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Schwabenland Büro - reich im Handumdrehen?

Archivmeldung vom 28.04.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.04.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Wundersame Geldvermehrung, Schneeballsystem oder echte Kreditalternative? Seit einem Jahr sammelt die Firma Schwabenland Büro aus Illerrieden-Dorndorf in Schwaben mit inzwischen 20 Agenturen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Türkei weltweit Geld von Kunden ein, die dringend 20 Euro oder gar 5 Millionen Euro benötigen.

Man muss nur zehn Prozent der gewünschten Summe anzahlen und erhält den gewünschten Betrag schon innerhalb von zwei Wochen (bis 5.000 Euro) und neun Monaten (ab 3 Millionen Euro). Einzige Bedingung: Man muss drei weitere Interessenten werben, die mindestens den gleichen Betrag einzahlen. Zurückzahlen muss man das Geld nicht, weil die Geworbenen ja weitere Kunden werben, die Geld einzahlen und auch wieder neue Geldinteressenten werben. Einzige Zusatzbedingung: Man darf nur eine Runde eröffenen. Erst, wenn man sein Geld bekommen hat, darf man von vorn anfangen.

„Das ist kein Schneeballsystem, das irgendwann platzt. Ich habe das genau durchkalkuliert“, sagt die gelernte Speditionskauffrau und alleinige Firmeninhaberin von Schwabenland Büro, Christl Bludau (35), dem Finanznachrichtendienst www.gomopa.net.

Bludau: „Viele Kunden hatten zu Anfang Angst, weil sie dachten, es wäre ein Schneeballsystem. Ist es aber nicht. Tatsächlich habe ich vor ein paar Jahren Seminare bei der Firma PH Power Concept besucht, die von GoMoPa als Schneeballsytem kritisiert worden war. Damals habe ich mich über die Kritik geärgert. Heute weiss ich, dass GoMoPa Recht hatte. Der Besitzer der Firma hat das System dann tatsächlich gegen den Baum gefahren. Ich habe daraus gelernt. Bei mir wird das nicht passieren.“

GoMoPa: Wie wollen Sie das bei einem System, das immer auf neue Kunden angewiesen ist, verhindern?

Bludau: „Es kann gar nicht aufhören, weil es immer Menschen gibt, die Geld brauchen. Aber für den Fall, dass ich mal tatsächlich nicht auszahlen könnte, habe ich mich bei zwei Investoren aus dem Ausland abgesichert. Die möchten allerdings nicht genannt werden. Ich habe sie zum Glück bislang noch nicht in Anspruch nehmen müssen.“

GoMoPa: Läuft es denn so gut?

Bludau: "Am Anfang im Juli letzten Jahres dümpelte es vor sich hin. Die Leute sind vorsichtig, schließlich muss man ja jemanden mit reinbringen. Die ersten 5.000 Euro habe ich von meinem Geld auf eigenes Risiko ausbezahlt. Ich habe wirklich gezittert, ob mein Geld nicht verloren sei. Aber nach und nach kamen die Empfehlungen. Im März 2009 ist dann endgültig der Knoten geplatzt. Ich muss jede Woche alleine 500 Anträge bearbeiten. Täglich werden es mehr. Das ist Stress pur. Ich muss unbedingt expandieren. Ich plane, mitte Juni den Geschäftssitz in die Schweiz zu verlegen. Dort hat man es als Finanzfirma einfacher als in Deutschland.“

GoMoPa: Warum haben Sie keine eigene Seite im Internet?

Bludau: „Das wollte ich schon, aber meine beiden engsten Berater und Mitarbeiter haben mir vom Internet und von einem Antrag bei der Bundesaufsicht für Finanzwesen (BaFin) abgeraten. Nun bin ich tatsächlich allein durch Empfehlungen bekannt geworden. Und es gibt nicht einen, der sein Geld nicht bekommen hat.“

Einer der Vermittler ist der Bayer Walter Maier (69). Er bietet das Geld aus dem Schabenland Büro von Ungarn aus unter der Internetadresse www.darlehen.special.ms an.

Auf Maiers Seite heißt es: „Unser System ist völlig neu und einzigartig. Bei uns gehen Sie kein Risiko ein. Wir vermitteln zu 100 Prozent.“ Maier, der nach dem Tod seiner Frau vor acht Jahren eine Ungarin geheiratet hat und zu ihr gezogen ist, sagt zu GoMoPa: „Ich habe mit 20 Euro angefangen. Ich habe das Geld auf das Konto des Dienstleistungsbüros Schwabenland bei der Raiffeisenbank Donau-Iller überwiesen, fand aber leider nur eine einzige Empfehlung. Ich habe Frau Bludau angerufen und sie hat mir dann zwei Empfehlungen gesponsert. Ich hatte pünktlich nach 14 Tagen meine 200 Euro. Die habe ich natürlich sofort wieder eingesetzt. Geld kann man schließlich immer gebrauchen.“

Bludau: „Ja, das kommt schon vor, dass ich jemanden helfe, der seine drei Empfehlungen nicht zusammenbekommt und dringend das Geld braucht. Da kommt dann meine soziale Ader durch. Ich kann nicht nein sagen.“

GoMoPa: Gab es einen konkreten Anlass zur Gründung des Schwabenland Büros?

Bludau: „Den gab es. Meine Freundin fragte mich, wo sie 5.000 Euro herbekommen sollte. Einen Kredit konnte sie sich nicht leisten. Und Ansparen dauerte zu lange. Da habe ich mir ein Blatt Papier genommen und hin und her gerechnet.“

GoMoPa: Bekommt bei Ihnen jeder einen Auszahlungsvertrag?

