße bereit, selbst zu helfen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Hilfebereitschaft dort besonders stark ist, wo man sie vielleicht am wenigsten vermutet: bei älteren Menschen und bei Berlinerinnen und Berlinern mit Migrationshintergrund.

Dies alles sind wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung des Systems von Katastrophenschutz-Leuchttürmen. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung gehen jedoch darüber hinaus. Sie werfen ein Licht auf die Situation und Mentalitäten von Großstadtbewohnern wie die von Berlin im Falle des Zusammenbruchs kritischer Infrastrukturen oder sonstiger Krisen- und Katastrophenlagen.

Quelle: Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

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