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Das Target-2-Desaster

Archivmeldung vom 10.02.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.02.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Lupo / pixelio.de
Bild: Lupo / pixelio.de

Die Target-2- Forderungen der Bundesbank (BuBa) gegen das Eurosystem bzw. die Europäische Zentralbank (ECB) erreichen, gemäß der Aussage von Dr. Siegfried von Hohenhau, wieder erschreckende Dimensionen. Demnach wird das Euro-System seit 2016 offensichtlich wieder schwerstens gestresst! Bricht es zusammen, ist Deutschland schlicht pleite. Es kommt dann zum Forderungsausfall von rund 750 – 800 Milliarden Euro während der ganze Bundeshaushalt nur knapp über 300 Milliarden Euro liegt. Der Vergleich beider Zahlen zeigt, um was es geht. Währenddessen döst die deutsche Bevölkerung vor sich hin und wird vom Mainstream mit nebensächlichen Themen beschäftigt.

Dr. Siegfried von Hohenhau schreibt in seinem Beitrag zu Target-2 ( www.target-2.de ) weiter: "Die Target-2-Salden sind von Juli bis Dezember 2016 um € 94 Milliarden gestiegen. Ein weiterer Anstieg um € 40 Milliarden im Januar auf insgesamt rund € 794 Mrd. lag im Trend und wurde so auch von der BuBa im Tagesverlauf des 06.02.2017 vermeldet. Am Abend des gleichen Tages teilte die Bundesbank jedoch mit, die Target-2-Forderung gegen das Euro-System betrage doch nur € 754 Mrd. Inzwischen (07.02.2017) lautet der Saldo für den 31.01.2017 nach Angaben der BuBa (aufgerundet) nun tatsächlich € 796 Mrd., womit die Saldenexplosion allein für Januar mit rund € 42 Milliarden bestätigt ist. Diese Entwicklung ist ein schockierender Hinweis auf die schnell fortschreitende Zerrüttung des Eurosystems: Die Finanzwelt spekuliert mit dem Euro und kalkuliert dabei dessen Untergang ein.

Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank, unternimmt im Handelsblatt vom 07.02.2017(1) einen Erklärungsversuch, der wohl der Beruhigung dienen und gewissermaßen auf weiteren „normalen“ Anstieg der T2-Salden der Bundesbank vorbereiten soll: Der Anstieg der T2-Salden „könnte technisch als Ergebnis der grenzüberschreitenden Wertpapierankäufe gedeutet werden“ und „Unter Annahme einer unveränderten Struktur der Ankäufe ist ein weiterer Anstieg der T2-Salden wahrscheinlich.“ Wie beruhigend! Dieses Statement verbirgt mehr als es erklärt und Absicherung gegen zukünftiges Ungemach ist wohl auch der tiefere Sinn solcher nichtssagenden „Deutungen“ der Bundesbank, die die T2-Deutungshoheit längst an die EZB abgegeben hat. T2 bildet die mit Abstand größte Forderungsposition Bundesbank. Fällt diese Forderung aus, erlischt bei der Bundesbank und in Deutschland das Licht. Und da weiß der Bundesbankvorstand nicht einmal genau („könnte gedeutet werden“) was die genauen Ursachen für diese Hauptposition sind und hat auch keine Erklärung wie und bis wann diese Forderungen/Außenstände für Deutschland eingezogen werden können? Unfassbar!

Spiegelbildlich zum T2-Forderungsanstieg der BuBa gegen die EZB sind die T2-Defizite von Italien und Spanien binnen kürzester Zeit um € 64 Mrd. bzw. € 35 Mrd. nach oben geschnellt (die positiven bzw. negativen Target-2-Salden der übrigen Euroländer haben sich dagegen wenig bewegt)(2). Die EZB selbst weist für Juli bis Dezember 2016 in ihrer eigenen Bilanz ein zusätzliches Target-2-Defizit von € 25 Mrd. aus.

Die Erklärung liegt in den außer Kontrolle befindlichen und seit Januar 2015 stattfindenden Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB, deren Haftungskapital nur € 11 Mrd. beträgt), die inzwischen auch „bedrucktes Klopapier“ als „werthaltige Anleihen“ zur Stützung schwacher Euroländer von Großspekulanten aufkauft (diese mögen wohl in London sitzen). Diese „Unwertpapiere“ bilden dann die Gegenposition zu den T-2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB (€ 796 Mrd.).

Die EZB-Stützungskäufe belaufen sich auf monatlich € 80 Milliarden. Im normalen Geschäftsleben würde der Aufkauf von „Unwertpapieren“ schlicht als Betrug bzw. Untreue gewertet werden. Und so soll es auch weitergehen, denn die EZB kündigte soeben an, die Anleihekäufe bis Dezember 2017 weiterlaufen zu lassen (gesamt € 2,28 Billionen), um im Euroland Konjunktur und Inflation (!) „anzukurbeln“. Damit werden dann in den Tresoren der EZB (an der Deutschland zu 18 % beteiligt ist) überwiegend faule bzw. wenig werthaltige „Unwertpapiere“ der Südländer lagern (= Forderungen gegen diese)(3). Und natürlich freuen wir uns, dass das von der Mainstreampresse so emsig unterstütze „Inflationsziel“ der EZB und der Bundesregierung unser hart verdientes Vermögen und Einkommen beständig schmälert.

