Grüne und Linke drängen auf Gespräche über Verfassungsrichterwahl
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat den Druck auf Union und SPD im Ringen um die Besetzung der Richterposten am Bundesverfassungsgericht erhöht. "Wir sind sehr verwundert darüber, dass es weiterhin keine Gesprächseinladung von Union und SPD zum Thema Richterwahl gibt", sagte Dröge der "Rheinischen Post".
Anfang September müsse im Bundestag "endlich" eine Wahl stattfinden. "Es
ist verantwortungslos gegenüber dem Bundesverfassungsgericht, wenn CDU
und SPD ihre internen Streitigkeiten nicht geklärt kriegen und die Wahl
immer weiter verschieben", kritisierte die Grünen-Politikerin.
Sie
übte scharfe Kritik an den Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD,
Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD). Spahn habe es bisher "nicht
geschafft, eine Mehrheit in der CDU-Fraktion zu organisieren, für einen
Vorschlag, den er selbst gemacht hat", so Dröge. "Wenn ein
Fraktionsvorsitzender in seiner Fraktion keine Mehrheit für seine
Politik hat, gefährdet er eine Regierung und ist für seine Aufgabe
offensichtlich ungeeignet", sagte sie.
"Dass der
Fraktionsvorsitzende der SPD, Matthias Miersch, öffentlich darüber
philosophiert, dass er Ideen für Namen hat, ohne mit denjenigen zu
sprechen, auf deren Unterstützung er bei einer Wahl angewiesen ist, ist
nicht nur schlechter Stil. Es zeigt zudem auf fatale Weise, dass die
Koalition aus ihren Fehlern des Sommers offensichtlich nicht gelernt
hat", erklärte Dröge. "Diese Koalition taumelt seit Wochen von einer
Krise in die nächste, weil das Regierungshandwerk einfach nicht stimmt."
Die
Sozialdemokraten widersprachen dem Eindruck. "Wir können die
Verwunderung nicht nachvollziehen. Matthias Miersch steht in Kontakt mit
der Grünen-Fraktionsspitze", hieß es aus Kreisen der SPD-Fraktion.
Dröge
erklärte, die Grünen stünden weiterhin zu ihrer Zusage, die beiden
bekannten Verfassungsrichter-Kandidaten gemeinsam mit den anderen
demokratischen Parteien zu wählen. "Für uns ist aber klar: Alle
Kandidaten brauchen demokratische Mehrheiten. CDU und SPD müssen sich
deshalb darum kümmern, diese abzusichern. Es darf keine Situation
entstehen, in der Mehrheiten nur mit der AfD möglich sind. Dafür müssen
sie allerdings über ihren Schatten springen und mit der Linken reden",
so Dröge. "Natürlich werden wir mit Union und SPD auch über eine dritte
Kandidatin sprechen, weil es für unsere Demokratie enorm wichtig ist,
dass das Bundesverfassungsgericht handlungsfähig ist."
Die
innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Clara Bünger,
erhöhte den Druck auf die SPD. Die Partei müsse "endlich dafür sorgen,
dass alle demokratischen Parteien an einen Tisch kommen, um die Wahl
vorzubereiten und weiteren Schaden vom Bundesverfassungsgericht
abzuwenden", sagte Bünger der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). "Das
Bundesverfassungsgericht darf nicht länger zum Spielball
parteipolitischer Manöver werden."
Quelle: dts Nachrichtenagentur