Bludau: "Jeder, ausser Vorkostenbetrüger. In meinem Bekanntenkreis haben schon sehr viele Menschen Geld verloren. Wir haben eine schwarze Liste von Vorkostenbetrügern erstellt. Wer da drauf ist, wird von mir persönlich abgelehnt."

GoMoPa: Sind Sie schon einmal auf einen Kreditbetrüger hereingefallen?

Bludau: „Oh ja, leider zwei Mal. Mein Ex-Mann und ich brauchten vor 13 Jahren für eine Firmengründung einen Kredit von damals einer Million D-Mark. Drei Türken kamen zu uns, wir gaben Ihnen 20.000 D-Mark und erhielten einen Scheck über eine Million Mark. Kurz darauf bekamen wir eine Hausdurchsuchung von der Kriminalpolizei. Der Scheck war zwar echt, aber leider gestohlen. Beim zweiten Versuch fuhren wir nach Berlin. Dort trafen wir mehrere Deutsche. Einer zeigte uns seinen Ausweis. Wir übergaben den Männern 10.000 D-Mark. Vier Wochen später fragten wir nach, wo unser Kredit über eine Million Mark bleibt. Es stellte sich folgendes heraus: Der Mann mit dem Ausweis war nur der Hausmeister, die Kreditvermittler waren mit unserem Geld über alle Berge.“

GoMoPa: Sie haben bislang nur Lob bekommen. Ein Kunde aus Kassel schrieb im April 2009 in einer Marktanzeige in die Gelben Seiten: „Infos zu Schwabenland Büro!!! Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit gebe ich allen bekannt, dass die Firma Schwabenlanbüro sehr seriös ist. Ich selber bin Kunde und habe das Darlehen erhalten. Ich kann es jedem empfehlen, denn im Internet gibt es zu viele schwarze Schafe und Abzocker, aber bei Schwabenland niemals. Ich bin glücklich, diese Firma gefunden zu haben. Wer einen Kredit haben möchte, der soll zur Bank gehen, wenn der dann abgelehnt wird, Pech. Aber bei Schwabenland bekommen Sie zu 100 Prozent den Kredit.“ Frau Bludau, haben Sie die Anzeige geschaltet oder in Auftrag gegeben?

Bludau: "Nein, damit habe ich nichts zu tun. Bei GoMoPa haben sich ja auch zwei Kunden ins Forum eingetragen. Die haben nicht kritisiert, sondern wollten wissen, ob schon jemand mit dem Schwabenland Büro Erfahrungen gemacht hat. Als GoMoPa jetzt bei uns anrief, war meine Stellvertreterin Corinna Marzenell in heller Aufregung. Um Himmels Willen, GoMoPa will uns sprechen. Ich sagte, beruhige Dich, wenn GoMoPa uns nicht zerreisst, dann haben wir es geschafft, dann sind wir wirklich gut."

GoMoPa: Wie sind Sie auf den Namen Schwabenland Büro gekommen?

Bludau: „Da habe ich mir nichts bei gedacht. Ich wohne halt im Schwabenland. Und wir sind ein Büro und keine Bank, das ist alles.“

Es gibt jedoch noch ein Schwabenland-Büro. Ein doppeltes Lottchen?

GoMoPa stieß beim Googlen auf die Tatsache, dass es noch ein Schwabenland Büro gibt. Nämlich das LVM-Versicherungsbüro von Dirk Schwabenland in Koblenz in Rheinland-Pfalz. GoMoPa rief das Büro an. Der Makler hörte das erste Mal von dem Geldservice Schwabenland Büro und versicherte: „Mit diesem Schwabenland Büro habe ich nichts zu tun. Ich verkaufe Versicherungen. Mein Büro heißt Schwabenland, weil ich von Geburt an Schwabenland heiße. Den Namen habe ich mir nicht schützen lassen. Wer lässt schon seinen Familiennamen schützen? Ich müsste mal bei unserer Rechtsabteilung nachfragen, ob jemand einfach meinen Namen benutzen darf.“

Aber unter doppelten Anfragen leidet der Makler bislang nicht. Maier: „Noch brechen meine Telefonleitungen oder mein e-mail-Postfach nicht zusammen.“

GoMoPa bat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg um eine Beurteilung des Finanzprodukts von Kauffrau Christl Bludau. Das Urteil für das Schwabenland Büro fällt negativ aus.

Banker und Finanzexperte der Verbrauerzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, sagte gegenüber GoMoPa: "Das ist ganz klar ein Schneeballsystem. Davor kann man nur warnen. Die Frau müsste man wegen Betruges anzeigen. Das ist eine üble Abzocke. Das ist mathematisch klar ausrechenbar. Den Letzten beißen die Hunde. Mit dem Geld, das man anlegt, passiert gar nichts. Das kann nur schief gehen und endet wie bei Rupert Murdoch, der schließlich Milliarden Euro verbrannte. Es gibt keinen angeblichen Goldesel."

GoMoPa: Frau Bludau, was würden Sie einem Richter sagen, warum Sie das Schwabenland Büro betreiben?

Bludau: "Ich bin zuversichtlich, dass das nicht passiert. Wenn doch, dann würde ich dem Richter sagen: Jeder braucht Geld. Wenn Sie, Herr Richter, sagen, dass Sie keines brauchen, dann tut mir Ihre Frau leid. Würden Sie Ihrer Frau nicht auch mal etwas Besonderes zu Weihnachten schenken wollen, haben aber nicht so viel auf der Bank? Wie gesagt, jeder braucht Geld, deshalb funktioniert es." 

Quelle: GoMoPa

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