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Ach was? Plötzlich ist Preppern toll und angesagt? Jetzt werden die Fähnchen schnell in den raueren Wind gedreht

Freigeschaltet am 14.05.2022 um 10:00 durch Anja Schmitt
Kessel mit Gulasch über dem Feuer gekocht (Symbolbild)
Kessel mit Gulasch über dem Feuer gekocht (Symbolbild)

Bild:pixabay

Im Sep­tember 2017 pumpte die Presse eine Mücke zum Ele­fanten auf, der dann schluss­endlich pein­li­cher­weise platzte: Ein paar Prepper waren – im Zusam­menhang mit dem omonösen Franco A. – ins Visier der Polizei geraten. Es waren voll­kommen unschuldige Leute, denen da in den frühen Mor­gen­stunden des 28. August 2017 die Haustüre ein­ge­treten wurde, Spür­hunde und Blend­gra­naten zum Einsatz kamen und das Haus auf links gedreht wurde. Die Presse kreischte hys­te­risch von einer Todes­liste, die aber nie gefunden wurde. Gegen die Ver­däch­tigen lag de facto nichts, aber auch gar nichts vor. Und weil es nichts gab, ritt die Presse darauf herum, dass die Männer irgendwie Rechte oder Reichs­bürger seien, weil Vorräte im Keller hatten und einige (legal und berechtigt) eine Waffe. Dies schreibt Niki Vogt bei "Die Unbestechlichen".

Weiter dazu folgendes auf deren Webseite: "Das Wort „Prepper“ avan­cierte zum Unwort und wurde seitdem zum Indiz für eine stramm rechte Gesinnung, wenn nicht gar Nazi. Dabei ist das ein Wort, das sich aus dem Ame­ri­ka­ni­schen her­leitet. „Prepper“ heißt dort nichts anderes, als „to be pre­pared“, also: „vor­be­reitet sein“. Schon während der Lock­downs ver­wan­delte sich Europa teil­weise in eine Bevöl­kerung der Prepper. Man kaufte plötzlich Vorräte, Klo­papier, Bat­terien, Nudeln, Hefe, Mehl, Zucker usw., was die Regale noch boten, da man ja nicht wusste, ob nicht auch noch die Super­märkte geschlossen werden würden. „Unso­li­da­rische Hams­terei!“ wet­terten die Öffentlich-Recht­lichen. Leere Regale? Wieder alles nur Ver­schwö­rungs­theorien. Lebens­mittel horten? Das machen nur Rechts­ra­dikale. Alles eine einzige Drecks- Nazi­bande: Quer­denker, Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker, Faschisten, Neo­nazis, Waf­fen­narren, Ras­sisten, Prepper und die AfD.

Dabei hat der Staat selbst eine höchst ver­dächtige Prepper-Orga­ni­sation, das „Bun­desamt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hilfe“, und preppert mit einer natio­nalen Zivilen Not­fall­re­serve als Teil des Zivil­schutzes. Es gibt auch eine Bro­schüre des Bun­des­amtes, die nicht nur dem Bürger das Preppern mit Not­vor­räten emp­fiehlt, sondern sogar Heftchen mit Listen an die Hand gibt, was man an Lebens­mitteln, Wund­ver­sorgung und Medi­ka­menten usw. ein­lagern sollte, und darüber hinaus auch Rat­schläge für rich­tiges Handeln in Not­si­tua­tionen erteilt.

Nicht nur das: 2011 ver­öf­fent­lichte der Deutsche Bun­destag einen Bericht über die „Gefährdung und Ver­letz­barkeit moderner Gesell­schaften – am Bei­spiel eines groß­räu­migen und lang­an­dau­ernden Aus­falls der Strom­ver­sorgung“. (Ich emp­fehle Ihnen dringend, diesen Bericht einmal auf­merksam durch­zu­lesen. Sie werden staunen, was uns da alles bevor­stehen könnte.)

Im Pan­de­miejahr 2020 gab das Bun­desamt für Bevöl­ke­rungs­schutz (BBK) eine Bro­schüre heraus, in der ab Seite 34 ein Not­fall­kochbuch vor­ge­stellt wird, was dem Bun­des­bürger ans Herz gelegt wird. „Nahrhaft kochen ohne Strom“. Kann man noch deut­licher werden, was uns bevor­steht? Und was lasen wir in der Broschüre?

„Laut zweier Umfragen im Rahmen des Pro­jektes ‚Neue Stra­tegien der Ernäh­rungs­not­fall­vor­sorge‘ (…) waren weniger als ein Viertel der Befragten in der Lage, den damals noch auf 14 Tage fest­ge­setzten Maxi­mal­zeitraum mit eigenen Vor­räten zu über­brücken. Lediglich 41% hielten für eine Woche durch (…). Die Gründe für die man­gelnde Umsetzung der behörd­lichen Emp­feh­lungen sahen die For­scher der Studie einer­seits in der geringen wahr­ge­nom­menen Ein­tritts­wahr­schein­lichkeit einer Ernäh­rungs­not­si­tuation – bei gleichwohl hohem Respekt vor deren Aus­wir­kungen. Ande­rer­seits sei die geringe Ver­breitung der behörd­lichen Emp­feh­lungen selbst eine der Ursachen: Lediglich 8% der Befragten gaben an, die behörd­lichen Infor­ma­ti­ons­an­gebote über­haupt zu kennen."

