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Russland: Westen fällt auf Kiew herein

Freigeschaltet am 07.12.2018 um 07:55 durch Andre Ott
Sergej Netschajew (2014), Archivbild
Sergej Netschajew (2014), Archivbild

Bild: Russische Botschaft

Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, hat westlichen Medien in der Berichterstattung über den Vorfall in der Straße von Kertsch mangelnde Sorgfalt und Irreführung vorgeworfen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der Diplomat, wegen der Grenzverletzung ukrainischer Marineschiffe nahe der Krim könne keineswegs eine rechtliche Unsicherheit geltend gemacht werden.

"Der Vorfall hat sich im Schwarzen und nicht im Asowschen Meer ereignet, und zwar an einem Ort, der bereits vor der Wiedervereinigung Russlands mit der Krim im Jahr 2014 im Hoheitsgewässer unseres Landes lag, das als solches von der Ukraine sowie der internationalen Gemeinschaft anerkannt wurde", betonte der Botschafter.

In der Tat haben dies nicht alle Medien präzise berichtet. Die Schiffe hätten Russland über ihren Kurs nicht vorab informiert und auch auf keinen Kontaktversuch reagiert, erklärte Netschajew. Auf den Schiffen seien Papiere gefunden worden, die bewiesen, dass dies Absicht gewesen sei. "Das verantwortungslose ,Katz-und-Maus-Spiel' dauerte mehrere Stunden an. Unter diesen Umständen blieb den russischen Grenzern nichts anderes übrig, als Gewalt anzuwenden", sagte Netschajew. Das Kommando auf den Schiffen hätten russischen Ermittlungen zufolge nicht die regulären Kapitäne gehabt, sondern Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU.

"Der ukrainischen Regierung gelingt es mit Provokationen wie dieser immer wieder, die Aufmerksamkeit des Westens auf sich zu ziehen und um eine weitere Finanz- und Militärhilfe zu bitten", sagte der Botschafter der Russischen Föderation. "Dasselbe geschieht auch jetzt", warf er dem Westen vor, auf "sorgfältig vorbereitete Provokationen" hereinzufallen. Kiew würde vor wichtigen internationalen Treffen "stets Gründe erfinden, um eine neue Runde der Hysterie wegen der ,russischen Aggression'" auszulösen. Der amtierende Präsident in der Ukraine nutze die Krise außerdem, um die Opposition vor den anstehenden Wahlen zu behindern. "Die Befürworter Kiews auch unter unseren europäischen Partnern machen den Rummel immer gerne mit", sagte Netschajew. "Warum und welche Rolle ihnen dabei zusteht, darüber können wir nur spekulieren."

Noch vor kurzem, im September, seien Schiffe der ukrainischen Marine mit Hilfe russischer Lotsen ungehindert durch die Meerenge gelangt, wies der Botschafter Blockadevorwürfe oder ein geändertes Vorgehen zurück. "Russland verteidigt seine Interessen", sagte der Botschafter. Aber: "Eine weitere Eskalationsspirale braucht Russland sicherlich nicht." Eine Freilassung der Seeleute hänge vom Verlauf eines eingeleiteten "Strafverfahrens wegen eines illegalen Grenzübertritts" ab.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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