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Ist Lesen ungesund oder Gymnastik für das Gehirn?

Archivmeldung vom 28.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: olga meier-sander / pixelio.de
Bild: olga meier-sander / pixelio.de

Mit der Frage, ob Lesen ungesund ist oder Gymnastik für das Gehirn bedeutet und warum die Menschen weltweit gerne auf dem Klo lesen, beschäftigte sich Anna Fjodorowa in einem ausführlichen Beitrag, der bei Radio "Stimme Russlands" veröffentlicht wurde. Die Journalistin berichtet darin einleitend: "Seitdem der Mensch Buchstaben erfunden hat, Worte bilden und Bücher schreiben lernte, hört man weltweit nicht auf darüber zu streiten, ob Lesen nutzt oder schadet. In allen Zeiten gab es genug Befürworter des Lesens: Alle Gelehrten, Mönche und sonstige Träger der Aufklärung unterstützten einstimmig das Lesen und bestanden auf dessen Notwendigkeit für die Erziehung eines vollwertigen Bürgers. Besonders konservativ gestimmte Persönlichkeiten behaupteten, wer nicht lesen mag und will, könne kein guter Mensch werden. Ist dem tatsächlich so? Ist man, wenn man liest, eine bessere Komponente der Gesellschaft? Und: Ist Lesen überhaupt gut, oder schadet es nur?"

Fjodorowa weiter: "Unmäßiges Lesen ist nicht gut für die Gesundheit, sagen Bücherhasser. Erstens tragen die meisten Bücherliebhaber Brillen und haben Sehstörungen wegen des Lesens bei schlechter Beleuchtung, im Bett, in der U-Bahn, im Bus; zweitens treten bei vielen von ihnen Rückgratverkrümmungen, Radikulitis, Skoliosis und andere unangenehme Erscheinungen auf. Drittens haben Bücherwürmer oft eine bewegungsarme Lebensweise und leiden an Übergewicht, weil sie neben Büchern gern auch mal das verschlingen, was sich so im Kühlschrank findet.

Außerdem sind unter Viellesern diverse Leiden wie etwa verschiedenartige Kopfschmerzen, vegetativ-vaskuläre Dystonie oder Nervenstörengen verbreitet. Auch ihre Immunität ist oft schlechter als bei Bücherhassern, denn man verbringt die meiste Zeit in schwülen Räumen und kommt nur selten an die frische Luft. Es gab Epochen, wo man lesende Menschen verfolgte. Es hieß, dass diese schlechte Angewohnheit dem Staat einen großen Schaden zufügt, die Struktur der Gesellschaft zerstört und die Beziehungen zu den Machthabenden verdirbt.

Was hält nun die Wissenschaft davon? Spezialisten aus dem französischen Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale kamen zu dem Schluss, dass das Lesen als eine relativ neue Erscheinung im Leben des Menschen diesen dazu veranlasst, Hirnregionen dafür einzusetzen, die für andere Fertigkeiten zuständig sind.

Es wurde ein Experiment durchgeführt, an dem eine Gruppe aus 63 Portugiesen und Brasilianern teilnahm. Elf von ihnen konnten nicht lesen, 22 lernten es erst als Erwachsene, die Übrigen hatten es schon als Kinder gelernt. Aber auch diese waren keine „hoch gebildeten Universitätsstudenten“, die meist als Freiwillige an Neuroforschungen teilnehmen. Das Ergebnis lautete: Das Lesenlernen benachteiligt die Fähigkeit, Menschengesichter wahrzunehmen.

Eine andere wissenschaftliche Gruppe stellte fest, dass der Intellekt, also die allgemeine Fähigkeit, Schwierigkeiten zu erkennen und zu lösen, die alle kognitiven Fähigkeiten des Menschen – Empfinden, Wahrnehmung, Gedächtnis, Vorstellung, Denken, Phantasie – vereinigt, und die Anzahl der Bücher, die man gelesen hat, in keinen Bezug zueinander stehen. D.h. man kann noch so viel lesen, doch dadurch wird man nicht klüger, besonders wenn man nur zur Selbstunterhaltung liest, oder um die Zeit totzuschlagen.

Beim Lesen bekommt das Gehirn Informationen, die oft nicht nur nutzlos für Leben und Intellekt, sondern auch absolut systemlos sind. Beim Unterhaltungslesen, wobei keine Analyse des Gelesenen erforderlich ist, ist der Verstand passiv und entwickelt sich daher auch nicht. Um den Verstand handlungsbereit zu halten, muss man eher analytische Aufgaben und Rätsel lösen als lesen. Die Bilanz lautet: Man kann belesen und dabei gänzlich lebensunfähig sein.

