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Klimaforscher Marotzke lässt kein gutes Haar an Kopenhagener Abschlusserklärung

Archivmeldung vom 19.12.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.12.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Dieter Schütz / PIXELIO
Bild: Dieter Schütz / PIXELIO

Mit scharfer Kritik hat Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie und einer der führenden Klimaforscher in Deutschland, auf die Abschlusserklärung des Klimagipfels in Kopenhagen reagiert. "Das Ergebnis ist erbärmlich", sagte Marotzke im Interview mit stern.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Magazins stern.

Der Klimawandel werde "so auf keinen Fall" aufgehalten. Konkrete Emissionsziele betreffend "hat Kopenhagen nichts gebracht". Man müsse noch einmal "ziemlich von vorne anfangen".

Besonders hart ging Marotzke mit China ins Gericht, neben den USA größter CO2-Produzent der Erde: "In China ist es noch nicht angekommen, dass der Klimaschutz auch in ihrem Interesse ist." Die Chinesen seien nur "auf ihren kurzfristigen Vorteil bedacht" gewesen, sagte Marotzke dem Online-Magazin.

Marotzke glaubt allerdings, dass es auch nach Kopenhagen noch nicht zu spät ist, die globale Erderwärmung zu stoppen: "Der Kopenhagener Klimagipfel ist gescheitert, aber das ist nicht das Ende der Welt." Das Zeitfenster betrage jedoch nur noch "ein paar Jahre".

"Das Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen ist gemessen an den Erwartungen ein Fehlschlag!" - Der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU

Anlässlich des Ausgangs des Weltklimagipfels von Kopenhagen erklärt der Präsident des Wirtschaftsrates, Prof. Dr. Kurt J. Lauk:

"Das Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen ist gemessen an den Erwartungen ein Fehlschlag!"

Die Rettung der Welt war schlecht vorbereitet, deshalb ist das magere Ergebnis des Klimagipfels nicht verwunderlich: Jedes Land ist mit einer anderen Intention nach Kopenhagen gefahren. Die überzogenen Erwartungen einiger Entwicklungs- und Schwellenländer an Transferzahlungen und die Weigerung wichtiger Wettbewerber wie China und der USA zu verbindlichen Reduktionszusagen haben einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass es in Kopenhagen nicht allein um den Schutz des Klimas geht. Hinter den Vereinbarungen stehen gewaltige Investitionen, knallharte Finanz- und Industriepolitik sowie geopolitische Machtspiele.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen war dennoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einem Post-Kyoto-Abkommen. Der Nicht-Erfolg gibt jetzt Zeit für eine sorgfältige und bessere Analyse. Die Welt wird in dieser Zeit nicht untergehen. Der Wirtschaftsrat fordert:

  • Minimalkonsens Zwei-Grad-Ziel mit für alle geltenden, verpflichtenden Reduktionszielen sowie konkreten Maßnahmen substantiell untermauern.
  • Entwicklung einer gemeinsamen und transparenten Position der Wissenschaft. Climate Gate war hier nicht hilfreich für die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung.
  • Steigerung der Energieeffizienz und der Energieeinsparung in den industrialisierten Ländern und Aufbau eines weltweiten CO2-Handelssystems
  • Schaffung eines zuverlässigen weltweiten Systems zum Messen, Verifizieren und Berichten von Treibhausgasemissionen mit Einrichtung einer entsprechenden  Institution im Sinne des Generalsekretariats der Welthandelsorganisation (WHO)
  • Langfristige Umstellung von einer fossilen hin zu einer klimafreundlichen Energieerzeugung und massiver Ausbau der Energieforschung
  • Schutz der Regenwälder durch Aufbau einer schlagkräftigen Administration in den dafür zuständigen Entwicklungsländern.

CARE: Ehrliches Scheitern der Kopenhagener Konferenz besser als fauler Kompromiss - Statement von CARE-Vorstandsvorsitzendem Heribert Scharrenbroich

Ehrliches Scheitern der Kopenhagener Konferenz besser als fauler Kompromiss Der Vorsitzende von CARE Deutschlan-Luxemburg e.V., Staatssekretär a.D. Heribert Scharrenbroich, zum Konferenzabschluss von Kopenhagen:

"Die von der Klimakatastrophe besonders betroffenen Entwicklungsländer haben gut daran getan, dem gestern von 25 Staats- und Regierungschefs erarbeiteten Vorschlag nicht zuzustimmen, sondern das Papier nur mit Empörung zur Kenntnis zu nehmen", erklärte der Vorsitzende von CARE Deutschland-Luxemburg Heribert Scharrenbroich. Ein ehrliches Scheitern sei hilfreicher und zielführender als ein Verkleistern des Problem durch einen faulen Kompromiss. Das Scheitern solle als ein starkes Signal an die Regierungen und Bevölkerungen der Hauptverhinderer einer verantwortlichen Lösung, namentlich China, Indien, Japan und die USA verstanden werden "Den Entwicklungsländern kommt jetzt eine wichtige Rolle zu, China klar zu machen, dass es sein Ansehen als angeblicher Verteidiger afrikanischer Interessen bei Beibehaltung dieser Position verspiele." Der Konferenzverlauf führe zu berechtigter Hoffnung, dass die anderen Behinderer einer verantwortbaren Lösung einlenkten, wenn China eine kontrollierbare konstruktive Klimapolitik betreibe. Auch dürften die Industrieländer nicht die Augen davor verschließen, dass die in dem Kompromisspapier anvisierten  Ziele völlig unzureichend seien, um die Menschenleben und Staaten zu retten, die bei einer verantwortlichen Politik gerettet werden könnten. "Die desaströsen Auswirkungen des Klimawandels auf die Ärmsten der Armen können effektiv nur bekämpft werden", so Scharrenbroich, "wenn man sich  mit dem 2-Grad-Ziel nicht zufrieden gibt, sondern sich zum Ziel setzt, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad zu beschränken. Um das zu erreichen, muss der CO-2 Ausstoß bis 2020 um 40% gegenüber 1990 reduziert werden. Eine Reduzierung um 20% ist völlig unzureichend." Bis zu der für den Sommer geplanten Minister-Konferenz müssten die Hauptverhinderer einer verantwortlichen Lösung jetzt innerhalb der G-20-Gruppe und in bilateralen Gesprächen unter Druck gesetzt werden, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Dabei kämen der EU und dem Ansehen, das Bundeskanzlerin Merkel in dieser Frage erreicht haben, eine wichtige Rolle zu. Scharrenbroich forderte außerdem  die Industriestaaten auf, jetzt schon einen verbindlichen Fahrplan aufzustellen, wie, mit welchen Beträgen und von wem den Entwicklungsländern ab 2010 geholfen wird, den jetzt schon katastrophalen Schäden des Klimawandels zu begegnen. "Das darf nicht von verbindlichen Beschlüssen zur CO-2 Reduktion abhängig gemacht werden, denn die Hilfe muss jetzt beginnen, da die Schäden schon längst offenkundig sind."

