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System ohne Banken: Experte erwartet neue Ordnung des Geldes

Archivmeldung vom 28.02.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.02.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Verena Herzberger / pixelio.de
Bild: Verena Herzberger / pixelio.de

Das Geld und die Krypto-Währungen entwickeln sich in der digitalen Wirtschaft nicht vollwertig und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Dysbalance in der Weltwirtschaft, meint Ruslan Dsarassow, Professor des Lehrstuhls für Politische Ökonomie der Russischen Wirtschaftsuniversität „Georgi Plechanow“.

Hierzu berichtet die deutsche Ausgabe des russischen online Magazins "Sputnik": "Diese Auffassung brachte er in einem Kommentar zu den Ergebnissen der jüngsten Konferenz „Herausforderungen der digitalen Wirtschaft: Russland vor dem Hintergrund globaler Tendenzen“ zum Ausdruck.

Dabei zeigte sich der Experte überzeugt, dass sich die Welt „in Richtung irgendeines neuen Geld- bzw. Devisensystems bewegt: Es wird keine neuen Warengelder aus alten Zeiten (Gold und Silber) geben, aber es werden die wichtigen Funktionen wiederhergestellt, die früher Geldwaren erfüllten.“ Mehr als das: Russland könnte nach seiner Auffassung gemeinsam mit den anderen BRICS-Ländern, vor allem mit solchen Giganten wie China und Indien, eine wichtige Rolle bei der Etablierung des neuen Finanzsystems in der Nach-Krisen-Welt spielen.

In der Welt ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg „eine Entmaterialisierung des Geldes“ beobachten, sagte der Professor weiter. „Lassen Sie uns die Geschichte des Geldumsatzes anschauen: Zunächst gab es Gold und Silber, dann wurden Banknoten erfunden, dann wurde der Gold-Geld-Austausch gestoppt (die bekannte Abschaffung des ‚Goldstandards‘ 1971durch den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon), und jetzt gibt es digitales Geld und Krypto-Währungen“, erläuterte Dsarassow.

In diesem Zusammenhang erinnerte er, dass mit der „Warentheorie des Geldes“ Geld als Ware gemeint ist, die die zusätzliche Eigenschaft der „allgemeinen Tauschbarkeit“ hat: Solches Geld kann sowohl eine „Vermittlerfunktion“ beim Austausch als auch eine „Sparfunktion“ erfüllen.

„Die Entmaterialisierung des Geldes resultiert aus grundsätzlichen Veränderungen im Produktionssystem: Sie zeugt von großen Dysbalancen in der Weltwirtschaft“, so der Ökonom.

Der „Golddollar-Standard“ der Nachkriegszeit (das Bretton-Woods-System) sah die zentrale Rolle des Dollars (Dollar als Reservewährung) vor. „Dabei konnten die Länder, die große Dollareinnahmen aus dem Außenhandel hatten, sie gegen Gold tauschen“, betonte er und ergänzte, dass die USA einst zur Goldaufbewahrung auf Emission von Staatsanleihen und deren Verkauf an Länder mit enorm großen Dollarvorräten zurückgegriffen hatten. Doch später stellte sich heraus, dass es unmöglich war, die immer größeren Staatsschulden zu bedienen. Die USA mussten zu Fiatgeld übergehen, das nicht gegen Gold getauscht werden konnte. Der Wert dieses Geldes stützte sich nur auf das Vertrauen zu dem Land, das dieses Geld emittierte.

Das alles zeugt Professor Dsarassow zufolge davon, dass man allmählich von der Warennatur des Geldes abrückt. Ihren Höhepunkt erreicht dieser Prozess im Umsatz von Krypto-Währungen. Allerdings braucht die Weltwirtschaft nach wie vor „normales“ Geld, mit dem man den Wert dieser oder jener Produkte messen könnte, und das ein zuverlässiges Sparmittel wäre. Dieser Bedarf wird durch diverse „Geldsurrogate“ aufgefüllt, insbesondere durch Derivative.

Als Beispiel führte der Branchenkenner Futures an.

„Ich will Erdöl kaufen, aber nicht jetzt, sondern in einem halben Jahr, und dann schließe ich einen Vertrag ab, dass ich eine gewisse Ölmenge zu einem heute gültigen Preis kaufen werde“, erläuterte er und nannte das einen Versuch, die Kauffähigkeit des Geldes zu fixieren – des Geldes, das keine Warennatur hat. „Deshalb müssen wir solche Instrumente erfinden, die diese Funktion erfüllen würden, was von den Mängeln des heutigen Geldes zeugt, das in Krypto-Währungen ausartet“, so der Professor.

Er verwies auf ein wichtiges Merkmal der Krypto-Währungen: „Dieses Geld wird von keiner Regierung der Welt kontrolliert, und dadurch geht die Idee des liberalen Philosophen und Ökonomen Friedrich Hayek in Erfüllung, der davon träumte, dass Geld nicht vom jeweiligen Staat, sondern von Banken gedruckt würde.“ Allerdings spielen auch Banken nach der Entstehung von Krypto-Währungen keine große Rolle mehr, denn diese Finanzmittel werden unter Umgehung der Banken emittiert.

„Krypto-Währungen bilden eine völlig neue Basis für die Entwicklung des Derivativmarktes, wobei sich der Wert dieser abgeleiteten Finanzinstrumente auf den Wert der Basisaktiva (wie im Fall mit den Öl-Futures) stützt“, betonte der Experte und stellte fest, dass dadurch der Spekulationsmarkt aufgeblasen wird: „Geld, das keine Warenbasis hat, kann seine Funktionen nicht mehr richtig erfüllen, und deshalb entsteht eine große Nische für diverse Surrogate, die die Risiken in der Weltwirtschaft noch weiter erhöhen.“

Bill Gates: Kryptowährungen töten Menschen

Der Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates hat in einem Online-Interview für die Plattform Reddit Kryptowährungen heftig kritisiert. Diese sind ihm zufolge auch für Todesfälle unter Menschen verantwortlich.

„Die Haupteigenschaft der Kryptowährung ist ihre Anonymität. Ich denke aber nicht, dass dies eine gute Sache ist“, sagte Gates.

Es könne auch schädlich sein.

„Es ist gut, dass die Regierung in der Lage ist, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und die Terror-Finanzierung aufzudecken.“ Aber „derzeit werden die Kryptowährungen oft genutzt, um Fentanyl und andere Drogen zu kaufen“. Das sei eine außerordentliche Technologie, die Tote auf ziemlich direktem Weg verursacht habe.

Anschließend sagte Gates, dass die Spekulationen mit Kryptowährungen „superriskant“ seien."

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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