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Zensur, Datenklau, Überwachung: Die Sieger der Big Brother Awards 2018

Archivmeldung vom 26.10.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.10.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Sputnik
Bild: Sputnik

Am Donnerstag wurde in Österreich zum 20. Mal der Negativpreis „Big Brother Awards“ verliehen. Mit von der Partie ist natürlich Facebook mit Patzern wie Camebridge Analytica, Zensurmaßnahmen und Anfälligkeit für Hacks. Aber auch ein CDU-Politiker ist dabei. Sputnik hat über den Preis und die Preisträger direkt mit dem Veranstalter gesprochen.

Beim Negativpreis Big Brother Awards geht es zwar lustig zu, aber das Thema ist ein ernstes. „Es geht darum, dass wir durch die neuen digitalen Werkzeuge die wir haben – ob es das Handy ist, ob es das Internet ist – digitale Spuren hinterlassen. Und einfach durch den technischen Fortschritt verlieren wir, wenn wir nicht aufpassen, Rechte, die wir gewohnt sind“, erklärt Georg Markus Kainz gegenüber Sputnik den Hintergrund der Verleihung. Kainz ist Präsident des österreichischen Datenschutzvereins quintessenz und einer der Veranstalter der Awards. „Das Ziel der Big Brother Awards ist es, aufzuklären, zu informieren, wo etwas schief läuft, Firmen zu erklären, dass wir ein Recht auf Privatsphäre haben, aber auch uns Nutzer aufmerksam zu machen, dass wir auf unsere Rechte aufpassen müssen.“

Und was da in der Welt schief läuft, lässt sich sehr gut an den nominierten Personen und Unternehmen ablesen und an den Qualitäten, durch die fünf unter ihnen schließlich als Sieger bei den Big Brother Awards hervorgingen.

Natürlich war Facebook einer der Sieger und in der Kategorie „Weltweiter Datenhunger“ konkurrenzlos unterwegs. Mit gleich drei Nominierungen war der Lorbeerkranz vorprogrammiert. Cambridge Analytica und die Beeinflussung von Wahlen, Anfälligkeit für Hacks und Software-Lücken bei einer Webseite mit zwei Milliarden Nutzern und Zensurmaßnahmen sowie Verbreitung von Fake-News – besser konnte man die Bedingungen für einen Negativpreis kaum erfüllen. Es gebe auch andere „Giganten“, die um eine Siegerehrung „kämpfen“, wie etwa Google oder Amazon, betont Kainz. Aber im Jahr 2018 war Facebook einfach klarer Vorreiter unter den Negativbeispielen.

In „Business und Finanzen“ setzte sich unerwartet der Herzschrittmacher-Hersteller „Medtronic“ gegen Microsoft und Mastercard durch. Obwohl die Mastercard bei Zahlungen künftig einen Fingerabdruck des Besitzers verlangen könnte, war das Verbrechen im Gesundheitswesen aus Sicht der Juroren doch schwerwiegender: Hacker hatten auf der Black Hat Hacker-Konferenz in Las Vegas nämlich eine Schwachstelle in der Software nachgewiesen und zeigten auch, dass das Gerät sich nach dem Hack beliebig von außen steuern lässt. Aber: „Der Hersteller weigerte sich trotzdem, ein Update zu machen, weil er sagte, das Risiko sei zu gering, dass das wirklich jemand hackt. Gerade bei Herzschrittmachern und gerade im medizinischen Bereich gibt es aus meiner Sicht null Toleranz“, so Kainz zur Reaktion des Unternehmens.

Im Bereich „Politik“ war es ein hartes Ringen zwischen dem österreichischen Innenminister Herbert Kickl mit seinem Wunsch, Zugriff auf öffentliche Kameras zu erlagen, und dem CDU-Politiker Axel Voss, der sich vor dem Hintergrund des Urheberrechts für Upload-Filter stark machte. Zu stark vielleicht, denn er dehnte dabei das Urheberrecht bis zu „Zensurmaßnahmen“ aus. Dazu sagt Kainz: „Wir glauben, dass wir natürlich Rechte durchsetzen können und müssen im Internet. Nur wir glauben, dass man wie etwa im Fall der Pressefreiheit etwas veröffentlichen kann – und dann muss man dafür geradestehen. Es kann nicht angehen, dass die großen Konzerne kontrollieren, was wir überhaupt im Internet noch sehen können.“

Unter „Behörden und Verwaltung“ setzte sich die „Parkvignette von Wien“ durch, die so smart und so frei ist, Daten über jeden Autofahrer weiterzuleiten. „Die Behörden wissen dann, wo Autos stehen, auch wenn sie legal dort stehen“, bemerkt der Datenschützer dazu. Die Daten landen dann auf einem Zentralserver, ob die Parkgebühr entrichtet ist oder nicht, scheint keine Rolle zu spielen. „Hier entsteht mehr oder weniger ein genaues Bild für die Gemeinde, wo, wann, wer parkt – egal ob bezahlt oder nicht bezahlt“, so Kainz.

Und in „Kommunikation und Marketing“ haben sich Philip Morris und diverse Apotheken durchgesetzt – mit Gesichtserkennung und personalisierter Werbung. Zwar war eine Trackinguhr, mit der Eltern ihre Kinder überwachen können, auch ein verdienter Kandidat, aber als „schlimmsten Eingriff“ empfand die Jury die Machenschaften des Tabakriesen und der Apothekerkreise. Denn damit sei „der erste Schritt in Richtung individualisierte Überwachung unseres Kaufverhaltens passiert“, findet der Datenschützer.

Es sei schwierig gewesen, sich auf so wenige Vertreter zu einigen, merkt Kainz an. Viele hätten sich den Big-Brother-Titel „eigentlich erkämpft“. Viel problematischer sei es aber, dass bei der breiten Masse und sogar bei der Jury das Bewusstsein dafür schwinde, wo überall heutzutage Eingriffe in Rechte stattfinden. „Ich merke bei den Jury-Sitzungen, dass es viel schwieriger wird, den Jury-Mitgliedern zu erklären, um was es geht. Ich bekomme es immer wieder mit Sätzen zu tun wie: Na ja, das machen doch die anderen auch. Oder: Ja, was ist denn daran wirklich das Neue? Wir spüren gar nicht, dass irgendwo gerade log-Files entstehen, wir merken nicht, dass wir nicht gefragt werden, dass irgendwo Daten entstehen – weil wir es einfach so gewohnt sind.“

Deswegen gelte es bei den Awards, Beispiele für Firmen zu liefern, die die Privatsphäre missachten und das Bewusstsein für diese Rechte wieder zu stärken. „Es geht nicht darum, Technik zu verdammen, sondern es geht darum, Technik bewusst zu benutzen und so zu benutzen, dass wir eben nicht so viel über uns preisgeben“, betont der Datenschützer.

Big Brother Awards ist ein Negativpreis, der in etlichen Ländern, etwa Deutschland und Österreich, jährlich vergeben wird. Sein Ziel ist es, auf die Datenschutzproblematik hinzuweisen und hier vor allem negative Entwicklungen zu beleuchten. Der Name des Preises rührt von der Figur des Großen Bruders in George Orwells Roman 1984 her. In diesem Buch wird das Leben in einem totalitären Überwachungsstaat geschildert. Entsprechend weist der Preis auf Entwicklungen hin, die auf lange Sicht zu solchen Strukturen führen könnten.

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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