Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Berichte Politik Politikwissenschaftler sehen Steinbrück-Geste gelassen

Politikwissenschaftler sehen Steinbrück-Geste gelassen

Archivmeldung vom 13.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Peer Steinbrück Bild: Daniel Biskup - peer-steinbrueck.de
Peer Steinbrück Bild: Daniel Biskup - peer-steinbrueck.de

Gleich mehrere Politikwissenschaftler sehen die umstrittene "Mittelfinger-Geste", mit der sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für die "SZ" hat ablichten lassen, gelassen. Werner Patzelt nannte die Geste für die Interview-Situation angemessen. "Wenn er kommentieren soll, was er davon hält, dass viele sozusagen mit dem Stinkefinger auf ihn gezeigt haben, dann ist der Mittelfinger der entsprechenden Hand durchaus ein für diesen Zweck adäquates Ausdrucksmittel", sagt Patzelt dem Deutschlandfunk.

Steinbrück zeige nicht dem Wähler den ausgestreckten Mittelfinger, sondern antworte nonverbal auf eine Frage so, wie es das Interviewformat vorsah. Deshalb sei die Reaktion der FDP, "teils Etepetete und andernteils aus erkenntlichen Wahlkampfgründen an den Haaren herbeigezogen", so Patzelt weiter.

Der Politikprofessor weist außerdem Vermutungen, Steinbrück sei für den Beruf des Bundeskanzlers zu "dünnhäutig" zurück: "Das glaube ich nicht, denn in dem Job gibt es professionelle Anforderungen, mit denen wird er professionell fertig, was er auch als Finanzminister gezeigt hat." Einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl wird die Petitesse nach Ansicht der Wissenschaftler wohl kaum haben: "Für eine Wahlentscheidung ist die Geste schon deshalb bedeutungslos, weil sie keine Äußerung über einen konkreten politischen Sachverhalt oder einen politischen Wert an sich ist. Außerdem: Wem Steinbrück sympathisch war, dem wird er dadurch nicht unsympathisch werden", sagte der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer von der Freien Universität Berlin "Handelsblatt-Online".

Steinbrücks Zeigefinger könne nur bei denen, die selbst Opfer einer solchen Geste geworden seien, auf Ablehnung stoßen, ist Neugebauer überzeugt. "Ansonsten ist das eine übliche und nicht an soziale Herkunft oder Bildung gebundene Geste im Kontext nonverbaler Kommunikation", betonte er. "Wer sich im Wahlkampf aus Politikerkreisen dazu negativ äußert, sollte sich fragen, ob er oder sie sich nicht als Moralapostel oder gar als Heuchler darstellt."

Der Potsdamer Parteienforscher Jürgen Dittberner sagte "Handelsblatt-Online": "Steinbrück ist, wie wir Berliner sagen, schon `ne Nummer. Aber so empfindlich sind die deutschen Wähler auch nicht, dass sie sich durch seine Eskapaden abschrecken lassen." Ob sie ihn deswegen attraktiv fänden, stehe auf einem anderen Blatt. Dessen ungeachtet erwartet Dittberner keinen rot-grünen Wahlsieg. "Da sie bei der SPD rechnen können, werden sie wohl innerlich nicht mehr an einen rot-grünen Wahlsieg glauben", sagte der Experte. Selbst wenn die Zahlen stimmen würden, habe wohl kaum ein führender SPD-Funktionär Lust, "sich auf ein quälendes und langes Bündnis mit den Grünen einzulassen". Und Rot-Rot-Grün sei in der SPD noch zu sehr umstritten.

Steinmeier verteidigt Steinbrück in "Stinkefinger"-Debatte

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kann die Aufregung um die "Stinkefinger"-Geste vom Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten, Peer Steinbrück, nicht nachvollziehen. "Ich finde, die Ironie in dem Bild ist klar erkennbar", sagte Steinmeier der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Steinbrück zeigt sich auf dem aktuellen Cover des Magazins der "Süddeutschen Zeitung" in der ungewöhnlichen Pose.

Während eines sogenannten "Interviews ohne Worte" antwortete Steinbrück auf die Frage, "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" mit der Geste.

Wirbel um Steinbrück verärgert SPD-Linke

Die "Stinkefinger"-Geste von Peer Steinbrück sowie Berichte über mögliche Zukunftspläne des SPD-Kanzlerkandidaten im Falle einer Großen Koalition sorgen bei der SPD-Linken für massive Verärgerung. Die SPD kämpfe bis zur Schließung der Wahllokale am 22. September "geschlossen und entschlossen für den rot-grünen Politikwechsel und die Abwahl der miserablen Merkel/Rösler-Regierung. Alle anderen Aufgeregtheiten über Interviews, Fotos, Personalspekulationen oder demoskopische Kaffeesatzleserei leisten nur eines: Sie behindern die Kampfkraft und Konzentration auf das wesentliche, nämlich möglichst viele Wählerinnen und Wähler noch davon zu überzeugen, beide Stimmen für die SPD abzugeben", sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand, Ralf Stegner, "Handelsblatt-Online".

"Die Basis der SPD, die geschlossen wie nie für unser seit Jahrzehnten bestes Regierungsprogramm kämpft, hat null Verständnis für solche Aufgeregtheiten", sagte Stegner weiter. "Alle, die statt für den gemeinsamen Erfolg zu kämpfen jetzt über ihre persönlichen Perspektiven im Falle des Misserfolgs nachdenken, setzen die falsche Priorität", fügte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein hinzu.

Kauder: Bürger können sich "nun erneut ein Bild" von Steinbrück machen

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat sich distanziert zu dem Foto geäußert, auf dem SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück den ausgestreckten Mittelfinger zeigt: "Die Bürger können sich nun erneut ein Bild vom Kandidaten machen", sagte der CDU-Politiker der "Welt". Er fügte hinzu: "Mehr ist dazu nicht zu sagen."

Steinbrück zeigt sich auf dem Cover des Magazins der "Süddeutschen Zeitung" in der ungewöhnlichen Pose. Während eines sogenannten "Interviews ohne Worte" antwortete Steinbrück nach Medienberichten auf die Frage, "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" mit der Geste.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

Anzeige: