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Interview mit Baron van Handel: „Die EU war nicht dazu gedacht, die Vereinigten Staaten von Europa zu bilden“

Archivmeldung vom 19.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Baron van Handel, Archivbild
Baron van Handel, Archivbild

Bild: UM / privat / Eigenes Werk

Dieses Interview erschien auch in spanischer Sprache bei "El Correo de España", in italienischer Sprache bei "Centro Machiavelli" und in polnischer Sprache bei "Wydanie Polskie" und wurde durch das Magazin "Unser Mitteleuropa" auf deutsch übersetzt.

Unser Mitteleuropa weiter: "Interview mit Baron Norbert van Handel, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften und der Geschichte, Doktor der Rechtswissenschaften. Er hat mehrere private Unternehmen gegründet und geleitet und war in der österreichischen Wirtschaftskammer tätig. In den 70er Jahren war er Leiter der österreichischen Delegationen im Bereich Energie und Rohstoffe bei der OECD (Paris), beim Europarat (Straßburg) und bei der UNECE-Handelskammer (Genf). Vizepräsident der Niederländischen Handelskammer in Österreich von 1982 bis 2013. Er ist Mitglied des Europäischen St. Georgs-Ordens (Europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen), dessen Prokurator er war.

Sie waren viele Jahre lang Mitglied der ÖVP (Christlich-Soziale Partei, Mitglied der Europäischen Volkspartei). Warum haben Sie diese Partei verlassen und sich für die FPÖ entschieden?

In der zweiten Runde der österreichischen Präsidentschaftswahlen 2016 stand der Kandidat der patriotischen FPÖ, Norbert Hofer, Alexander Van der Bellen von den Grünen gegenüber. Die ÖVP entschied sich, den progressiven Kandidaten zu unterstützen, obwohl der erste Kandidat christlich war. Diese Unterstützung war der Grund, warum ich aus der ÖVP ausgetreten bin. In der Folge beendete Bundeskanzler Sebastian Kurz im Mai 2019 unnötigerweise die hervorragende Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ. Da habe ich mich entschlossen, der FPÖ beizutreten, mit der ich bereits in Kontakt stand.

Sie haben ein enges Verhältnis zum Vorsitzenden der FPÖ, Norbert Hofer. Haben Sie irgendeine Position in der FPÖ inne?

Ja, ich bin ein persönlicher Freund von Norbert Hofer und er ist auch Mitglied des Europäischen St. Georgs-Ordens, der in Mittel- und Südosteuropa eine große Organisation geworden ist. Meiner Meinung nach hat die FPÖ im Wesentlichen die konservativen Werte übernommen, die die ÖVP nicht mehr hat und ist die einzige nationale Partei, was für ein Land wie Österreich sehr wichtig ist.

Ich bin offiziell zum Berater des Bundesparteiobmanns Norbert Hofer, der auch der dritte Präsident des österreichischen Nationalrats ist, ernannt worden und übe diese Tätigkeit auf seine Bitte hin ehrenamtlich aus. Was den Europäischen St.-Georgs-Orden betrifft, so habe ich mich aufgrund meiner politischen Aktivitäten aus allen operativen Programmen zurückgezogen, die nun von den Nachfolgern des Ordens betreut werden. Selbstverständlich bin ich weiterhin Mitglied des Europäischen St. Georgs-Ordens als Ehrenritter.
FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer und Dr. Norbert van Handel

Glauben Sie, dass die ÖVP den Anti-Immigrations-Diskurs der FPÖ „gestohlen“ hat und halten Sie es für möglich, dass sie diesen Diskurs beibehält, während sie in einer Koalition mit den Grünen regiert?

Die ÖVP hat zumindest teilweise die Rolle der FPÖ übernommen, vor allem in der Frage der Zuwanderung. Meiner Meinung nach ist die Regierung aber nicht in der Lage, mit dieser Frage und auch mit Sicherheitsfragen richtig und für die Bevölkerung zufriedenstellend umzugehen. Das liegt daran, dass eine Koalition einer ehemaligen Mitte-Rechts-Partei wie der ÖVP (die jetzt eher Mitte-Links ist) mit den Grünen ziemlich unnatürlich ist und automatisch Risse sichtbar werden. Das zeigt sich vor allem bei Sicherheitsfragen, aber natürlich auch bei allem, was das Thema Asyl betrifft.

Nach ihrer Ausweisung aus Ungarn siedelte sich George Soros‘ Central European University in Wien an, die dem Spekulanten 2019 das „Große Goldene Ehrenzeichen“ für seine Verdienste um die Stadt verlieh. Inwieweit beeinflusst das Soros-Netzwerk die österreichische Politik?