Da es seit Ende der Nach­kriegszeit in Deutschland keine grö­ßeren Bedro­hungen mehr für die Lebens­mit­tel­ver­sorgung gegeben hat, scheint das Thema Not­vorrat an den Rand des gesell­schaft­lichen Dis­kurses gedrängt worden zu sein.“

Nun ja, aber wenn man wirklich diese War­nungen ernst nimmt – und ange­sichts der mehr­fachen Lock­downs, der Pan­demie-Beschrän­kungen, der Bad Neuen­ahrer Flut­kas­ta­strophe, der kom­menden, flä­chen­de­ckenden Blackouts und Brow­nouts, des Weg­falls des Erd­gases und eis­kalter Woh­nungen, der allent­halben bre­chenden Lie­fer­ketten – und, nicht zu ver­gessen! — dem von Außen­mi­nister Barbock als durchaus denkbare Mög­lichkeit in Aus­sicht gestellten Atom­krieg mit Russland – wenn man das alles betrachtet und sich vor­be­reitet, also … „preppert“, tritt uns dann nicht ein Son­der­kom­mando die Türe ein, schmeißt mit Blend­gra­naten um sich und hält einem die Mündung einer Maschi­nen­pistole unter die Nase?

Sieh einer an, jetzt bemüht man sich in den Öffentlich-Recht­lichen, dem Volk das Preppern schmackhaft zu machen. Nicht, ohne sich zu winden, wie ein Wurm an der Angel. Wie schafft man jetzt die befohlene Wende? Gestern waren Prepper noch Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker und Nazis, jetzt soll man allen Bürgern das Preppern emp­fehlen? Schwupp! Wir drehen das Fähnchen in den neuen Wind!

Das geht ganz einfach, man distan­ziert sich ein­gangs ein bisschen von der eigenen Hetze und ver­nied­licht sie. Der „mdr“ macht den publi­zis­ti­schen Dop­pelaxel vor:

„Vorräte lagern, Über­le­bens­tech­niken trai­nieren, Fluchtwege planen – soge­nannte Prepper bereiten sich auf Aus­nah­me­si­tua­tionen vor. Lange wurden sie belä­chelt, manche auf­grund ihrer extremen poli­ti­schen Ein­stel­lungen gefürchtet. Doch nach Hoch­wasser, Corona-Pan­demie oder Ukraine Krieg über­legen sich immer mehr Men­schen, ob sie auf Kata­strophen nicht vor­be­reitet sein sollten.“

Nein, die Prepper wurden nicht belä­chelt, sondern dif­fa­miert und ver­folgt. Einen bewaff­neten SEK-Überfall als „Belä­cheln“ zu apo­stro­phieren, ist schon dreist. Dann ver­breitet man im mdr ein bisschen All­ge­mein­plätzchen mit Ver­ständnis für die armen Mit­men­schen als Zuckerguss — Jaja, wir ver­stehen ja Eure Sorgen:

„Es sind Fragen, die in Deutschland bislang eigentlich keine Rolle spielen. Doch das jüngste Hoch­wasser, die Corona-Pan­demie oder der Krieg in der Ukraine bereiten vielen Men­schen Sorgen. Immer mehr wollen auf einen Ernstfall, in dem es um das Über­leben gehen könnte, vor­be­reitet sein. Dafür gibt es auch zwei eng­lische Begriffe: Preppen und Survival.“

Völlig abwegig wird anschließend als Bei­spiel auf die Fernseh-Serie „7 vs. Wild“ ver­wiesen, in der sieben Männer sieben Tage mit sieben Gegen­ständen in der schwe­di­schen Wildnis zurecht­kommen müssen. Was hat das mit dem Erreichen eines gewissen Aut­ar­kie­grades für eine Familie über mehr oder weniger lange Zeit zu tun? Gar nichts. Das ist Aben­teu­rertum und sicher auf­regend für trai­nierte, kräftige, junge, allein agie­rende Männer, die mal wissen wollen, was sie packen können und wie hart sie sind. Aber in den Situa­tionen, die auf uns Bürger und Familien zukommen, ist die Idee, einfach in irgend­einen Wald zu fliehen, die wohl dümmste, auf die man kommen kann. Das ist nur dann sinnvoll, wenn man ein klares und erreich­bares Ziel hat, wohin man geht, um dort sicher und geborgen und ver­sorgt zu sein.

