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Ökonom Hellmeyer warnt: „Entdemokratisierung“ und Technokratie

Archivmeldung vom 02.02.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.02.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Bild: Screenshot Youtube
Bild: Screenshot Youtube

Der Chef des „Weltwirtschaftsforums“, Klaus Schwab, will die Wirtschaft und Politik dazu verpflichten, Grundlagen für eine gerechtere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Zukunft zu schaffen. Für den Finanzanalysten Folker Hellmeyer verdeutlicht dieser Aufruf die Entwicklung hin zu einer Technokratie. Er warnt vor einem Demokratieverlust. Dies berichtet das russische online Magazin „SNA News“ .

Weiter ist auf deren deutschen Webseite dazu folgendes zu lesen: "Jedes Jahr führt Klaus Schwab, der Geschäftsführer und Gründer des „Weltwirtschaftsformus“ (WEF) in Davos, Politiker und Unternehmer zusammen, um die dringenden Fragen der Welt zu diskutieren. Dieses Jahr war das Hauptthema der Veranstaltung „The Great Reset" (auf Deutsch: „Der Große Neustart"), zu dem Schwab im Vorfeld ein Buch veröffentlichte.

„Der Große Neustart" sei eine Verpflichtung, gemeinsam und dringend die Grundlagen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems für eine gerechtere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Zukunft zu schaffen, heißt es in einem WEF-Aufruf. „Wir haben nur einen Planeten, und wir wissen, dass der Klimawandel die nächste globale Katastrophe mit noch dramatischeren Folgen für die Menschheit sein könnte. Wir müssen die Wirtschaft in dem kurzen noch verbleibenden Zeitfenster dekarbonisieren und unser Denken und Verhalten wieder in Einklang mit der Natur bringen“, sagte Klaus Schwab. „Ein ‚Great Reset‘ ist notwendig, um einen neuen Gesellschaftsvertrag aufzubauen, der die Würde jedes Menschen ehrt", fügte Schwab hinzu.

„Die globale Gesundheitskrise hat die fehlende Nachhaltigkeit unseres alten Systems in Bezug auf den sozialen Zusammenhalt, den Mangel an Chancengleichheit und Inklusivität offengelegt. Auch können wir den Missständen von Rassismus und Diskriminierung nicht den Rücken kehren.“

Dieser Aufruf an die Wirtschafts- und Politikvertreter lässt viel Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien zu. Es wird befürchtet, dass die politische Macht zunehmend den Internetkonzernen und großen Wirtschaftsvertretern überlassen wird.

Ökonom warnt vor Technokratie

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der „Solvecon Invest GmbH“, sieht sich als Befürworter einer globalisierten Wirtschaft. Trotzdem beobachte er, dass die Entwicklungen, die Schwab in seinem Buch beschreibt, seit Jahren vorbereitet würden. Und: „Sie werden in Teilen gelebt“, sagt Hellmeyer im SNA-Interview. Dabei warnt er vor einer „Entdemokratisierung“:

„Ich lehne es ab, dem Produktionsfaktor Kapital in den Unternehmen hier zu viel Verantwortung zuzugestehen. Die Rahmendaten müssen weiter durch die Politik gesetzt werden.“ Da gehe es darum, das Maß nicht zu verlieren. „Zuerst verlieren wir die freien Märkte und dann die Demokratie. Und wenn man sich die letzten zwölf bis 13 Jahre anschaut, dann gibt es einen Demokratieverlust in den westlichen Gesellschaften. Wenn hier nicht aufgepasst wird und zu viel politische Macht in nichtdemokratisch legitimierte Institutionen verlagert wird, dann wird die Freiheit, die meine Generation erleben durfte, eine Anekdote der Historie sein, aber nicht die Zukunft für die kommenden Generationen. Ja, ich warne vor einer Technokratie, die mit einer Entdemokratisierung einhergeht“, betont der renommierte Finanzexperte.

„Vollkaskomanier des Staates“

Gleichzeitig erwartet er auch von den Bürgern in den westlichen Demokratien einen „kritischen Umgang mit der res publica“ (lat.: öffentliche Sache – Anm. d. Red.). „Für mich ist die Schläfrigkeit, die es in den Gesellschaften gibt, bezüglich entstandener Demokratiedefizite sehr, sehr irritierend vor dem Hintergrund der Erfahrungen des letzten Jahrhunderts“, so der Chefanalyst.

Es gebe eine individuelle Verantwortung eines jeden Menschen, glaubt er. „Und ich bin absolut gegen eine vollkommene Staatsverantwortung. Eine Staatsverantwortung - und das klingt bei der Kanzlerin Angela Merkel immer wieder durch - ist eine Entmündigung des Bürgers. Wir sind mit der Pandemie gerade natürlich gestraft, das ist ein hohes Risiko. Aber unsere Krankenhäuser waren nie wirklich überlastet, wenn wir über Deutschland reden.“

Am Ende würde es nicht nur um den Schutz einer älteren Generation gehen, die vor allen Dingen mit dem Risiko dieser Pandemie behaftet sei. Es gehe aus seiner Sicht darum, „dass wir der jungen Generation die Zukunft nicht durch die Maßnahmen, die wir heute treffen, verbauen“, warnt der gelernte Bankfachwirt. Hellmeyer plädiert in der Corona-Krise dafür, sinnstiftende und nachhaltige Lösungen zu finden."

Quelle: SNA News (Deutschland)

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