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Forscher lassen Todkranke Weisheit definieren

Archivmeldung vom 27.01.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.01.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Rollator: Kranke haben eigene Definition von Weisheit. Bild: pixelio.de, R. B.
Rollator: Kranke haben eigene Definition von Weisheit. Bild: pixelio.de, R. B.

Forscher der University of California San Diego School of Medicine arbeiten an einer neuen Erstellung der Kriterien für den Begriff der Weisheit. Dazu haben sie 21 Hospizpatienten in den letzten sechs Monaten ihres Lebens ersucht, die Haupteigenschaften von Weisheit zu beschreiben. Zusätzlich wurden sie gefragt, ob die tödliche Erkrankung ihr Verständnis von Weisheit verändert oder beeinflusst hatte.

Konfrontation mit dem Tod

Weisheit wird normalerweise als die Frucht eines langen Lebens, die Ansammlung von Erfahrungen und gelernten Lektionen angesehen. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler eine Definition als komplexe Charaktereigenschaft mit verschiedenen, miteinander verknüpften Teilen wie Mitgefühl, emotionale Regulierung, Spiritualität und Toleranz erstellt.

Das Lebensende stellt laut Forschungsleiter Dilip V. Jeste eine einzigartige Perspektive dar. "Dabei handelt es sich um eine extrem herausfordernde Zeit. Es geht darum, das Geschehen zu akzeptieren und gleichzeitig zu versuchen, zu wachsen und die verbleibende Zeit so gut wie nur möglich zu nutzen. Dieses Paradoxon kann, wenn es angenommen wird, sogar in der Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit zu mehr Weisheit führen."

Die Aspekte der Weisheit, angefangenen von der Definition und Beurteilung bis hin zur Neurobiologie, haben die Forscher bereits untersucht. Für die aktuelle Studie wurden die Patienten entweder zu Hause oder in Betreuungseinrichtungen befragt. Allen wurden die gleichen Fragen gestellt: "Wie definieren Sie Weisheit?" und "Welche Erfahrungen haben ihr Ausmaß an Weisheit beeinflusst?" Die Interviews boten zudem Raum für Themen, die den Teilnehmern wichtig waren. Sie wurden in der Folge mit einer Reihe von Verfahren analysiert.

Frieden mit Krankheit machen

In der Reihenfolge der Wichtigkeit wurden von den Befragten prosoziales Verhalten, soziale Entscheidungsprozesse, emotionale Regulierung, Offenheit für neue Erfahrungen, das Annehmen von Unsicherheit, Spiritualität, Selbstreflexion, ein Sinn für Humor und Toleranz bei der Definition von Weisheit genannt. Die schwere Erkrankung, die Diagnose einer tödlichen Erkrankung oder der Beginn des Aufenthaltes im Hospiz veränderten die Vorstellung von Weisheit. Laut einer Teilnehmerin hatte sich ihre Perspektive auf das ganze Leben verändert.

Ein in den Interviews immer wieder ein Thema war die Suche nach Akzeptanz oder der Frieden mit der Krankheit. Das galt vor allem in Bezug auf die körperlichen Veränderungen und den Verlust der Funktionsfähigkeit. Es handelte sich laut der Erstautorin Lori P. Montross-Thomas nicht um ein passives Aufgeben, sondern vielmehr um einen aktiven Bewältigungsvorgang.

"Sie betonten, wie sehr sie das Leben schätzten und sich Zeit nahmen nachzudenken. Es ging darum, die bleibende Zeit zu genießen und so die Schönheit in jedem Tag zu finden", sagt Jeste. Die Teilnehmer berichteten auch von einem dynamischen Wachstum. Durch das Leben mit der Krankheit kam es zu mehr Entschlossenheit, Dankbarkeit und positiver Einstellung. "Dieses Wachstum stand in einem direkten Zusammenhang mit dem Zuwachs an Weisheit." Die Forschungsergebnisse wurden in "International Psychogeriatrics" veröffentlicht.

Quelle: www.pressetext.com/Moritz Bergmann

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