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DIW erwartet mindestens Verdreifachung der Heizkosten bei Gas

Archivmeldung vom 28.07.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.07.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Marcel Fratzscher (2019)
Marcel Fratzscher (2019)

Foto: Urheber
Lizenz: CC BY-SA 2.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Angesichts der geplanten Umlage der hohen Gaspreise rechnet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, mindestens mit einer Verdreifachung der Heizkosten. Zugleich warnte der Ökonom vor sozialen Verwerfungen, wenn weitere Entlastungen ausblieben.

"Bürger müssen sich wohl mindestens auf eine Verdreifachung der Heizkosten bei Gas vorbereiten", sagte Fratzscher der "Rheinischen Post".

"Die Weitergabe der wirklichen Kosten an die Kunden muss zwingend mit einem dritten Entlastungspaket für Menschen mit mittleren und geringen Einkommen einhergehen - ansonsten würde diese Weitergabe zur sozialen Katastrophe führen", sagte der DIW-Präsident. Nichtsdestotrotz hält er die geplante Gas-Umlage für einen notwendigen Schritt. "Niemand in Deutschland kann die Kosten der Importe von Gas und anderer Energieträger senken. Die Weitergabe der wirklichen Kosten an alle Kunden ist richtig und notwendig". Unternehmen und Bürger müssten dort, wo es möglich ist, dringend notwendige Einsparungen vornehmen. Nur mit "starken Einsparungen" werde man in Deutschland und Europa den Winter ohne Knappheit bei Gas und Energie durchstehen können, so Fratzscher.

Mit Blick auf weitere Entlastungen forderte er von der Bundesregierung, umgehend die Sozialleistungen um 100 Euro pro Person und Monat dauerhaft zu erhöhen und eine ähnliche Summe für alle Haushalte mit weniger als 40.000 Euro Einkommen im Jahr bis Ende 2023 auszuzahlen. "Zudem sollte ein Gaspreisdeckel für 80 Prozent des Grundverbrauchs von Haushalten mit geringen und mittleren Einkommen festgesetzt werden und jeglicher weiterer Verbrauch zu den vollen Kosten berechnet werden. So könnte man eine gute Balance zwischen sozialer Absicherung und Anreizen für Einsparungen schaffen", sagte der Ökonom. "Die Bundesregierung muss unbedingt die Fehler die ersten beiden Entlastungspakete vermeiden und nicht wieder ineffiziente Maßnahmen umsetzen, die privilegierte Menschen mit höheren Einkommen zugutekommen - so wie beim Tankrabatt", mahnte er an. Die Bundesregierung solle von einer Absenkung der Einkommensteuer absehen, da diese zum größten Teil den Gutverdienern zugutekomme und Menschen mit geringen Einkommen so gut wie nicht davon profitieren würden, so Fratzscher weiter.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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