Im Gegensatz zu den vagen Spekulationen des Bundesbankvorstandes kann sicher geschlussfolgert werden, dass das QE-Programm (quantitative easing) der EZB den dramatischen Anstieg der Target-2-Salden verursacht hat: Kauft die EZB Staatsanleihen auf (= Aufkauf von Staatsschulden), dann verteilen sich diese Schulden innerhalb der EZB auf die Anteilseigner der EZB. Da aber Deutschland mit 18 % größter Anteilseigner der EZB ist, entfällt auf D auch der größte Anteil an den aufgekauften Schrottpapieren, denn jedes Euroland ist - entsprechend seiner Anteilsquote an der EZB(4) - verpflichtet, sich an den Aufkäufen zu beteiligen.

Wenn nun die Bundesbank (als Teil des Eurosystems) in Deutschland deutsche Anleihen aufkauft (Normalfall), berührt dies den BuBa T2-Saldo nicht (anders, wenn der Verkäufer in Griechenland oder Italien sitzt), denn die Schulden bleiben in Deutschland und auch das Geld, das dafür aufgewandt wird.

Aber wenn beispielsweise die Griechische Zentralbank (BOG) oder die Banca d´Italia griechische bzw. italienische Staatschulden von Hedge-Funds aufkaufen, werden diese professionellen Spekulanten die Kaufpreiserlöse kaum im unsicheren griechischen bzw. italienischen Bankensystem belassen, sondern umgehend in ein „sicheres“ Euroland (DEU, NDL, LUX) transferieren, was z.B. bei der BuBa sofort den „positiven“ T2-Saldo nach oben treibt (auf www.Target-2.de beschrieben, siehe etwa Plünderung der Deutschen Bundesbank).

Gleichermaßen verhält es sich, wenn die Spanische Zentralbank die eigenen Bonds (verzinsliche Wertpapiere = auch Staatsanleihen) von einem Spanier aufkauft und dieser das Geld (den erhaltenen Kaufpreis) unverzüglich nach Deutschland überweist.

Es ist offensichtlich, dass großen Spieler - seit Beginn der EZB-Ankaufprogramme (Januar 2015) - riesige Spekulationen im Eurosystem am Laufen haben, gleichzeitig aber den nationalen Bankensystemen der Südländer (GR, IT, SP) so misstrauen, dass sie frei werdende Gelder von dort immer sofort abziehen und in den Norden (nach Deutschland, Luxemburg, Niederlande) senden.

Hauptsächlich deshalb sind seit 2015 die Target-2-Salden wieder dramatisch in Bewegung:

  • BuBa (Deutschland) von € 461 Mrd. auf € 796 Mrd. (31.01.2017)
  • BCL (Luxemburg) von € 105 Mrd. auf € 187 Mrd.
  • BCN (Niederlande) von € 19 Mrd auf € 87 Mrd. (bald Verfünffachung!)

Demgegenüber steht beispielhaft folgende negative T-2-Saldenentwicklung:

  • BdE (Spanien) von - € 190 Mrd. auf - € 328 Mrd.
  • EZB (Europa)  von - €   24 Mrd. auf - € 160 Mrd.

Unter dem Finanzjongleur Draghi hat die EZB seit dem Start (Januar 2015) ihrer - für die Bürger als Garanten völlig undurchsichtigen - Aufkaufprogramme (siehe jeweils EZB unter Stichwort: CBPP3/ ABSPP/ PSPP / CSPP) € 222 Mrd. italienische und € 159 Mrd. spanische Schulden aufgekauft(5) und unterstützt damit systematisch die im Eurosystem wildernden Großspekulanten.

Mit anderen Worten und für den Laien zum Verständnis:

Die EZB hat einigen Hedge-Funds für € 381 Mrd. italienische und spanischer Schrottpapiere abgekauft und diese haben die Kaufpreise umgehend via Target-2-System in den sicheren Norden verschickt, wodurch die positiven Salden (=Schadensausgleichsforderungen) von Deutschland, Luxemburg und Niederlande sprunghaft angestiegen sind. Und „positive Salden“ heißt hier: Die deutschen Bürger werden zukünftig für diese mistigen „Unwertpapiere“ (durch Forderungsausfall ihrer Bundesbank) sehr teuer bezahlen und als Gegenleistung mehr oder weniger NICHTS erhalten.

Zusammenfassung:

Die regierenden Parteien verkaufen (im Interesse ihres temporären Überlebenswillens) den Euro weiterhin als alternativloses Friedensprojekt, das jeden finanziellen Wahnsinn rechtfertigt. Dadurch und weil sie bei Ihrem Treiben von der EZB und deren Chef Draghi massiv unterstützt und abgesichert werden (siehe EZB-Ankaufprogramme), können Finanz-Großspekulanten gigantische Euro-Krisengeschäfte auf volles Risiko der Bürger Deutschlands (und vor allem der Niederlande) tätigen. Es droht jedoch, dass am Ende die normalen und bislang vollkommen ahnungslosen deutschen und niederländischen Bürger an der ihnen aufgehalsten, fremden Zeche zugrunde gehen werden.

Denn anders als in dem mahnenden Vers von Wilhelm Busch - „Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!“-, wird nicht Herr Draghi (ein weit schlimmerer Bube als Max und Moritz) von dem EZB-Finanz-Schneeballsystem zermahlen werden, sondern Deutschland und seine Bürger. Das Schweigen des Mainstream hierzu spricht Bände.

Datenbasis:

(1) Thiele in Handelsblatt 07.02.2017

(2) http://sdw.ecb.europa.eu/reports.do?node=1000004859

(3) EZB: Draghi will bis Dezember 2017 Anleihen kaufen - Handelsblatt

(4) EZB-Anteilseigner

(5) https://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/omt/html/index.en.html

Quelle: Bund der Steuerzahler in Bayern e.V.