Übermäßigkeit ist bekanntlich nie gesund. Man sollte nicht vergessen, dass das Lesen eine der besten Arten ist, Informationen zu bekommen. Dabei hängt es voll und ganz von jedem Einzelnen ab, wie er damit umgeht.

Richtig lesen – Gymnastik für das Gehirn

Viele Leute glauben, sie entwickeln sich allein dadurch weiter, weil sie Bücher lesen, aber das stimmt bei weitem nicht. Systemloses Lesen überlastet das Gehirn mit Informationen und verhindert deren Verwertung. Wie liest man richtig, zieht Nutzen daraus, vervollkommnet sich selbst und entwickelt seinen Intellekt?

Die Fähigkeit zu lesen, beeinflusst tatsächlich die Reaktion des Gehirns. Erstens macht sie die Organisation der visuellen Zone der Hirnrinde komplexer. Zweitens wird bei einem des Lesens fähigen Menschen das gesamte Neutronennetz, das für die Rezeption der gesprochenen Sprache zuständig ist, in der linken Gehirnhälfte auch mit Hilfe von gedrucktem Text aktiviert.

Aber wie sich herausstellt, hat das traditionelle Lesen seine Nachteile, nämlich den Mangel an Aufmerksamkeit und einem flexiblen Leseprogramm, wenn alle Texte gleich langsam gelesen werden, die Augen zu einer bereits gelesenen Stelle zurückgehen und – der Feind Nr. 1! – wenn man sich den Text laut selbst vorliest. Dadurch wird die Information nicht gespeichert, und der Sinn des Geschriebenen verflüchtigt sich.

Der moderne Mensch ist Tag für Tag gezwungen, Dutzende Seiten Text zu lesen – nicht nur Belletristik, sondern Informationen bei der Arbeit, die Presse, der berufliche und private Mailverkehr. Deshalb wird richtiges Lesen zuallererst als effektive Rezeption von Information verstanden. Verschiedene Techniken zum schnellen Lesen lehren nicht nur, auf Geschwindigkeit zu lesen, wie viele wegen der Bezeichnung vielleicht denken, sondern vor allem, den Inhalt eines Textes zu verstehen und mit Nutzen für sich selbst aufzunehmen.

Um diese effektive Rezeption zu erreichen, muss trainiert werden. Wie? Lesend. Auf bestimmte Art und Weise. Erstens mit systematischen Übungen zur Erweiterung des Sichtwinkels, zur Unterdrückung des Lautlesens und zum Begreifen der den Sinn herausfilternden Lese-Algorithmen. Und nicht vergessen: Das wird nicht zum Vergnügen gemacht, sondern zeigt einen komplizierten Weg zum Umbau des Gehirns auf.

Trainieren kann man auf Basis von (nach Form, Inhalt und Autor) bekannten schöngeistigen Texten, aber auch anhand informativer Literatur wie Zeitungs- oder wissenschaftlichen Artikeln. Es ist wichtig, mehrere Gedanken aufzugreifen. Vor der Lektüre müssen Sie sich vorstellen, welche Informationen Sie dem Text entnehmen wollen, und versuchen, den Inhalt der Seite vorauszusehen. Die Einstimmung ist sehr wichtig, denn wenn man sich darauf einstimmt, textliche Unebenheiten zu bemerken, sind es genau sie, die bemerkt werden. Wenn Sie sich darauf einstimmen, Fakten zu bekommen, werden Sie gerade diese herausfiltern.

Der nächste Schritt ist zu lernen, „schweigend“ zu lesen, ohne den Text mit den Lippen oder in Gedanken nachzusprechen. Diese Fähigkeit lenkt die Aufmerksamkeit ab und dreht wesentlich die Geschwindigkeit herunter. Hier ist es wichtig, sich zu kontrollieren: Wenn sich Ihre Lippen bewegen, stecken Sie einen Zahnstocher oder einen Bleistift in den Mund. Mit dem Nachsprechen in Gedanken fertig zu werden, ist schwieriger. Eine Möglichkeit ist, zu lesen und z.B. mit der Hand den Rhythmus zu klopfen.

Die Fähigkeit, sich auf ein Problem zu konzentrieren, ist eine Komponente der erfolgreichen geistigen Arbeit. Es gibt eine einfache Übung, die da helfen kann – das umgekehrte Lesen, aber nicht laut, sondern in Gedanken. Beim Lesen eines Wortes von hinten nach vorn stellen Sie es sich zuerst in den einzelnen Buchstaben vor, und dann lesen Sie es. Wenn das Bewusstsein in dem Moment zufällig abgelenkt ist, wiederholen sie die Übung. Zugleich wird auch das Gedächtnis trainiert. Um keine Zeit zu verlieren, kann diese Übung in Bus und Bahn ausgeführt werden.

