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Kompakte Kernreaktoren aus dem Pentagon: Technik mit Fragezeichen

Archivmeldung vom 19.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Das Kernkraftwerk Gundremmingen mit dem 1977 stillgelegten Block A, den in Betrieb befindlichen Blöcken B und C und den beiden Naturzug-Nasskühltürmen. Bild: Felix König / de.wikipedia.org
Das Kernkraftwerk Gundremmingen mit dem 1977 stillgelegten Block A, den in Betrieb befindlichen Blöcken B und C und den beiden Naturzug-Nasskühltürmen. Bild: Felix König / de.wikipedia.org

Für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollen kompakte Kernreaktoren entwickelt werden, lautet eine Anordnung von Donald Trump. Der scheidende US-Präsident hat das Dokument kürzlich unterzeichnet. Also wird das amerikanische Militär die Kernkraft zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert auch in anderen Domänen nutzen als nur zur See. Dies berichtet das russische online Magazin „SNA News“ .

Weiter ist auf deren deutschen Webseite dazu folgendes geschrieben: "Etliche amerikanische U-Boote fahren mit Kernkraft, die größten Flugzeugträger ebenso. Mit dieser Energiequelle können die riesigen Kampfschiffe der Navy praktisch unendlich lange im Einsatz bleiben. Auch die Seestreitkräfte anderer Länder nutzen die Kernenergie als Antriebstechnik, allerdings nicht in dem Umfang wie die USA. Und die wollen das Einsatzspektrum der Atomkraft noch erweitern.

„Auf Anordnung von Präsident Trump wird das Verteidigungsministerium zur Demonstrierung an einem militärischen Objekt im Inland einen Plan für Energieflexibilität und -effektivität mit Blick auf die Nutzung von Kernreaktoren niedriger Leistung erarbeiten und umsetzen sowie einen mobilen Niedrigleistungsreaktor testen“, teilt der Pressedienst des Weißen Hauses mit. „Energiequellen dieser Art sind für die Erforschung des fernen Weltraums ebenso unersetzlich wie für den Militärbereich“.

Aber wo genau beim Militär können abgeschwächte Kernreaktoren nutzbar gemacht werden? Das Weiße Haus macht dazu keine Angaben – wohl aber einige Analysten. Die des Fachportals „Defensenews“ mutmaßen, beim Projekt gehe es um die stationäre Energieversorgung militärischer Stützpunkte. Die Tests sollen laut der Anordnung innerhalb der nächsten sechs Monate beginnen, sicherlich in Nevada, dem größten militärischen Versuchsareal der USA, vermuten Experten.

Mit Kernkraft mehr Domänen erobern

Ohne die Kernkraft seien Flüge zum Mond oder Mars (auch bemannte) undenkbar, erklärt indessen die „Secure World Foundation“ – eine private Stiftung, die sich den Einsatz für die sichere Nutzung des Weltraums auf die Fahne geschrieben hat. Denkt man noch weiter, an die Besiedelung ferner Planeten, dann werde die Kernkraft umso wichtiger: für die Energieversorgung der extraterrestrischen Kolonien.

Aber von Zukunftsvisionen abgesehen: Am greifbarsten ist die Nutzung der Kernkraft auf umlaufbahnbasierten Waffensystemen – eine Vorstellung, die durchaus in die Weltraumdoktrin der amerikanischen Streitkräfte passt. „Auch ich bin der Ansicht, dass die Amerikaner mit dem neuen Projekt zuvorderst auf die Nutzung im Erdorbit abzielen“, sagte der Fachexperte Viktor Murachowski im SNA-Gespräch. „Kleinere nukleare Energiekomponenten werden seit Langem schon in Satelliten oder Wettersonden verwendet. Die lassen sich skalieren.“

Versucht hatte man es schon, erinnert der Fachmann. Ab den 1950er-Jahren experimentierten die USA wie auch die UdSSR mit Kompaktreaktoren als potenziellen Antrieb für Langstreckenflugzeuge.

Die US Air Force nutzte dafür den Bomber Convair B-36 als Versuchsträger. Im Bug des strategischen Bombers wurde eine zwölf-Tonnen-schwere Schutzkapsel für die Besatzung eingebaut, der vier-Tonnen-schwerere Reaktor von 1,2 Metern Durchmesser und einem Megawatt Leistung fand im Bombenschacht Platz. Erst im Flug konnte der Reaktor gestartet werden; als Kühlmittel diente die eiskalte Umgebungsluft, die über spezielle Einlässe zur Anlage gelangte.

47 Testflüge absolvierte das Versuchsflugzeug, allerdings lief der nukleare Antrieb immer nur für ganz kurze Zeit. Die Idee war natürlich verlockend: Ein nukleargetriebenes Flugzeug hätte als Bomber oder Aufklärer mehrere Tage ohne Nachbetankung patrouillieren können, wären da nicht viele Probleme aufgekommen.

Die amerikanische Convair mit dem Kernreaktor an Bord zog nämlich Schwaden von nuklearverseuchten Partikeln nach sich, auch die Mannschaft an Bord wurde trotz der Schutzkapsel verstrahlt. Die Entwicklung ballistischer Interkontinentalraketen beendete das Versuchsprogramm mit dem nuklearbetriebenen Bomber endgültig. Die Entwickler beschränkten sich bei der militärischen Anwendung der Kernreaktoren auf große Kampfschiffe. Und bisher hat noch kein Land der Welt es geschafft, einen Kompaktreaktor für den Einsatz in bemannten Flugzeugen, kleineren Schiffen oder Bodenfahrzeugen zu entwickeln, erinnert der Experte Murachowski."

Quelle: SNA News (Deutschland)

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