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Schienengebundene Raketenkomplexe kehren zurück

Archivmeldung vom 27.04.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.04.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: ru.wikipedia.org - "Stimme Russlands"
Bild: ru.wikipedia.org - "Stimme Russlands"

Russland ist an die Schaffung von schienengebundenen Raketenkomplexen getreten, deren Analogon zur Bewaffnung der strategischen Raketentruppen der Streitkräfte der UdSSR und Russlands von 1987 bis 2005 gehört hat. Die schienengebundenen Raketenkomplexe wurden in Übereinstimmung mit den Festlegungen des russisch-amerikanischen Vertrages Start II von 1993 aus der Bewaffnung gestrichen. Russland ist 2002 in Erwiderung des Ausstieges der USA aus dem Raketenabwehrvertrag aus diesem Vertrag ausgestiegen. Im nachstehenden Beitrag von Ilja Kramnik äußern Fachleuten ihre Meinung über die Vorzüge und die Einsatzperspektiven von schienengebundenen Raketenkomplexen.

In seinem Bericht bei Radio "Stimme Russlands" heißt es: "Die allerersten sowjetischen interkontinentalen Raketen R-7, auf deren Grundlage die berühmte Familie von Trägerraketen geschaffen wurde, wurden von offenen Startplätzen gestartet. Die Mängel dieses Verfahrens waren offenkundig: Die Rakete konnte durch jeden beliebigen Splitter oder einfach durch die Druckwelle einer gewöhnlichen Bombe, die in der Nähe explodierte, außer Gefecht gesetzt werden. Eine nukleare Munition konnte eine solche Startanlage selbst beim Sprengen in einer Entfernung von mehreren Kilometern außer Gefecht setzen.

Die nächste Generation der interkontinentalen ballistischen Raketen wurde bereits in Silos aufgestellt, aus denen die Raketen vor dem Start nach über Tage gehoben wurden und von der Erdoberfläche starteten. Schließlich kam gegen Mitte der 60er Jahre die Reihe an die geschützten Schachtstartanlagen. Die Raketen, die ihren Dienst im Rahmen des Diensthabenden Systems erfüllten, wurden durch etliche Meter starke Schicht von Stellungsbaubeton und Dutzende Zentimeter Panzerstahl geschützt. Die in Transport- und Startcontainern in den Silos aufgehängten Raketen waren imstande, eine Kernexplosion in unmittelbarer Nähe von der jeweiligen Position zu überstehen und zum Gegenschlag zu starten.

Nichtsdestoweniger zwang die allmählich wachsende Präzision sowohl der nuklearen als auch der konventionellen Munition dazu, die Raketen erneut auf die Erdoberfläche zu heben, jedoch dieses Mal bereits unter Verwendung von mobilen Startanlagen. In den 70er Jahren begann in der UdSSR die Entfaltung von mobilen Bodenraketenkomplexen und im darauf folgenden Jahrzehnt auch von schienengebundenen Raketenkomplexen. Der Vorzug der mobilen Bodenraketenkomplexe besteht in der Fähigkeit zur Entfaltung in praktisch jeder Gegend. Zum Vorzug der schienengebundenen Raketenkomplexe gehörte die hohe Mobilität: Innerhalb von 24 Stunden konnte ein „Kernwaffenzug“ anderthalb Tausend Kilometer und mehr von seinem Stützpunkt zurückgelegt haben.

Die beiden Arten von Raketenkomplexen waren dabei sehr schwer zu entdecken. Die Zugmaschinen der mobilen Bodenraketenkomplexe ist es natürlich sehr schwer, mit etwas anderem zu verwechseln, aber die enorme Fläche der Dezentralisierungsräume im Verein mit den für Russland charakteristischen Witterungsverhältnissen (ein bedeutender Teil des Territoriums ist ständig durch Wolken bedeckt) und dem engen Blickfeld der Aufklärungssatelliten bot alle Chancen dafür, sich der Beobachtung erfolgreich zu entziehen.

Die „Kernwaffenzüge“, die auf der Grundlage von standardmäßigen Eisenbahnwagen aufgebaut worden waren, ließen sich ebenfalls nur schwer im Gewirr von Knotenbahnhöfen und Bahnstrecken entdecken, wenn sie auch an die Eisenbahn fest gebunden waren.

In Übereinstimmung mit dem Vertrag Start II von 1993 sollte Russland die schienengebundenen Raketenkomplexe abschreiben. Im Jahre 2002 stieg Russland in Erwiderung des Ausstieges der USA aus dem Vertrag über die Raketenabwehr von 1972 aus dem Start-II-Vertrag aus, doch es war bereits praktisch nicht real, den laufenden Abschreibungsprozess zu stoppen. Darüber hinaus wurde die Situation durch den ukrainischen Ursprung der Rakete RT-23UTTH (SS-24 Scalpel) verschärft. Im Ergebnis dessen wurden die schienengebundenen Raketenkomplexe bis 2005 endgültig aus der Bewaffnung genommen.

Das alte Konzept mit einer neuen Rakete

Von der Möglichkeit, zu schienengebundenen Raketenkomplexen zurückzukehren, begann man Ende der 2000er Jahre nach dem Erscheinen der Rakete RS-24 „Jars“ zu sprechen. Die 45 Tonnen Startmasse von „Jars“ machen sie zu einem weitaus besseren Kandidaten für eine schienengebundene Basierung im Vergleich mit der 100 Tonnen schweren Scalpel. Zu einer guten Variante kann die Entwicklung der schienengebundenen Variante des RK „Avantgarde“ werden, der nach vorliegenden Informationen mit einer Bodenversion der Seerakete „Bulawa“ ausgestattet worden ist, die im Vergleich mit „Jars“ ein geringeres Gewicht und auch kleinere Dimensionen aufzuweisen hat. Ein neuzeitlicher „Kernwaffenzug“, der imstande wäre, 3 bis 4 Raketen mitzuführen, könnte zu einem zuverlässigen Element des russischen Kernwaffenschildes und zu einem guten Mittel der Erwiderung der Raketenabwehr werden: Die Effektivität der Raketenabwehrsysteme sinkt jäh unter den Bedingungen der Bekämpfung von mobil basierten Raketen, deren Startort im voraus praktisch unmöglich voraussehen lässt."

Quelle: Text Ilja Kramnik - „Stimme Russlands"

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