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Forscher verschicken Botschaften an Aliens

Freigeschaltet am 02.03.2019 um 08:09 durch Thorsten Schmitt
Green-Bank-Observatorium
Green-Bank-Observatorium

Foto: Cyberbaud
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Zuhören ist wichtig, doch ab und zu muss man selbst was sagen. Diesen Ansatz verfolgt das Forschernetzwerk „METI International“ auf der Suche nach außerirdischen Zivilisationen. Von nahen Sternen erhoffen sie sich Antworten auf ihre Radio- und bald Lasersignale. Sputnik hat mit dem METI-Präsidenten gesprochen.

Weiter heißt es hierzu auf deren deutschen Webseite: "„Unsere namensgebende Tätigkeit ist es, Botschaften an extraterrestrische Intelligenzen zu senden (Messaging Extraterrestrial Intelligences, METI). Hierbei senden wir hochenergetische sinnhafte Signale in Richtung naher Sterne aus und versuchen, eine Antwort zu erwirken“, erklärt METI-Präsident Douglas Vakoch die Arbeit gegenüber Sputnik. Bislang setzt METI dabei auf Radiosignale, in Zukunft sollen die Botschaften mithilfe ultrakurzer starker Laserstrahlen gesendet werden. „METI International“ gibt es seit 2015 und im Jahr 2018 hat auch der weltberühmte Linguist Noam Chomsky einen Teil zur Gestaltung der Botschaften in universal verständlicher Form beigetragen.

Aber wie muss eigentlich eine Botschaft beschaffen sein, damit sie sich vom Hintergrundrauschen des Alls abhebt? „Wir senden Signale aus, die erkennbar künstlich wirken, weil sie keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeinem Naturphänomen haben“, erklärt Vakoch. „Unsere interstellaren Signale fokussieren all ihre Energie in einigen wenigen getrennten Frequenzen, während natürliche astronomische Objekte eine Strahlung absondern, die sich über eine große Breite von Radiofrequenzen erstreckt. Unsere optischen Lasersignale werden sehr kurz sein, nur ein Billionstel einer Sekunde lang und sich in einem Muster wiederholen, das in der Natur nicht vorkommt.“

Bleibt natürlich die Botschaft selbst. Hier wollen sich die METI-Forscher auf „die wissenschaftlichen Prinzipien besinnen, die einer jeden Zivilisation bekannt sein müssen, die über die nötige Technologie verfügt, um unsere Signale zu entdecken“. Vakoch führt dazu das Projekt „GJ 273b“ als Beispiel an. Bei diesem Signal habe das Netzwerk zugleich eine wissenschaftliche und mathematische Gebrauchsanweisung erstellt. „Diese Anweisung vermittelt Grundkonzepte von Zeit und Frequenz, indem sie Radiosignale sendet, die selbst in Zeit und Frequenz voneinander abweichen und diese Grundbegriffe im Signal selbst abbildet“, so der Forscher.

Für dieses Jahr hat METI auch ein klares Ziel: „2019 werden wir Botschaften heraussenden, die auf dem Periodensystem der Elemente basieren – zu Ehren des 150-jährigen Jubiläums der Entdeckung Mendelejews“, erklärt Vakoch und fügt hinzu: „Wissenschaftler auf anderen Planeten, die schlau genug sind, nach intelligentem Leben zu suchen, werden wohl um die chemische Zusammensetzung des Universums Bescheid wissen, also sollten sie auch die chemischen Muster, die im Periodensystem kodiert sind, verstehen.“

Die Adressaten der Botschaften dürfen natürlich nicht zu weit entfernt leben, sonst würde die Kommunikation viel zu lange dauern, deswegen peilt man bislang nur nahe Sterne an. „Beim Projekt GJ 273b etwa befindet sich der entsprechende Stern zwölf Lichtjahre von der Erde entfernt. Das war der nächste Stern, der über einen potentiell bewohnbaren Exoplaneten verfügt“, so Vakoch.

