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Geschichte von Vergiftungen: Ein so gewohntes flüssiges Metall

Archivmeldung vom 02.11.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.11.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Quecksilbertropfen in Ampulle
Quecksilbertropfen in Ampulle

Foto: Dnn87
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Quecksilber wird ab 2020 in der ganzen Welt unter Verbot stehen. Eine internationale Vereinbarung, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) vorbereitet, haben bereits 90 Länder unterschrieben. Quecksilber ist ein starkes Toxin, doch wird es bis auf den heutigen Tag in der Industrie weitgehend verwendet. Und aus einem unerklärlichen Grund hat es, laut einem Bericht von Igor Silezkij bei Radio "Stimme Russlands", bis in die jüngste Zeit hinein keine Versuche gegeben, seine Verwendung zu unterbinden.

In dem Bericht heißt es weiter: "Die Konvention, welche das Quecksilber untersagt, heißt das Minamata-Übereinkommen. Seine Vorgeschichte lautet: Die Einwohner der japanischen Stadt Minamata wurden jahrzehntelang Opfer von Vergiftungen durch Quecksilber, das zusammen mit anderen Abfallprodukten von den Betrieben der Chisso Corporation in das Meer geflutet wurde. Das neurologische Syndrom, das sich bei der dortigen Bevölkerung bis auf den heutigen Tag äußert, hat die Bezeichnung „Chisso-Minamata-Krankheit“ bekommen.

Quecksilber ist ein starkes Neurotoxin. Höhere Dosen an Quecksilber können zu ernst zu nehmenden Störungen im Funktionieren des Nervensystems und zu einem Nierenschaden führen. Die Blutbildung wird gestört. Und wenn es sich um eine schwangere Frau handelt, so könnten selbst geringe Quecksilbermengen dem Fötus schaden, unterstreicht Alexej Karnauchow, Experte des Instituts für Biophysik der Zelle der Akademie der Wissenschaften Russlands:

„Es gibt auch akute Quecksilbervergiftungen. Aber die wichtigste Gefahr der Einwirkung auf den menschlichen Organismus besteht in chronischen Auswirkungen durch das Einwirken seiner Dämpfe. Überaus gefährlich ist die Einwirkung auf einen sich entwickelnden Organismus: Während der Schwangerschaft, im Säuglingsalter kann die Entwicklung der kognitiven Funktionen gestört werden. Es sinkt das Niveau des Intellekts, und die Verhaltensreaktionen werden gestört.“

All das ist längst bekannt, nichtsdestoweniger wird Quecksilber umfassend verwendet. Zu seinen Anwendungsbereichen zählen die medizinischen Ausrüstungen (beispielsweise die Thermometer), die energiesparenden elektrischen Lampen, die handwerkliche Goldgewinnung und die Zementproduktion. Eine der Quellen für die Emission des toxischen Metalls in die Atmosphäre sind die Kohlenkraftwerke, die mit Kohle betriebenen Fernheizkraftwerke und Bezirkswärmekraftwerke, die Bunt- und die Eisenmetallurgie. Selbst die kosmetische Industrie kommt ohne Quecksilber nicht aus: Es gehört zur Zusammensetzung der Wimpertusche sowie einiger Arten von Seife und bleichenden Crems. Allerdings sei seine Menge nichtig, behauptet Alexandra Skorobogatova, Exekutivdirektorin der Parfümerie- und Kosmetikassoziation Russlands:

„Quecksilber kann in der Tat in minimalen Mengen in kosmetischen Erzeugnissen enthalten sein. Doch ist sein Gehalt streng reglementiert. Quecksilber ist im Großen und Ganzen in Farbstoffen natürlichen Ursprungs enthalten. Es kann in Haarfarben und in der dekorativen Kosmetik verwendet werden.“

Nichtsdestoweniger sei auch dieses Minimum schädlich, davon ist man in der Weltgesundheitsorganisation überzeugt. Worauf ist denn eine solche Trägheit der Industriellen in einem Fall zurückzuführen, da es um die Gesundheit von Menschen geht? Wie es sich herausstellt, haben die meisten kosmetischen Unternehmen seit langem Alternativprodukte entwickelt, die zwar nicht ganz ungefährlich, jedoch für den Organismus weniger schädlich sind. Das wären beispielsweise die Parabene, Verbindungen, welche Formaldehyd entwickeln. Doch beeilen sich die Produzenten nicht, zu der neuen Formel überzugehen, denn es sei vorteilhafter, Quecksilber zu verwenden, damit verlängert sich die Lebensdauer von Produkten bis zu fünf Jahren.

Gerechtigkeitshalber muss festgestellt werden, dass man in den meisten Ländern, welche das Übereinkommen unterschrieben haben, bereits auf die Verwendung von Quecksilber in kosmetischen Mitteln und Seifen verzichtet hat. Das Problem bleibt nur bei der Wimpertusche und anderen kosmetischen Mitteln für die Augen. Das Verbot bezieht sich auch auf die Thermometer, die Lampen und die Batterien, welche Quecksilber enthalten.

Das Minamat-Übereinkommen ist im Ergebnis von vierjährigen Verhandlungen zustande gekommen. Das Dokument wird nach seiner Ratifizierung durch mindestens 50 Länder zu wirken beginnen und im Jahre 2016 rechtskräftig sein. Bis 2018 wird geplant, die Verwendung von Quecksilber in der Produktion von verschiedenen chemischen Verbindungen zu verbieten. Und bis 2020 wird die industrielle Nutzung von Quecksilber vollständig verboten worden sein.

Was Russland anbelangt, so hat es sich aktiv an der Vorbereitung des Wortlautes des Übereinkommens beteiligt. Im Außenministerium Russlands wurde erklärt, dass Moskau das Dokument am ehesten bis zum Jahresende unterschreiben werde. Die meisten Länder der Europäischen Union und China werden am wahrscheinlichsten noch im Herbst den Vertrag über die Verunreinigung durch Quecksilber ratifizieren. Der Beitritt Indiens aber zum Übereinkommen bleibt einstweilen fraglich."

Quelle: Text Igor Silezkij - „Stimme Russlands"

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