Bundeskanzler Sebastian Kurz ist, soweit man das aus dem Internet entnehmen kann, Mitglied des Europäischen Rates (European Council on Foreign Relations, ECFR), der maßgeblich von Soros beeinflusst wird. Ich kenne Herrn Soros nicht persönlich, habe aber vielerorts gehört, dass sein Einfluss für Staaten und Persönlichkeiten mit konservativen Werten und einer nationalen Ausrichtung äußerst negativ ist.

Was die Central European University betrifft, so denke ich nicht, dass es schädlich wäre, wenn sie in Wien wäre. Alle Hochschulen verbreitern die Bildungslandschaft, und das ist wichtig. Einen besonderen Einfluss des Soros-Netzwerks auf die österreichische Politik sehe ich im Moment nicht, was die Universität betrifft, ist dieser Einfluss vielleicht erkennbar.

Sie haben die Gründung einer M7 vorgeschlagen, eines Blocks, der aus den Visegrád-Ländern, Österreich, Slowenien und Kroatien besteht. Könnte dieser Block eine Alternative zum derzeitigen EU-Modell sein?

Wichtig ist die Entwicklung von M7, also einer Organisation, die Österreich, Visegrád‑4, Slowenien, Kroatien und, wenn möglich, Teile Oberitaliens umfasst. Sie basiert auf den früheren und zum Teil noch bestehenden engen Beziehungen dieser Länder im Rahmen von Österreich-Ungarn. Ich sehe es als eine Organisation innerhalb der EU, ähnlich wie es zum Teil mit den Benelux-Ländern oder den skandinavischen und baltischen Staaten gesehen wird. Sollte sich die EU in ihrer jetzigen Form jedoch auflösen, wäre die M7 ein durchaus denkbares Modell kleinerer christlicher Staaten mit jahrhundertelanger gemeinsamer Geschichte.

Sie verteidigen ein Europa der Vaterländer. Glauben Sie, dass sich dieses Europa gegen das föderalistische Projekt der EU und die Agenda 2030 durchsetzen kann?

Die EU geht in die falsche Richtung. Alles, was in Richtung eines Superstaates geht, wie Finanz- oder Sozialunion und Ähnliches, ist entschieden abzulehnen. Die EU ist als Friedensprojekt und als Wirtschaftsprojekt gedacht, aber nicht als die Vereinigten Staaten von Europa. Alles, was darüber hinausgeht, würde die kleinen christlichen Staaten in einer Weise dominieren, die von der Bevölkerung nicht gewollt ist, und würde automatisch zu einer Vormachtstellung der großen Staaten in der EU führen. Deshalb verteidige ich die M7-Idee.

Die FPÖ gehört zur Gruppe Identität und Demokratie im Europäischen Parlament, aber es gibt auch andere patriotische Parteien in der Gruppe der Konservativen und Reformisten, wie VOX oder Fratelli d’Italia. Kennen Sie die Aktivitäten dieser Parteien? Denken Sie, dass eine Zusammenarbeit zwischen den europäischen patriotischen Parteien notwendig ist?

Ich denke, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen den europäischen patriotischen Parteien absolut notwendig ist. Es ist logisch, dass sie sich in einzelnen Fragen differieren, wie es bei nationalen Parteien mit konservativen Werten üblich ist. Aber eine nationalkonservative und patriotische Gruppe in der EU muss sicherlich eine Schlüsselrolle in wichtigen Fragen spielen, vor allem wenn es um die Unabhängigkeit der einzelnen Länder innerhalb der EU geht.

Sie sind Mitglied im Europäischen St.-Georgs-Orden, für welche Prinzipien steht diese Organisation, und ist Ihre Mitgliedschaft im Orden mit Ihrer politischen Tätigkeit vereinbar?

Der Europäische St.-Georgs-Orden ist eine mitteleuropäische Organisation, obwohl er auch Mitglieder in England und anderswo hat. Wir kämpfen für gute Werte. In erster Linie das Christentum. Zweitens für einen Konservatismus, der auf Werten und nicht auf Strukturen basiert. Wir wollen nicht die Rückkehr des Feudalismus. Jedoch eine starke Verteidigung und eine liberale Wirtschaft. Wir wollen, dass Europa auf dem richtigen Weg vorankommt.

Der Orden hat, vor allem in den letzten zwei Jahren, eine mehr informative als politische Rolle übernommen. Vor allem will er, den Traditionen des Hauses Habsburg folgend, eine streng überparteiliche Rolle spielen."

Quelle: Unser Mitteleuropa

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