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Wirtschaftskriminalität - der Dieb im eigenen Unternehmen

Archivmeldung vom 27.10.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.10.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Jens Brehl

Der finanzielle Schaden in deutschen Unternehmen ist beträchtlich, doch viele Geschäftsführer und Mitarbeiter verschließen die Augen - Axel Bernhardt, Inhaber einer Wirtschaftsdetektei in Nürnberg und Mitglied im Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) rät zu mehr Mut und einem Bewusstseinswandel im Umgang mit Wirtschaftskriminalität.

Für den Geschäftsführer eines Industrieunternehmens mit 65 Mitarbeitern war Diebstahl lange Zeit ein Fremdwort, bis mehrere Paletten mit High-Tech-Geräten auf seinem eigenen Firmengelände verschwanden. „Die Geräte waren innerhalb von 30 Minuten weg. So was geht nur, wenn man sich auf dem Areal gut auskennt“, so der Inhaber. Er hatte Glück, zwischenzeitlich wurde der Sachverhalt geklärt. Wie sich herausstellte, war ein Mitarbeiter in die Aktion verstrickt.

Kein Betrieb ist wirklich sicher, die Erscheinungsformen der Wirtschaftskriminalität sind so unterschiedlich wie das Tätigkeitsfeld der Unternehmen: Ob der Griff in die Kasse, Betrug, Korruption oder Spionage: Delikte sind an der Tagesordnung. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG ist Diebstahl das am häufigsten registrierte Vergehen, gefolgt von Untreue und Betrug. Cybercrime, also der kriminelle Einsatz von Informationstechnologie, gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung, heißt es in einer Untersuchung von Dr. Myriam Bechtoldt von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt.

„Blanke Geldgier, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, wirtschaftliche Schwierigkeiten, aber auch Arbeitslosigkeit und Armut sind Gründe, warum sich auch Arbeitnehmer zur Kriminalität hinreißen lassen“, weiß Axel Bernhardt, der vor der Gründung seiner Detektei 18 Jahre im Polizeidienst, davon 11 Jahre in einer Spezialeinheit tätig war. Gelegentlich werden bislang unbescholtene Bürger zu Tätern. Manch einer hat seinen Arbeitsplatz verloren, die Einnahmen sinken, nicht aber der Anspruch an den eigenen Lifestyle. „Vom Sachbearbeiter bis zum Vorstandsvorsitzenden - Kriminalität geht durch alle Schichten“, sagt Bernhardt, der eine hohe Korrelation zwischen Beschäftigungsdauer und Kriminalitätsrate feststellt: „Mancher Mitarbeiter genießt das Vertrauen und weiß um die Schwachstellen im Unternehmen. Je länger die Betriebszugehörigkeit, desto größer ist die Versuchung. Ausnahmen bestätigen die Regel“.

Welche Signale weisen aber auf Wirtschaftskriminalität im Unternehmen hin? Man sollte hellhörig werden, wenn Mitarbeiter unabkömmlich sind, nicht delegieren wollen und somit einem Dritten Einblick in die Arbeit verweigern. Wenn das Gehalt des Mitarbeiters in keiner Relation zu seinem luxuriösen Lebensstil steht, ist Vorsicht geboten. Wer regelmäßig einen Gehaltsvorschuss benötigt, steckt möglicherweise in der Klemme. Verlassen mehrere Mitarbeiter einer Abteilung innerhalb kürzerer Zeit die Firma, sollten die Alarmglocken schrillen. Gelegentlich liegt es auch am schlechten Betriebsklima. Gefährlich könnte es werden, wenn der neue Arbeitgeber ein Tochterunternehmen der Konkurrenz ist und ein bis zwei Personen in der alten Firma die Kontakte zu den Ex-Mitarbeitern „warm halten“.

Bernhardt empfiehlt: Man sollte jedem noch so kleinen Verdachtsmoment diskret nachgehen. Allerdings ist der Grat schmal zwischen einem Zweifel, der sich in Luft auflöst und einem berechtigten Misstrauen. Falsche Verdächtigungen können ein bisher gutes Betriebsklima vergiften und erst recht „Rachegelüste“ erzeugen. Ein gutes Fingerspitzengefühl und Diskretion sind daher äußerst wichtig.

„In meinem Unternehmen passiert das nicht“, solche Killerphrasen bekommen Wirtschaftsermittler immer wieder zu hören. Oft blockieren mangelndes Problembewusstsein sowie große Unwissenheit um Lösungsansätze jegliche Vorkehrungsmaßnahmen. In manchen Fällen wüssten die Betroffenen gar nicht, wie sie sich wehren sollten, weiß Bernhardt. Ein effektives und einfaches Kontrollsystem muss nicht teuer sein, doch gerade das fehlt in vielen Firmen. Dazu gehören etwa spontan durchgeführte Inventuren während des Jahres, eine Revisionsabteilung, die unregelmäßig alle Geschäftsbereiche auf Veruntreuungshandlungen checkt oder ein Ombudsmann, der als Vertrauensperson sich dem Thema Wirtschaftskriminalität annimmt. Auch eine „Telefon-Hotline“ kann sehr nützlich sein. Hat man einen konkreten Verdacht oder einen Vorfall selbst erlebt, kann man dies auf einem Telefon-Anrufbeantworter anonym mitteilen. Doch all diese Kontrollmaßnahmen greifen zu kurz, wenn die Weichen im Unternehmen nicht richtig gestellt werden. Die Anreize für Delikte sollten so gering wie möglich bleiben. Ein gutes Betriebsklima sowie eine angemessene Entlohnung können dazu beitragen. Wer sich von seinem Arbeitgeber immer mehr distanziert, bei dem sinkt die Hemmschwelle für Straftaten.

Sicherheitsmaßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität beginnen schon bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. So ist das Sechs-Augen-Gespräch etwa wesentlich besser als eine Unterredung zwischen dem Chef alleine und dem Bewerber. Die Bewerbungsunterlagen als Informationsquelle reichen nicht aus, ein gesundes Misstrauen kann nicht schaden. Bei Einstellungen von Führungskräften sollte man nicht davor zurückschrecken, im Zweifelsfalle diese extern überprüfen zu lassen. Bei Kündigungen von Mitarbeitern ist ein Abschlussgespräch sinnvoll. Möglicherweise begründet der Angestellte seinen Weggang, schildert das Fehlverhalten von Kollegen und Vorgesetzten, das er nicht tolerieren wollte.

Fest steht: Einen hundertprozentigen Schutz vor Wirtschaftskriminalität gibt es nicht. Sicher ist auch: Wer glaubt, dass Wirtschaftskriminalität stets nur bei anderen Unternehmen vorkommt und sich dem Thema im eigenen Betrieb nicht annimmt, öffnet den Versuchungen von Langfingern Tür und Tor. Wer als Geschäftsführer bzw. in verantwortlicher Position einen konkreten Verdacht hat, sollte den Mut haben, den Rat eines Experten hinzuziehen. Sonst kann es langfristig teuer werden.

Quelle: Pressemitteilung Wirtschaftsdetektei Bernhardt

 

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