Dass die Redak­teure vom mdr so über­haupt keine Vor­stellung davon haben, was „Preppern“ und echtes Sur­vival bedeutet – vor allem in der Stadt – wird klar, als sie kurz einen „guten, lieben Prepper“ beschreiben, den die „MDR exactly“-Redaktion „dennoch gefunden“ hat. Da ist Martin, der in einem zwei mal zwei Meter Schrank alles auf­be­wahrt hat: „Dosen­fleisch, Öl, viele Kon­serven. Mit dem Vorrat kommen wir locker zwei Wochen aus. — Martin hat nicht nur Kon­serven gebunkert. Zu seiner Aus­rüstung gehören auch Feu­er­stahl, Axt, Schlaf­säcke, eine Powerbank mit Solar­paneel oder Funk­geräte. Er wolle im Falle einer Kata­strophe ähnlich gut klar­kommen, wie im Alltag und vor­be­reitet sein, um auch im Ernstfall seine Familie ernähren zu können. Denn als die Kinder kamen, dachte er: Was wäre, wenn wirklich mal was pas­siert? Etwa wenn Hoch­wasser oder Strom­ausfall sei oder Lie­fer­ketten unter­brochen wären. “Kann ich drei Tage über­brücken, bis die Kri­sen­be­hörden eben greifen und einen Plan haben, wie es wei­tergeht?” Auch der Krieg bereite Martin und seiner Familie Sorgen. Das Preppen helfe ihm dabei, nachts ruhiger zu schlafen.

Süß. Drei Tage. Dann hat die Welt gefäl­ligst wieder in Ordnung zu sein, das hat der Staat zu gewähr­leisten. Nein, lieber Martin, das wird sie nicht, Du wirst Dich da schon auf eine erheblich längere Zeit ein­richten müssen. Schlaf­säcke brauchst Du nur, wenn Du irgendwo draußen näch­tigen musst. Das kannst Du aber mit Kindern ver­gessen. Da bleibst Du besser mit ihnen daheim. Powerbank mit Solar­paneel ist gut, damit kannst Du eine LED-Lampe und ein Radio betreiben. Funk­geräte sind dann gut, wenn Du ent­spre­chende Kon­takte hast. Aber wie machst Du die Kon­serven warm? Woher nimmst Du das wich­tigste Nah­rungs­mittel: Wasser? Was hast Du als Toi­letten-Ersatz? Mit der Axt kannst Du Feu­erholz besorgen und Dich ver­tei­digen, das ist gut. Aber hast Du einen Holz/Kohleofen? Oder einen Petro­le­umofen? Wenn Du und Deine Familie mehr als drei Tage frieren und kaltes Zeug aus dem Schrank essen, werdet ihr krank und depressiv.

Natürlich muss der mdr dann doch noch breit auf den angeb­lichen Rechts­ex­tre­mismus in der Szene ein­gehen: Der erhobene Zei­ge­finger, der uns sagen soll: „Vorräte für eine Weile ist okay, jaja, das emp­fiehlt auch die Regierung – aber hüte Dich vor dem Virus des Quer­denkens und des Rechts­ex­tre­mismus. Über­treib es nicht. Mehr als für eine Woche Bevor­ratung … hmmm … das könnte schon auf bedenk­liche poli­tische Ten­denzen hin­weisen.“ Nur um dann doch ver­schämt zugeben zu müssen, dass es laut Experten über­haupt keine Erkennt­nisse darüber gibt, wie viele unter den Preppern über­haupt rechts­extrem sind:

„Nach Schät­zungen soll es in Deutschland bis zu 200.000 Prepper geben. Wie viele davon rechts­extrem sind, lässt sich aber nicht sagen, schreibt das thü­rin­gische Innen­mi­nis­terium: ‚Über­schnei­dungen der Prepper-Szene mit rechten Gruppen gibt es ver­einzelt. Die Über­gänge zwi­schen Quer­denkern, Reichs­bürgern und Preppern sind teil­weise fließend. Vor diesem Hin­ter­grund ist es nicht möglich, seriöse Zah­len­an­gaben über dieses Per­so­nen­po­tenzial zu machen.“

Also, mit anderen Worten: „Wir haben da einen Riesen-Popanz um die ‚Prepper‘ auf­ge­blasen und ihnen ein rechts­ra­di­kales Image ver­passt, obwohl es viel­leicht mög­li­cher­weise nur ver­einzelt Über­schnei­dungen gibt und wir eigentlich nichts wissen.“

Prepper fahren übrigens auch Auto. Und sie trinken auch Sprudel. Viele haben sogar Haus­tiere und Kinder. Sehr wahr­scheinlich hören sie auch Radio und gehen einkaufen.

Also uff­passe: Wer Auto fährt, Sprudel trinkt, Haus­tiere und Kinder hat, ein­kaufen geht und Radio hört, ist schon als rechts­ra­di­kaler Prepper ver­dächtig und Nazi. Auch, wenn man keine seriösen Zah­len­an­gaben dazu machen kann."

Quelle: Die Unbestechlichen (Niki Vogt)

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