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Deutsche-Bank-Chefvolkswirt sieht 60 Prozent Grexit-Wahrscheinlichkeit

Archivmeldung vom 19.06.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.06.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Manfred Nuding / pixelio.de
Bild: Manfred Nuding / pixelio.de

Ein Scheitern der Gespräche zwischen Griechenland und seinen Gläubigern und ein darauf folgender "Grexit" wird immer wahrscheinlicher. Das erwarten einflussreiche Ökonomen. "Mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit gibt es keinen Deal und dann Kapitalverkehrskontrollen", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagsausgabe).

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Griechen und ihre Gläubiger in der nächsten Woche eine Einigung erzielen können, schätzt er nur noch auf 40 Prozent. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras glaubt weiter an eine Lösung für die Schuldenkrise seines Landes und den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Medienberichten zufolge sieht Tsipras den für kommenden Montag einberufenen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs als positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Einigung. Er werde darauf hinarbeiten, dass Griechenland innerhalb der Eurozone wieder zu wirtschaftlichem Wachstum zurückkehre.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat für Montag einen Sondergipfel einberufen. Es sei Zeit, die Situation in Griechenland auf höchstem politischen Niveau zu beraten, so Tusk. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sagte im rbb-Inforadio, die griechische Regierung müsse endlich "vernünftige Reformvorschläge" vorlegen. Aber: "Wir werden verhandeln bis zu allerletzten Minute, weil wir glauben, dass die europäische Einigung ein ganz wichtiges Gut ist", so der CDU-Politiker.

In Athen haben am Donnerstagabend mehrere tausend Menschen gegen einen möglichen "Grexit" demonstriert und eine Einigung zwischen Griechenland und den internationalen Geldgebern gefordert.

Bayer-Chef fordert schnelle Entscheidung im Griechenland-Streit

Im festgefahrenen Schuldenstreit mit Griechenland verlangt der Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Bayer, Marijn Dekkers, eine schnelle Entscheidung der Geldgeber. "Wir befinden uns in Europa schon einige Jahre in einem unsicheren Umfeld. Das ist ein Zustand, der nicht länger anhalten darf. Deshalb muss jetzt eine Entscheidung zu Griechenland fallen, die auch für Jahre tragbar ist", sagte Dekkers gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Er warnte davor, den Forderungen der griechischen Regierungen immer wieder nachzugeben: "In den letzten Monaten ist viel Vertrauen verloren gegangen. Wenn die Geldgeber in ihren Verhandlungen mit Athen jetzt zu sehr nachgeben, wird es künftig schwer, bei Problemen in anderen Ländern auf Einhaltung der Regeln zu pochen."

Der Bayer-Chef zeigte sich zugleich besorgt über die anhaltende Euro-Schwäche: "Ein schwacher Euro hilft nur kurzfristig etwas. Mittel- und langfristig ist ein schwacher Euro schlecht für das Geschäft, weil Rohstoffe, Öl und andere Waren, die wir für die Produktion dringend brauchen, teurer werden."

CSU-Generalsekretär bezeichnet griechische Regierung als "Faxen-Macher"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat die griechische Regierung als "Faxen-Macher" kritisiert. "Die griechische Regierung hat den Ernst der Lage offensichtlich noch nicht begriffen", sagte Scheuer der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). "Die benehmen sich wie die Faxen-Macher in der letzten Bank im Klassenzimmer, obwohl sie schon von allen Seiten die verschärften Hinweise bekommen haben, dass das Erreichen des Klassenziels gefährdet ist." Bisher habe die griechische Regierung zu wenig unternommen, um im Euro zu bleiben, sagte Scheuer. "Die rote Linie ist in Sicht. Es wird keine leichtfertigen Kompromisse geben, nur um Griechenland im Euro zu halten."

Griechenland: Tsipras bekennt sich erneut zur Eurozone

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras glaubt weiter an eine Lösung für die Schuldenkrise seines Landes und den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Medienberichten zufolge sieht Tsipras den für kommenden Montag einberufenen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs als positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Einigung. Er werde darauf hinarbeiten, dass Griechenland innerhalb der Eurozone wieder zu wirtschaftlichem Wachstum zurückkehre.

Das Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg war am Donnerstag ergebnislos zu Ende gegangen. Daraufhin hatte EU-Ratspräsident Donald Tusk den Sondergipfel für Montag einberufen. Es sei Zeit, die Situation in Griechenland auf höchstem politischen Niveau zu beraten, so Tusk. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sagte im rbb-Inforadio, die griechische Regierung müsse endlich "vernünftige Reformvorschläge" vorlegen.

Aber: "Wir werden verhandeln bis zu allerletzten Minute, weil wir glauben, dass die europäische Einigung ein ganz wichtiges Gut ist", so der CDU-Politiker. "Und weil wir nicht möchten, dass die Menschen in Griechenland Nachteile haben, weil ihre Regierung vielleicht nicht rechtzeitig erkannt hat, was die Stunde geschlagen hat."

BGA-Präsident spricht sich für "Grexit" aus

Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone sollte nach Ansicht des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA) nicht mehr durch weitere Hilfen aufgehalten werden. "Das Maß ist voll, denn Griechenland hat lange genug Hilfsangebote bekommen und abgelehnt", sagte BGA-Präsident Anton Börner dem Nachrichtenmagazin Focus. "Eine Rettung um jeden Preis ist schädlich, weil dadurch nur ein schlechtes Vorbild geschaffen wird. Wenn künftig in Europa jeder belohnt wird, der sich nicht an die Regeln hält, dann werden als nächstes die Spanier Protestparteien wie Podemos wählen."

Außerdem würde durch zu große Nachsicht gegenüber Griechenland auch der Reformdruck auf große Länder wie Italien und Frankreich genommen. "Eine Politik, die Schludrigkeit belohnt, kann sich Europa nicht leisten." Börner plädierte aber nicht nur für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro, sondern auch für einen Schuldenschnitt, bei dem 60 Prozent der Schulden erlassen werden. Zusätzlich sei ein Kreditprogramm für die vielen Mittelständler und Kleinunternehmen in Griechenland erforderlich, damit das Land wieder auf die Beine komme.

Der Außenhandels-Präsident glaubt nicht, dass ein Grexit negative Auswirkungen auf die Wirtschaft habe. "Es wird vielleicht einen kurzen Einbruch auf dem Aktienmarkt geben, der sich aber schnell wieder erholen wird", prognostizierte Börner. "Nach einem Grexit wird der Euro stabiler, weil das Vertrauen der Märkte in Europas Handlungsfähigkeit zurückkehrt."

DIW-Chef warnt vor Euro-Austritt Griechenlands

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat vor einem "Grexit" gewarnt. "Würden wir jetzt sagen `Schluss`, dann wären für Deutschland auf einen Schlag etwa 70 Milliarden Euro verloren", sagte Fratzscher der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochausgabe).

Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines Griechenland-Bankrotts größer geworden. "Aber damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass alle Seiten realisieren, dass es nur Verlierer mit einem Grexit gibt", erklärte der Ökonom. "Was, wenn es zu Ansteckungseffekten kommt? Auch Italien hat riesige Probleme", meinte Fratzscher und verwies auf die Erfahrungen mit Lehman Brothers.

"Diese Bank ließ man 2008 pleite gehen nach der Devise, das können wir schon verkraften, doch der Schaden war weltweit zu spüren", so Fratzscher. "Wir sitzen alle in einem Boot. Entweder wir verlieren alle, und Griechenland wird der Hauptverlierer sein, oder wir gewinnen alle".

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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