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Grüne und FDP kritisieren Hospitalisierungsrate als neuen Richtwert

Archivmeldung vom 20.11.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.11.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Debattenkultur im Bundestag (Symbolbild)
Debattenkultur im Bundestag (Symbolbild)

Bild: Rob hyrons, fotolia / Eigenes Werk

Die von Bund und Ländern am Donnerstag beschlossene Kopplung von Corona-Maßnahmen an bestimmte Hospitalisierungsraten stößt bei zwei "Ampel"-Fraktionen im Bundestag auf scharfe Kritik. "Die tagesaktuelle Hospitalisierungs-Inzidenz des RKI ist aufgrund der hohen Anzahl an Nachmeldungen stets falsch niedrig", sagte Janosch Dahmen, Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion, der "Welt".

Es sei daher ein Fehler, an dieser Kennzahl das Krisenmanagement auszurichten, so der Arzt. "Tatsächlich dürfte die tatsächliche Hospitalisierungs-Inzidenz in jedem Bundesland fast doppelt so hoch liegen." Wichtiger seien aktuell andere Kennzahlen: "Die Länder sollten notwendige Entscheidungen bis auf Weiteres vor allem an der Inzidenz und der Intensivbetten-Verfügbarkeit ausrichten", so Dahmen.

"Die nun willkürlich gesetzten Grenzwerte des Hospitalisierungs-Index müssen sich erst in der Praxis bewähren und deshalb kritisch begleitet werden", sagte Andrew Ullmann, Infektiologe und Gesundheitsexperte der FDP-Fraktion. Der Index sei zwar grundsätzlich "ein guter Indikator", stelle aber "nur unzureichend die anstehende Belastung in einer Region dar". Wichtig sei eine Zusammenschau folgender Werte: Impfquote, Booster-Rate, Intensivbettenauslastung und Infektionszahl je nach Alter. Auch aus der oppositionellen Union kommen Bedenken an dem MPK-Beschluss: "Diese Hospitalisierungsraten sind sicherlich ein wichtiger Indikator", sagte CDU-Gesundheitsexperte Erwin Rüddel. "Sie dürfen aber nicht der eine ausschlaggebende Faktor sein, nach dem sich die Maßnahmen richten, da die Hospitalisierungsrate immer auch eine gewisse zeitliche Verzögerung mit sich bringt."

Die Infektions-Inzidenz sei immer noch ein wichtiger Faktor, der keinesfalls vernachlässigt werden sollte. Die Linksfraktion kritisierte den neuen Richtwert ebenfalls: "Mit der Hospitalisierungs-Inzidenz als einzigem Kriterium haben es sich die Bundesländer deutlich zu einfach gemacht", bemängelte die Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler. "Die zeitliche Verzögerung zwischen Infektion, Erkrankung und Krankenhauseinweisung führt dazu, dass mit dieser Kennziffer weiter hinter der Entwicklung hergelaufen wird." Sinnvoll wäre es, die Neuinfektionen in den besonders vulnerablen Altersgruppen sowie den R-Wert zu berücksichtigen.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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