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Golfkriegs-Syndrom: Schaltkreise im Gehirn gestört

Archivmeldung vom 23.03.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.03.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Golfkrieg: Syndrom schädigt tatsächlich Gehirn. Bild: Bill Gentile/AP
Golfkrieg: Syndrom schädigt tatsächlich Gehirn. Bild: Bill Gentile/AP

Rund ein Drittel der Veteranen des Golfkrieges, rund 250.000 Personen, leiden unter dem Golfkriegs-Syndrom: Schmerzen, Erschöpfung und kognitive Probleme sind die Folge. Eine Studie der Georgetown University hat nachgewiesen, dass es zu einzigartigen Veränderungen der Schaltkreise im Gehirn gekommen zu sein scheint. Die Ergebnisse entsprechen dem Konsens, dass es sich beim Syndrom um eine körperliche und nicht um eine psychosomatische Erkrankung handelt und daher mit Schmerzmitteln behandelt werden sollte.

Das Militär verschiedener Länder hat in der Vergangenheit konsisent geleugnet, dass es eine körperliche Grundlage für das Golfkriegs-Syndrom gibt. Das U.S. Department of Veterans Affairs (VA) akzeptiert jetzt zwar offiziell, dass diese Krankheit körperliche Ursachen hat. Das Thema an sich wurde jedoch immer wieder kontrovers diskutiert. Vor kurzem beschuldigte ein ehemaliger Mitarbeiter das VA, Forschungsdaten unterdrückt und manipuliert zu haben, um den Eindruck zu erwecken, dass diese Krankheit psychosomatische Ursachen hat.

Was auch immer die Ursache des Golfkriegs-Syndroms ist, sie ist sicher nicht psychologisch, betont Bernard Rosof vom Huntington Hospital http://huntingtonhospital.com . Diese Krankheit kann derzeit nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Zu den möglichen Auslösern gehören der Kontakt mit Sarin und das Medikament Pyridostigminbromid, das die Soldaten zum Schutz gegen das Gas erhalten hatten. Laut James Baraniuk von der Georgetown University ist es wichtig, einen objektiven Test für die Diagnose dieser Krankheit zu finden.

Diffusions-Tensor-Imaging gibt Aufschluss

Baraniuk hat gemeinsam mit seinem Kollegen Rakib Rayhan 31 Kriegsveteranen mit Golfkriegs-Syndrom untersucht. Sie scannten die Gehirne mittels Diffusions-Tensor-Imaging, das die Nervenbündel sichtbar macht, die die Gehirnregionen miteinander verbinden. Das Team verglich diese Scans mit jenen von 20 Veteranen, die nicht im Golfkrieg waren. Die Bilder legen nahe, dass es beim Golfkriegs-Syndrom zu einem Abbau dieser Nervenbündel und daher zu Schwierigkeiten bei der Bildung von Verbindungen kommt. Dieses Phänomen wurde bisher mit keiner anderen Erkrankung in Zusammenhang gebracht. Vielmehr sind somit Schaltkreise des Gehirns und nicht bestimmte Areale gestört.

Die Patienten mit den schlimmsten Symptomen wiesen auch die deutlichsten Anomalien in der weißen Substanz des Gehirns auf. Die geschädigten Bereiche befanden sich in den Fasern, die schmerzregistrierende Nerven mit den Teilen des Gehirns verbanden, die für die Interpretation von Schmerz verantwortlich sind. Zusätzlich war auch der Bereich betroffen, der es Menschen ermöglicht, ihre Konzentration als Reaktion auf einen Reiz von außen zu durchbrechen. Dieses Ergebnis stimmt mit der Beobachtung überein, dass die Kriegsveteranen leicht abgelenkt werden und Probleme bei der Bildung von Erinnerungen zu haben scheinen.

Weitere Tests zur Schmerzdiagnose angedacht

Da die Anzahl der Studienteilnehmer gering ist, kann laut Baraniuk derzeit noch keine klare Unterscheidung zwischen einem betroffenen und einem normalen Gehirn gemacht werden. Der Wissenschaftler plant in einem nächsten Schritt, Scans von Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom oder mit Fibromyalgie, die durch starke Schmerzen charakterisiert ist, zu untersuchen, berichtet New Scientist. Bei beiden Krankheiten gibt es in den Symptomen Übereinstimmungen mit dem Golfkriegs-Syndrom. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden in PLoS One veröffentlicht.

Quelle: www.pressetext.com/Michaela Monschein

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