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One-Way-Ticket zum Mars: „Viele vergebliche Hilferufe“

Archivmeldung vom 24.04.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.04.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Mars in natürlichen Farben, aufgenommen am 26. Juni 2001 mit dem Hubble-Weltraumteleskop
Mars in natürlichen Farben, aufgenommen am 26. Juni 2001 mit dem Hubble-Weltraumteleskop

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

In genau zehn Jahren, am 24. April 2023, sollen die Menschen auf dem Mars landen. Wer mit fliegen will, soll sich melden: Die niederländische Firma Mars One nimmt Anträge entgegen. Ein Rückflug ist aber technisch unmöglich. Wie Boris Pawlischtschew bei Radio "Stimme Russlands" berichtet warnen Russische Psychologen, dass Ausraster im Flug unvermeidlich sein werden.

Boris Pawlischtschew weiter: "Jeder Anwärter soll in einem Video erklären, warum ausgerechnet er für den Mars-Flug besonders geeignet sei. Die Entgegennahme dieser Video-Anträge hat gerade begonnen und soll zwei Jahre dauern. Jeder Anwärter muss außerdem 25 US-Dollar zahlen – das ist laut Organisatoren eine Hürde für diejenigen, die das Projekt nicht ernst nehmen.

Die Organisatoren erwarten mindestens eine Million Anträge aus der ganzen Welt. Die Ausgewählten sollen in Gruppen je vier Personen aufgeteilt werden. Dann beginnt das Training. Die künftigen „Marsmenschen“ sollen in der Lage sein, einen Ausweg aus jeder Stresssituation zu finden. Vorgesehen ist auch ein isolierter Aufenthalt in einer simulierten Marsbasis mit einer verzögerten Funkverbindung zu der Erde – wie beim russischen Experiment Mars-500.

Raumfrachter des Typs Dragon sollen unterdessen Vorräte, Wohnmodule, Lebenserhaltungssysteme und Fahrzeuge auf den Mars bringen. Im Jahr 2022 soll der Abflug stattfinden. Juri Bubejew, Abteilungschef für Psychologie des Medizin- und Biologie-Instituts der Russischen Wissenschaftsakademie, sagt, die Mission sei für jeder Teilnehmer ein psychologischer Härtetest:

„Für jeden, der sich zum Hinflug bereit zeigt, wird unbedingt der Moment kommen, wo man seine Meinung ändert, aber nicht mehr zurückrudern kann. Bereits in den ersten Monaten wird es mit Sicherheit zu einer Umwertung kommen. Wenn man nur One-Way-Tickets hat, wird die Erde viele vergebliche Hilferufe hören“.

Bubejew erinnert sich an die bisherigen Experimente, als isolierte Testpersonen ihr künftiges Menü festlegen sollten. Bereits nach einem Monat waren die Menschen ihrer Lieblingsgerichte überdrüssig und wollten etwas Neues. Doch nicht nur Geschmack und Vorlieben ändern sich laut Bubejew in Isolation, sondern auch persönliche Eigenschaften:

„Alleine der Gedanke, dass es kein Zurück gibt, ändert viel. Das werden nicht mehr dieselben Menschen sein, die von der Erde abflogen. Bei einer negativen Entwicklung, wobei die Situation an Bord nicht mehr von der Erde aus korrigiert werden kann, wird der Flugauftrag keinen Vorrang mehr haben“.

Wladimir Malygin, Lehrstuhlchef für Psychotherapie der Moskauer Staatsuniversität für Medizin und Stomatologie, sagt, nicht jeder Anwärter auf einen Mars-Flug ohne Zurück sei psychisch gesund. Bei dieser Entscheidung lasse man sich nicht unbedingt vom Verstand leiten:

„Das ist entweder eine depressive Reaktion auf etwas oder eine depressive Episode. Das ist auch ungesund – zwar keine Krankheit, aber eine Pathologie. Unter ihnen gibt es viele problembelastete Menschen“.

Rund 10.000 Anträge aus 100 Ländern sind bereits eingegangen – an Interessierten mangelt es also kaum. Die Frage ist nun, ob es den Organisatoren gelingt, die erforderlichen sechs Milliarden US-Dollar einzutreiben. Die meisten Erlöse erhoffen sie sich von den geplanten Reality-Shows über die Vorbereitungen sowie von Live-Übertragungen vom Mars."

Quelle: Text Boris Pawlischtschew - „Stimme Russlands"

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