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GDP-Chef: „Kollegen psychisch nicht mehr in der Lage, den Dienst zu versehen“

Archivmeldung vom 14.12.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.12.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Metropolico.org, on Flickr CC BY-SA 2.0
Bild: Metropolico.org, on Flickr CC BY-SA 2.0

In Thüringen hat eine Polizistin einen offenen Brief an Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) geschrieben. Darin schilderte die Beamtin, sie sei wegen der hohen Arbeitsbelastung "am Ende ihrer Kräfte". Das sei kein Einzelfall, beklagt der Thüringer Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kai Christ, gegenüber Sputnik.

Im Interview heißt es: "Zunächst schildert Christ den Vorfall, der zu der offenen Klage führte: „Die Kollegin war Anfang Oktober mit zwei weiteren Polizisten zu einem Einsatz gefahren. Das war zunächst eine ganz normale Ruhestörung, die dann ausgeartet ist. Es kam zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Polizisten und den Veranstaltern. Schlussendlich hat sich die Polizei zurückziehen müssen, weil sie personell nicht in der Lage war, die Situation zu beherrschen“, beschreibt der Polizeigewerkschafter die Situation.

Sputnik möchte wissen, ob das nicht die Kapitulation des Rechtsstaates sei. „Ja, die Möglichkeiten des Rechtsstaates sind dann dort beendet. In diesem Moment wird der Rechtsstaat nicht mehr durchgesetzt“, gesteht Christ. Allerdings sei die Situation schnell von dazu geholten Kollegen übernommen worden, so dass Recht und Gesetz wieder hergestellt wurden. Was allerdings bei diesem Einsatz auf der Strecke blieb, ist die Psyche der drei Polizisten.

„Die Kollegen haben sich bedroht gefühlt. Sie sahen sich außerstande, die Situation zu klären“, erklärt Christ. Daraufhin schrieb die eine der Betroffenen den Brief an den Innenminister. Dieser habe allerdings schon einiges bewirkt: Innenminister Poppenhäger habe die betroffene Dienststelle in Mühlhausen aufgesucht. Dabei stellt der Sozialdemokrat fest, dass der Altersdurchschnitt in diesem Revier deutlich höher sei als im thüringischen Landesdurchschnitt. Er habe Besserung versprochen.

Glauben sie auch daran? hakt Sputnik nach. „Nun, das geziemt sich so“, sagt der Polizist fast ritterlich. Allerdings hätte diese Aussage die Polizeikollegen im benachbarten Erfurt bewogen, ebenfalls einen Brief an den Innenminister zu schreiben. Diese fürchten nämlich, dass die Unterstützung für Mühlhausen  aus Kollegen besteht, die aus Erfurt abgezogen werden. „Unsere Tischdecke ist kleiner als der polizeiliche Sicherheitstisch, den wir abdecken müssen“, stellt Christ die Situation der Thüringer Polizei plastisch dar. Es fehle, wie auch in Hamburg, Brandenburg, Berlin oder Baden-Württemberg schlicht an Personal.

Das komplette Interview hören sie hier: https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20161214313766080-psycho-polizei/

„Lernen Sie das Gefühl, komplett hilflos zu sein“

In einem weiteren Artikel bei Sputnik heißt es: "Der Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat einen offenen Brandbrief an Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) auf seiner Internetseite veröffentlicht und somit die Debatte um jahrelangen Personalmangel neu angeheizt, wie Focus-Online berichtet.

„Nutzen Sie eine Fahrt im Streifendienst und warten Sie mit zwei Kollegen auf Unterstützung. Lernen Sie das Gefühl, komplett hilflos einer Übermacht ausgesetzt zu sein“, so Erfurter Polizisten gegenüber ihrem Innenminister.

Die Vorstände der Polizeigewerkschaften würden Politiker und vorgesetzte Dienststellen stets auf die dramatischen Auswirkungen des Personalmangels hinweisen, heißt es im Brief weiter. „Aber was ändert sich? Nichts! Vielmehr hat man das Gefühl von Desinteresse“, so die Polizisten.

Die GdP habe außerdem bereits im September 2014 die Landespolitik auf die Notlage aufmerksam gemacht. Allein in Erfurt sei die Zahl der Einsatzzüge halbiert worden. Zudem zögen Verfassungsschutz, Landeskriminalamt und Landespolizeidirektion Polizisten immer öfter aus den Dienststellen vor Ort ab.

Somit könnten die Aufgaben „nur noch durch Mehrbelastung der immer weniger und älter werdenden Kollegen“ erledigt werden. „Lösungen wurden tatsächlich aber nicht gefunden“, wird im Brief ferner behauptet.

Im Stellenplan sind Thüringens GdP-Chef Kai Christ zufolge derzeit 5.800 Vollzugsbeamte vorgesehen. „Im Augenblick fehlen uns aber 200 bis 300 Beamte“. Um der veränderten Sicherheitslage gerecht zu werden, „wären 6000 Beamte eine angemessene Stärke“, so Thüringens GdP-Chef gegenüber Focus-Online.

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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