Klimagipfel in Kopenhagen: Halbgare Verpflichtungen zu nichts

Der Klimagipfel in Kopenhagen endete für den WWF mit eine herben Enttäuschung. Die angereisten Staats- und Regierungschefs hatten zwar teilweise vollmundige Erklärungen im Gepäck, sie schafften es jedoch nicht, ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen auf den Weg zu bringen. "Es reicht nicht, sich dazu zu bekennen, die globale Erwärmung auf einen Anstieg unter  zwei Grad begrenzen zu wollen, dann aber keine konkreten Ziele und Maßnahmen zu vereinbaren, so Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs beim WWF Deutschland. Man habe kostbare Zeit verloren, die den Kampf gegen den Klimawandel weiter erschwere.

Der WWF fordert die Staats- und Regierungschef auf, dort weiterzumachen, wo man in Kopenhagen aufgehört habe. Von dem Debakel in Dänemark müsse man bei den kommenden Konferenzen lernen. Weder in Finanzierungsfragen noch bei der Zielsetzung oder der internationalen Überprüfung sei ein Durchbruch erzielt worden. Die Konferenz habe keinen der zehn wichtigsten Punkte abgearbeitet.

"Den Regierungschefs ist es nicht gelungen, sich in zentralen Punkten anzunähern. Darüber können die letztlich mühsam gefundenen Formulierungskompromisse nicht hinwegtäuschen. Schöne, aber letztlich leere Worte helfen uns nicht", kritisiert Eberhard Brandes, Geschäftsführer des WWF Deutschland.  Das sei, als ob ein Kettenraucher gelobe, ab morgen keine Zigaretten mehr anzurühren. "Um den Klimaschutzprozess neu zu beleben, ist es zentral, dass möglichst viele Länder eine Vorreiterrol-le übernehmen. Sie müssen zeigen, dass die Umgestaltung der Ökonomien zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise riesige Chancen bietet."

Es komme jetzt drauf an, die zahlreichen Lücken in dem vagen Vertragsentwurf so schnell wie möglich zu füllen. Die so genannte Kopenhagener Übereinkunft sei weit davon entfernt, einen rechtlich verbindlichen Rahmen für den weltweiten Klimaschutz der kommenden Jahrzehnte zu liefern.

Der WWF wird die internationalen Klimaverhandlungen weiter kritisch begleiten. "Wir setzen aber dar-über hinaus auf Partnerschaften mit Kommunen, Wirtschaftsunternehmen und anderen Teilen der Gesell-schaft, um dem auf allen Ebenen entgegenzutreten", so Brandes.

Welthungerhilfe und terre des hommes kritisieren Papier von Kopenhagen

Welthungerhilfe und terre des hommes ziehen eine verheerende Bilanz des Weltklimagipfels von Kopenhagen, der heute zu Ende gegangen ist. Die beiden Hilfswerke kritisieren, dass nach zwei Wochen Verhandlungen kein für alle verbindliches Dokument verabschiedet wurde und lediglich ein Papier einer Gruppe von 30 Staaten darunter der USA, China, Indien und Brasilien zur Kenntnis genommen wurde. Damit sind auch keine klaren Finanzierungsziele für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel für die Entwicklungsländer festgelegt worden.

"Die Menschen, die unter dem Klimawandel schon heute leiden, wurden mit leeren Händen nach Hause geschickt. Man lässt Millionen von Kleinbauern buchstäblich im Regen stehen. Die Verantwortlichen des Klimawandels, also in erster Linie die großen Industrieländer, haben sich ihrer Verantwortung entzogen und die Probleme einfach vertagt", erklärte Dr. Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe.

»Die internationale Staatengemeinschaft hat vor einer der größten Herausforderungen der Menschheit schlichtweg versagt. Auch die Bundesregierung und die Europäische Union waren nicht mutig genug, deutliche Zeichen zu setzen", sagt Danuta Sacher, Geschäftsführerin von terre des hommes.

Die beiden Hilfswerke fordern die Bundesregierung auf, sich in den kommenden Monaten im Rahmen der Europäischen Union für ein verbindliches Klimaabkommen einzusetzen.

Quelle: stern.de / Wirtschaftsrat der CDU e.V. / CARE Deutschland-Luxemburg e.V. / WWF / terre des hommes Deutschland e.V.

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