Methodiken zum schnellen Lesen werden oft mit Sport verglichen, nur werden hier nicht die Muskeln entwickelt, sondern das Gehirn. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Leuten, die schnell lesen können, die Nervenprozesse schneller ablaufen, und bei ihnen ist auch die Reaktion schneller. Also keine Angst vor dem Erlernen des Schnell-Lesens – es ist nützlich!

Auf dem Klo: Lesen beim kleinen und großen „Geschäft“

Das Lesen auf der Toilette ist schon lange ein unabdingbarer Bestandteil unseres Lebens. Laut Statistik nehmen 50 Prozent der Erdbevölkerung ein Buch mit an den „Ort von Ruhe, Werk und Inspiration“. Russische Bürger beteuern, diese Gewohnheit sei zu Sowjetzeiten aufgekommen, und das dank der unversiegbaren Erfindergabe des russischen Volkes. Jack Sim, der Gründer der „World Toilet Organization“, sagt jedoch, das Lesen auf der Toilette sei in ganz Europa und Amerika verbreitet. Heute ist es bereits unmöglich zu verstehen, wer diesen „Brauch“ eingeführt hat – die Russen, die Deutschen oder die Amerikaner.

Laut statistischen Daten nimmt jeder dritte Engländer (26 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer) auf dem Weg zum Abort etwas zum Lesen mit. 65 Prozent der Befragten ziehen Zeitungen vor. 14 Prozent planen ihre laufenden Aufgaben, zehn Prozent lesen Zeitschriften und nur acht Prozent ein Buch. Zur Zerstreuung des lesenden Publikums ist in Großbritannien ein auf Toilettenpapier gedrucktes Lehrbuch der japanischen Origami-Kunst erschienen. Auf diese Weise kann man, ohne sich von der „Arbeit“ losreißen zu müssen, lernen, aus Papier Blumen, Fischchen, Hündchen und andere interessante Kinkerlitzchen zu falten.

Deutsche Soziologen beteuern, dass jeder Einwohner Deutschlands täglich im Durchschnitt 20 bis 25 Minuten beim Lesen auf der Toilette verbringt. Im Endeffekt haben die praktischen Deutschen beschlossen, die Werke der nationalen Klassiker auf Klopapier zu drucken, womit sie einen sehr breiten Leserkreis erreichen! Zuerst wählte man als Experiment die Gedichte von Heinrich Heine. Wie sich herausstellte, passte ein Buch nicht auf eine Rolle, also ging man dazu über, das Papier in Packungen zu verkaufen, deren Größe einem Buch entspricht. Diese Produktion wurde nicht im Supermarkt oder im Haushaltswarengeschäft vertrieben, sondern – wie es sich gehört – im Buchladen.

Aber am besten ist diese spezifische Branche der Buchveröffentlichung in Amerika entwickelt. Aktuell gibt es in den USA mehrere Verlage, die sich auf die Publikation von Literatur für die Lektüre auf dem Klo spezialisieren. Seit dem letzten Jahrhundert bringen sie Sonderserien für die Toilettenlektüre heraus. Zu den Spezialisten auf diesem Gebiet gehören zum Beispiel „Uncle John's Bathroom Reader“ und „Red-Letter Press, Inc.“. Das ist vor allem unterhaltende Information wie Kreuzworträtsel, kurzweilige Enzyklopädien und Witzsammlungen.

In Russland gibt es bisher keinen Verlag, der sich auf „Toilettenliteratur“ spezialisiert. Deshalb nehmen die Leute alles mit aufs stille Örtchen, was ihre dringlichen Interessen widerspiegelt. Teilnehmer einer anonymen Internet-Umfrage teilen mit STIMME RUSSLANDS ihre Lektüre-Vorlieben:

„Ich lese Fantasy, ich meine, das ist ein passendes Genre, es lenkt ab“, „Ohne Zweifel Klassik. Nach und nach habe ich alle vier Bände von „Krieg und Frieden“ durchgelesen; anders hat es nicht geklappt, mir fehlte die Geduld“, „Mir gefallen Frauenzeitschriften oder Krimis, ich möchte Leichtigkeit und Sorglosigkeit“, „Ich lese Kochbücher, suche nach neuen Rezepten, das ist sehr nützlich für die ganze Familie“.

Wie wir sehen – die Leidenschaft fürs Lesen auf dem Klo ist auf der ganzen Welt verbreitet. Die Interessen der Leser sind sehr unterschiedlich, aber es vereint sie eines: wenn sie den Ort besuchen, „wo der Kaiser zu Fuß hingeht“, nehmen sie ein Buch mit. Bei der richtigen Wahl der Literatur am Ort der täglichen „Meditation“ kann man jede Menge nützlicher Information beziehen, zum Beispiel die Grammatik einer Fremdsprache erlernen!"

Quelle: Text Anna Fjodorowa - „Stimme Russlands"

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