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Digitalisierung: Wirtschaftsressort zweifelt an Merkels Jobprognose

Archivmeldung vom 19.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
KUKA Roboter im Karosseriebau des BMW Werk Leipzig beim Zusammenbau der Bodengruppe für einen 3er BMW (hier BMW E90). Bild: Torsten.heise at de.wikipedia
KUKA Roboter im Karosseriebau des BMW Werk Leipzig beim Zusammenbau der Bodengruppe für einen 3er BMW (hier BMW E90). Bild: Torsten.heise at de.wikipedia

Das Bundeswirtschaftsministerium stellt die Zusage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Frage, die Digitalisierung schaffe unter dem Strich mehr neue Arbeitsplätze als durch den Einsatz von Robotern und neuen Technologien verloren gehen. Der Saldo aus neu entstehenden und wegfallenden Arbeitsplätzen durch Digitalisierung sei wegen der Vielzahl von Einflussfaktoren und möglichen Zukunftsentwicklungen "nur unter bestimmten Bedingungen abschätzbar", erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer auf eine schriftliche Anfrage der Grünen, berichtet die "Welt am Sonntag".

"Prognosen für die Entwicklung des Arbeitsmarktes sind angesichts dieses noch recht jungen Trends mit großen Unsicherheiten verbunden", heißt es demnach in Beckmeyers Antwort. Die besonderen Folgen der Digitalisierung abzuschätzen, dürfte noch schwieriger sein, als herkömmliche Arbeitsmarktprognosen abzugeben, da politisch beeinflussbare Faktoren wie Wirtschaftsförderung und Bildungsmöglichkeiten mitwirkten, heiße es aus dem Wirtschaftsressort.

Selbst eine detaillierte Analyse im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums habe keine Einzeleffekte auf den künftigen Arbeitsmarkt vorhersagen können. So könne es im Übergang durchaus zu einer negativen Bilanz kommen, schreibt der SPD-Politiker Beckmeyer der Zeitung zufolge.

Die historische Rückschau zeige aber, dass technologische Innovationen in der Gesamtbilanz langfristig zum Beschäftigungsaufbau geführt hätten. Damit sieht das Wirtschaftsressort von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) keine belastbaren Belege für eines der zentralen Zukunftsversprechen der Bundeskanzlerin. Merkel hatte am 4. Dezember auf einem internationalen Kongress zur Digitalisierung in Berlin gesagt: "Auf jeden Fall erfordert eine Prosperität Europas eine positive Einstellung zu den technischen Möglichkeiten der digitalen Welt, denn hier werden weit mehr Jobs entstehen, als Jobs wegfallen durch Digitalisierung in der klassischen Wirtschaft."

Die Jobzusage war damals von den Nachrichtenagenturen aufgegriffen worden und findet sich bis heute als eine der wichtigsten Botschaften des Auftritts auf der offiziellen Internet-Seite der Bundesregierung. "Die Bundeskanzlerin verspricht blühende Landschaften für alle und ignoriert damit die Realität", kritisiert der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek, der in seiner schriftlichen Anfrage an das Wirtschaftsressort wissen wollte, auf welche Daten sich Merkel mit ihrem Jobversprechen gestützt hatte.

"Intelligente Technik droht den Arbeitsmarkt zu spalten in diejenigen mit den hoch bezahlten Jobs, die dem Computer Befehle geben, und eine breite Schar an Niedriglöhnern, die die Befehle erhalten." Leistungsfähige Algorithmen hätten bereits begonnen, ganze Berufsfelder wie Statistiker, Bahnschaffner und Steuerberater zu verdrängen. "Die Bundesregierung schweigt diese Herausforderungen lieber tot, anstatt sich damit auseinanderzusetzen."

Experten: Investitionen in der Industrie schwächer als gedacht

Die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland haben sich seit der Jahrtausendwende schwächer entwickelt als bisher bekannt. Das geht aus unveröffentlichten Berechnungen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftliche Entwicklung hervor, über die die "Welt am Sonntag" berichtet.

"Eine isolierte Betrachtung des verarbeitenden Gewerbes" zeige, "dass sich die Nachfrage dieser Branche nach Maschinen und Geräten in der Tat schwächer entwickelte, und zwar nominal wie real", sagte der Vorsitzende des Gremiums, der Essener Ökonomieprofessor Christoph Schmidt.

Konkret hat der Sachverständigenrat untersucht, wie sich die Investitionen in einzelnen Wirtschaftsbereichen und Branchen entwickeln, wenn man die Veränderungen der Preise für die angeschafften Investitionsgüter berücksichtigt, schreibt die Zeitung. Dies sei relevant, weil bei rückläufigen Preisen die Ausgaben für Investitionen sinken könnten, während das Volumen der Investitionen konstant bleibe oder sogar steige.

Eine nominelle, also nicht preisbereinigte Betrachtung könne daher eine Investitionsschwäche anzeigen, die es gar nicht gebe. Eine reale, also preisbereinigte Analyse des gesamten Investitionsgeschehens in allen Wirtschaftsbereichen hatten die Wirtschaftsweisen bereits in ihrem im November veröffentlichten Jahresgutachten präsentiert.

Demnach ist der Anteil der Ausrüstungsinvestitionen an der gesamten Wirtschaftsleistung zwar zwischen 2000 und 2013 um rund zwei Prozentpunkte gesunken. Erklären lässt sich dieser Rückgang jedoch "vollständig durch die Preisentwicklung für diese Investitionen", sagte der Ratsvorsitzende Schmidt.

Anders sehe es in der Industrie aus. Hier hätten sich die Bruttoinvestitionen in Ausrüstungen und andere Anlagen deutlich schwächer entwickelt als die Wertschöpfung. Preisbereinigt ging die Bruttoinvestitionsquote zwischen 2000 und 2013 um drei Prozentpunkte zurück. Auffallend ist unter anderem die Entwicklung im Fahrzeugbau. Hier haben die Hersteller ihre Investitionen zwar deutlich erhöht, selbst nach einer Preisbereinigung ergibt sich für 2012 gegenüber dem Basisjahr 2000 ein Plus von 35 Prozent.

Doch die Wertschöpfung ist noch viel stärker gewachsen, nämlich um real 58 Prozent. Das bedeutet, dass die Investitionsintensität nachgelassen hat - was konkret in einem Rückgang der Bruttoinvestitionsquote um fünf Prozentpunkte zum Ausdruck kommt.

Dramatischer noch ist die Entwicklung in der Elektronik, einem Bereich, zu dem die amtliche Statistik auch Computer und optische Erzeugnisse zählt. Das Statistische Bundesamt weist für ihn eine stagnierende Investitionsquote aus. Wird aber die Teuerung eingerechnet, zeigt sich, dass in dieser Branche ein Rückbau im Gang ist.

Noch im Jahr 2000 wurden demnach Werte in Höhe von 32 Prozent der Bruttowertschöpfung investiert. 2012 waren es preisbereinigt gerade einmal noch elf Prozent, die Investitionsquote ist also um 22 Prozentpunkte oder fast zwei Drittel gefallen.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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