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Mülltonnen in London bespitzelten Passanten

Archivmeldung vom 16.08.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.08.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Die City of London ist das historische und wirtschaftliche Zentrum von Greater London. Sie wird oft einfach als The City oder Square Mile (Quadratmeile, entsprechend ihrer Flächenausdehnung) bezeichnet. Obwohl die City jahrhundertelang gleichbedeutend mit London war, wird der Stadtname nun für das gesamte überbaute Gebiet verwendet. Die City of London ist eine zeremonielle Grafschaft.
Die City of London ist das historische und wirtschaftliche Zentrum von Greater London. Sie wird oft einfach als The City oder Square Mile (Quadratmeile, entsprechend ihrer Flächenausdehnung) bezeichnet. Obwohl die City jahrhundertelang gleichbedeutend mit London war, wird der Stadtname nun für das gesamte überbaute Gebiet verwendet. Die City of London ist eine zeremonielle Grafschaft.

Foto: FlickreviewR
Lizenz: CC-BY-SA-2.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Im Londoner City ist ein weiterer Skandal wegen der anonymen Datenerfassung ausgebrochen. Die zur Olympiade aufgestellten “intelligenten Mülltonnen” wurden, wie es sich herausstellte, nicht nur nach deren eigentlichen Zweckbestimmung genutzt, sondern konnten auch Passanten bespitzeln und deren Bewegung verfolgen. Nanotechnische Auffindungen haben die Entrüstung der Stadtbürger ausgelöst. Londoner Behörden haben bereits von dem Entwichlungsunternehmen gefordert, die Mülltonnen von den Straßen zu entfernen. Experten erinnern indessen daran, dass es nicht um den ersten Skandal dieser Art handle, und meinen, dass sich die Menschehit schon in der nächsten Zeit daran gewöhnen würde, unter solchen technologisch universellen Bedingungen zu leben. Das berichtet Polina Tscherniza bei Radio "Stimme Russlands".

Weiter: "Stilechtes rundliches Gehäuse, eine Flüssigkristallanzeige, WLAN-Anschluss: All das sind keine Charakteristika eines neuen tragbaren elektronischen Geräts, sondern die der „intelligenten Mülltonnen“, welche in City vor der Olympiade in London aufgestellt worden waren. Ein Jahr danach wird verlangt, die Schöpfung eines der Marketingunternehmen von den Straßen der Stadt zu entfernen. Der Grund: Sie tragen mit Hilfe von Sensoren der drahtlosen Kommunikation Informationen aus den Handys von Passanten zusammen. All das helfe in der Folgezeit, dem jeweiligen Anwender zielgerichtete Werbung zukommen zu lassen, erzählte der STIMME RUSSLANDS der IT—Experte Pawel Waluschko:

„Bisher haben wir uns hinter der IP-Adresse versteckt, die jeder Computer besaß, doch können diese Mülltonnen genau ermitteln, wo Sie verweilen, wie Sie laufen, wie oft Sie stehen bleiben und welches Geschäft Sie betreten. Es gibt auch Unternehmen, welche die Werbung in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort Ihres Smartphons ausgeben. Neulich ist eine Episode mit Google publik geworden, das Menschen mit Hilfe von Wi-Fi verfolgt hatte.“

Die Situation mit einem solchen Zusammentragen von Daten ist in der Tat alles andere als neu. Georgi Trussow, Präsident der Consultingfirma „Kontakt Expert“, erinnert an einen nicht minder lauten Skandal, der sich vor einem Jahr zugetragen hat:

„Der bekannteste Vorfall geschah in den USA mit dem Netz Target. Der entrüstete Vater einer Oberschülerin war in ein Geschäft gekommen und hatte verlangt, ihm zu erklären, wieso man seiner Tochter Informationen zukommen lasse, die sich auf die Erziehung von Säuglingen beziehe, denn sie gehe je erst in die Schule. Nachdem er alle erforderlichen Entschuldigungen erhalten hatte, kam er wenige Tage später wieder und entschuldigte sich seinerseits. Denn es hatte sich herausgestellt, dass seine Tochter schwanger war. Und das war von keinem Menschen, sondern von einem Computer errechnet worden. Der Computer kann selbstverständlich nicht, in den Charakter eines jeden einzudringen, aber mit Hilfe von Methoden data mining, der Gewinnung von Daten aus einer großen Auswahl, kann er sehr vieles über Handlungen des jeweiligen Menschen begreifen.“

Solche Informationen sind ein regelrechter goldener Boden für allerlei Handelsnetze. Auf diese Weise planen sie, wohin genau Milliardenströme von Mitteln zu lenken sind, oder wie man die künftige Nachfrage prognostizieren kann. Und heute seien die EU- oder US-Bürger, ohne es selbst zu wissen, Objekte einer aufmerksamen Beobachtung, fährt der Experte fort:

„Sobald sich das Konsumverhalten geändert hat, bedeutet dies, dass sich etwas im Leben des Menschen verändert hat. Und diese Information ist für Großnetze absolut notwendig. Für sie ist eine Analyse solcher großen Datenauswahlen eine Überlebensquelle. Westliche Unternehmen wissen von uns das, was keine Soziologen jemals werden modellieren können. Diese Technologien werden schon niemals irgendwo verschwinden. Ja mehr noch: Sie werden vervollkommnet werden.“

Einstweilen aber ist die Gesellschaft, wie der jüngste Skandal in der City gezeigt hat, objektiv zu einem solchen Eindringen nicht bereit. Einige Bürger haben sich bereits an Organisationen für den Schutz von Rechten und Freiheiten gewandt. Einstweilen ist noch von gerichtlichen Klagen über das Unternehmen, welches die „gescheiten Mülltonnen“ entwickelt hat, keine Rede. Doch selbst dann, wenn solche Klagen aufkommen, werden sie wohl kaum befriedigt werden, meint der Rechtsanwalt Rustam Tschernow:

„Im engelsächsischen Rechtssystem wirkt exakt das Institut privacy, da das Privatleben einer Einzelperson durch das Gesetz geschützt wird. Wenn die Rede aber von den so genanten Handlungen ist, die einen nicht personifizierten Personenkreis betreffen, so kommt hier das Primat der Publizität zum Tragen. Das heißt, dass es sich nicht um Privatleben handelt. Wenn diese Apparatur zum Verfolgen von Strömen der Menschenbewegung genutzt wird, so ist das durchaus akzeptabel. Etwas anderes, dass Fakten von irgendwelchem Missbrauch ermittelt worden sind, wenn alle verfolgt, doch nur eine Person im Auge behalten wird. Dann bedarf es gerichtlicher Sanktionen.“

Auf den gleichen „nicht personifizierten“ Aspekt der Studie verweisen auch die Entwickler von „gescheiten Mülltonnen“. Ja mehr noch, die Information sei anonym gewesen. Nichtsdestoweniger haben die Behörden unter dem Druck der Öffentlichkeit von der Firma, die sie entwickelt hatte, gefordert, die „intelligenten Mülltonnen“ zu demontieren. Nach Angaben der britischen Massenmedien haben sich mehr als vier Millionen Personen als Opfer der „intelligenten Müllspione“ erwiesen."

Quelle: Text Polina Tscherniza - „Stimme Russlands"

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