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Neue Pipeline: Türkei und Israel wollen Europa von Putin-Gas befreien

Archivmeldung vom 23.05.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.05.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Symbolbild Bild: Pixabay / WB / Eigenes Werk
Symbolbild Bild: Pixabay / WB / Eigenes Werk

Hinter verschlossenen Türen sollen Israel und die Türkei über ein neues Erdgas-Projekt verhandeln, um Europa aus „den Klauen Putins zu befreien“ [1] . Für die Türkei ist das Projekt ein weiterer Schritt in Richtung einflussreicher Energie-Drehscheibe. Dies berichtet das Magazin "Wochenblick.at".

Weiter berichtet das Magazin: "Für die Projektbetreiber in Israel bringt es gutes Geld. Europa wird wenig davon haben. Die zu erwartenden Liefermengen sind zu gering und der Bau wird Jahre dauern. In jedem Fall soll Europa mit allen Mitteln vom Putin-Gas abgeschnitten werden. Dahinter stehen massive Bestrebungen der USA, Europas Energie-Versorgung zu kontrollieren. Pipelines spielen dabei eine wichtige Rolle.

Kein Vorteil für Europa

Konkret geht es um das Erdölfeld Leviathan, vor der Küste Israels. Von dort soll eine Unterwasser-Pipeline in die Türkei gehen und von dort Gas in benachbarte südeuropäische Länder liefern. Leviathan wird von American Chevron und Israel NewMed Energy sowie Ratio Oil betrieben. Die dortige Förderung begann nach einigen Anlaufschwierigkeiten, u.a. wegen Umweltbedenken, Ende 2019. Die Pipeline liefert derzeit Erdgas nach Israel, Jordanien und Ägypten. Es ist geplant, die Jahresproduktion von 12 auf 21 Milliarden Kubikmeter zu steigern und diese Menge nach Europa zu exportieren. Bedenkt man, dass die Europäische Union jährlich 155 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland bezieht und diese Menge nur 40 Prozent des Verbrauchs entspricht, wird deutlich, dass die eventuell zu errichtende Erdgasleitung zwischen Israel und der Türkei die Abhängigkeit von Russland nur unwesentlich reduziert.

Erdogan will Israel-Annäherung

Erstaunlich ist das Projekt deshalb, weil die türkisch-israelischen Beziehungen nicht unbedingt freundschaftlich sind. Präsident Recep Tayyip Erdogan will das offenbar ändern. Er sagte, die Gaskooperation sei „einer der wichtigsten gemeinsamen Schritte für die bilateralen Beziehungen“. Er sei bereit, hochrangige Minister nach Israel zu entsenden, um die langjährige Pipeline-Idee wiederzubeleben. Der Bau der Pipeline würde allerdings Jahre dauern. Israels Energieministerin, Karine Elharrar, gab sich skeptisch: Viele Themen, einschließlich finanzieller Fragen, seien noch nicht diskutiert worden. Das Projekt müsse wirtschaftlich tragfähig sein, das sei derzeit nicht „gewiss“. Auch die Industrie ist skeptisch. Sie befürchtet, das Projekt könne wegen Produktionsbeschränkungen und geopolitischer Probleme ins Wasser fallen.

Türkei als Energie-Drehscheibe

Die Türkei benötigt jährlich 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas und importiert fast den gesamten fossilen Brennstoff aus Russland und Aserbaidschan über Pipelines. Aufgrund seiner geopolitischen Lage befindet es sich in einer vorteilhaften Position als Erdgasverteilungsbasis. Die Beziehungen mit Putin sind neutral. 2016 beschlossen die beiden Länder den Bau der Pipeline TurkStream. Sie führt von Russland über die Türkei an einen Terminal an der Schwarzmeer-Küste und ist mit Bulgarien verbunden. Seit Anfang 2020 fließt Gas nach Sofia. Die Pipeline umgeht die Ukraine als Transit-Route für Lieferungen nach Europa. Die EU und USA sind wenig erfreut darüber. Es mache natürlich Sinn für die Türkei, billiges Gas aus Russland zu beziehen, aber das werde wohl an Bedingungen geknüpft sein, hieß es. Und das könne ein Problem für die EU werden, hieß es aus Brüssel.

Washington killt EastMed Pipeline

Bei der Entscheidung über Pipeline-Projekte spielen die USA eine Schlüsselrolle. Sie hat schon einige Projekte zu Fall gebracht oder blockiert. Denn Europa soll unter US-Kontrolle bleiben, um die Entstehung eines eurasischen Wirtschaftsblocks gemeinsam mit dem verhassten, ressourcenreichen Russland zu verhindern. Das würde nämlich die USA zum geopolitischen Zwerg machen. Wie das geht, zeigte Washington erst kürzlich: Anfang April erklärte die zuständige US-Ministerin, Victoria Nuland bei einem Besuch in Griechenland, das unterschriftsreife Pipeline-Projekt EastMed zwischen Israel, Zypern und Griechenland für sinnlos und als zu langwierig. Man brauche das Gas jetzt, es gehe um eine „grüne Zukunft“ und man müsse Flüssiggas (LNG) einsetzen. Woher das kommen soll, ist klar: Per Dreckschleuder-Tankern über den Atlantik zu einem Preis, der weit über russischem Gas liegt. Gespräche über die 1.900 Kilometer Pipeline, die der EU viele Milliarden Euro gekostet hätte, begannen 2014. Sie hätte von Israels Mittelmeerküste nach Zypern geführt und von dort Gas nach Griechenland und Italien geliefert. Im Jänner 2020 sollte es unterzeichnet werden. Brüssel war aber skeptisch, ob sich das Ganze rechne. Die USA haben nun ein Machtwort gesprochen.

Kein Nordstream2 für Deutschland

Auch die Pipeline NordStream2, die Deutschland pro Jahr mit doppelter Menge Russland-Gas versorgen hätte sollen, durfte auf Anordnung der USA unter dem Vorwand von „Sanktionen“ im Februar des Jahres von Deutschland nicht „zertifiziert“ werden. Grund dafür: Russland hat Donezk und Luhansk im Donbass als eigenständige Republiken anerkannt. Für diese „Schandtat“ muss Putin also büßen. In Wirklichkeit müssen die deutschen Bürger die von den USA dirigierten West-Sanktionen ausbaden. Sie sollen lieber frieren und die Wirtschaft schickt man den Bach hinunter. Washington will es so."

Quelle: Wochenblick

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