Die meisten dieser Sterne seien zwar rote Zwerge, alt und lichtschwach, aber sie besitzen potentiell lebensfreundliche Planeten in naher Umlaufbahn, selbst wenn die Wissenschaft längere Zeit eine Bewohnbarkeit ausschloss. „Die Begründung war gewesen, dass die Planeten in diesen Zonen keine Eigenrotation aufweisen würden, eine Seite also immer zum Stern zeigen und die andere nie Licht abbekommen würde. Entsprechend stellten sie sich eine Seite kochend heiß und die andere gefroren vor, was die Planeten ungeeignet für Leben machen würde. In jüngster Zeit kamen Forscher aber zu dem Schluss, dass auch bei solchen Planeten die Hitze durch eine Atmosphäre und Ozeane verteilt werden könnte, wodurch sie bewohnbar wären.“, so der METI-Präsident.

Für die erfolgreiche Kommunikation sollte man natürlich auch zuhören können und das gilt genauso für Gespräche mit Aliens. Deshalb beteiligt sich METI mit an der Suche nach extraterrestrischem Leben („Search for extraterrestrial intelligence“, SETI). Sie arbeiten natürlich nicht alleine:

„METI sucht auch nach eintreffenden Signalen auf eine Art, die größere Initiativen ergänzt, wie etwa das ‚Breakthrough Listen‘-Projekt des russischen Philanthropen Juri Milner“, erklärt Vakoch. „Während diese Projekte einige der größten Teleskope verwenden, um das All auf Botschaften hin abzulauschen, versucht METI andere Herangehensweisen bei mittelgroßen optischen Teleskopen durchzuführen.“

Zum Einsatz kämen außerdem abweichende Analysetechniken, die einen großen Vorteil haben: Die Suche ist um zusätzliche Grundannahmen erweitert, was die Beschaffenheit von außerirdischen Signalen angeht. Dadurch werden mehr potentielle Botschaften aus dem All abgegriffen und ausgewertet.

„Sie wissen schon von unserer Existenz“ – Fürchtet sich jemand vor Aliens?

Es gibt selbstverständlich Forscher, die der METI-Arbeit sehr kritisch gegenüberstehen. Die größte Furcht: solche Signale können das Ende der (menschlichen) Welt nach sich ziehen. Extraterrestrisches Leben könnte nicht nach freundlichem Austausch sondern nach einer neuen Heimat suchen. Der Direktor von „METI International“ teilt diese Ansicht nicht: „Jede Zivilisation, die technologisch fortgeschritten genug ist, um zur Erde zu reisen und uns Leid zuzufügen, könnte bereits von unserer Existenz aus zufälligen Fernseh- und Radiosignalen wissen, die sich von der Erde aus in alle Richtungen seit Jahrzehnten verbreiten. Die Aussendung unserer METI-Signale erhöht also nicht das Risiko außerirdischer Marodeure.“

Der Forscher geht sogar sehr davon aus, dass die fremden Zivilisationen alles andere als überrascht wären: „Unser Ziel beim Aussenden zweckgerichteter Signale in andere Welten ist es nicht, sie zum ersten Mal auf unsere Existenz aufmerksam zu machen. Wir nehmen an, dass sie schon von unserer Existenz wissen, wenn sie ein bisschen weiter fortgeschritten sind als wir.“ Der Beweis sei die schnelle Entwicklung der Radioastronomie, mit der man das All nach Botschaften abhören kann. Zwei bis drei Jahrhunderte später würde diese Entwicklung eine Zivilisation in den Stand versetzen, die Strahlungen der Erde aus einer Distanz von 500 Lichtjahren auszumachen, ist sich Vakoch sicher. Deswegen folgert er auch: „Die Angst, dass unsere intentionalen interstellaren Botschaften eine Alien-Invasion hervorrufen werden, ist unangebracht.“

Ganz ausschließen kann er das aber nicht: „Es wäre beruhigend zu denken, dass wir die Menschheit schützen können, indem wir solche absichtlichen Radiosendungen an andere Sterne unterbinden“, merkt er an. „Ich wünschte, ich könnte sagen, dass wir dann irgendwie sicherer wären. Aber ich kann es nicht. Nur: Falls die Aliens unterwegs sind, ist es jedenfalls besser, sie in eine Konversation zu verwickeln, als sich zu verstecken zu versuchen, obwohl es zu spät ist.“"

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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