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Liebe geht DOCH durch den Magen: Rüben und Revolutionen

Archivmeldung vom 26.10.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.10.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Grafik: Herbert Jost-Hof
Grafik: Herbert Jost-Hof

Es gibt so viele Dinge, die man nicht mag, wenn man ein Kind ist und so viele Fragen, die man nicht stellt, wenn man es tun sollte … denn irgendwann ist die Zeit dafür vorbei.

Du hast Dich entschieden: Rote Beete sollen es sein. Das ist „rübig“ genug und es ist gesund … was Dich nie zuvor interessiert hat. Das tut es eigentlich auch jetzt nicht. Das ist nicht der Grund, warum Du sie kaufen und warum Du sie essen willst. Aber es wäre eine Erklärung, wenn Dich jemand fragen sollte … Aber dann: wer sollte das tun? Und selbst wenn (obwohl es sehr, SEHR UNwahrscheinlich ist) … Du bist niemandem Rechenschaft schuldig.

Während Du darüber nachdenkst, hörst Du in Deinem Kopf ihre Stimme: Komm', probier's doch mal.

Da ist kein Bild, keine konkrete Erinnerung. Vermutlich hat sie versucht, Dir die Roten Beete auf diese Weise schmackhaft zu machen, irgendwann in Deiner Kindheit. Wenn es so war (was nun tatsächlich sehr, SEHR wahrscheinlich ist), dann ist sie damit gescheitert. Wie mit so vielen anderen Dingen, die Du essen solltest aber nicht wolltest.

Sie hat Dich nie gezwungen. Im Gegenteil: Sie hat Dir nicht nur Extra-Würste zubereitet, sondern auch Extra-Salate. Kartoffelsalat zum Beispiel. Sie hatte die Angewohnheit, ihn mit Essig und Öl anzumachen. Das brachte die Kartoffelscheiben zum Glänzen, wenn sie kalt waren. Was Du nun ÜBERHAUPT NICHT mochtest. Also hat sie speziell für Dich ein paar Kartoffeln zurückbehalten und sie warm angemacht – kein Glanz …

Du bist so dumm gewesen, hast wirklich geglaubt, so viel besser zu wissen. Sie war darüber nie wirklich betroffen gewesen. Es war nie ihre Art gewesen, aufzubegehren. Sie hatte ihr fremdes, stilles Leben gelebt. Immer aktiv, nie ruhig, aber meist ohne Aufregung.
Wenn Du heute darüber nachdenkst, hast Du keine Ahnung, wie sie das geschafft hat. Man hatte es ihr wirklich nicht leicht gemacht.
Man …? - Wer immer das auch war, Du hattest dazugehört, zumindest für einige Zeit.

Das war, als Du in den Startlöchern gesessen hattest für die Revolution, die dann dummerweise nicht gekommen war.
Irgendwie hatte sie Dich zur falschen Zeit geboren. Du warst zu jung gewesen für die Studentenrevolten und dann irgendwie schon zu müde für die Friedensbewegung. So hattest Du jegliche Chance verpasst, anderen von einer „guten alten Zeit“ vorzuschwärmen und so zu tun, als hättest Du um ein Haar das Proletariat, die Soja-Tierchen oder irgendwen sonst befreit.

Damals, als Du noch glaubtest, am richtigen Bahnhof zu stehen, um in jedem Fall auf den Zug der Befreiung aufspringen zu können (egal auf welchen, eben den nächsten, der vorbeikommen würde), da hattest Du über sie den Kopf geschüttelt. Wie konnte man so existieren? Arbeiten und nur seine Ruhe haben wollen, nur verheiratet sein wollen, Mann und Kinder versorgen … Kinder wie Dich, die dann doch nicht aßen, was ihnen angeboten wurde. Unbegreiflich! - Ganz und gar unbegreiflich …!

Das ist alles lange her. Ein paar Dinge hast Du inzwischen nicht nur begriffen, sondern selbst erlebt. Du würdest sie heute so gern fragen, würdest gern so viele Dinge von ihr wissen, würdest so gern verstehen. Doch dazu ist es nun zu spät.
Und deshalb wirst Du Dir Rote Beete kaufen und sie essen. Weil sie es Dir gesagt hatte, vor langer Zeit, dass Du sie doch einmal … wenigstens einmal … probieren solltest.

Es ändert nichts. Du wirst dadurch keine Antworten bekommen außer einer: Du wirst wissen, wie Rote Beete schmecken und Du wirst entscheiden können, ob Du sie magst oder nicht.
Es kommt Dir vor, als hätte sie das immer gewollt. Vielleicht war das so. Oder sie wollte nur, dass Du sie isst, weil sie eben doch irgendwie gesund sind.
Es spielt keine Rolle mehr. Du kannst sie nicht mehr fragen. Nichts mehr. Nie mehr.

So ist das immerhin eine Art, ihr nahe zu sein und ihr, wenn auch sehr spät und auf sehr seltsame Art zu zeigen, dass Du sie ernst nimmst. Wenn Sie das gesagt hat, wirst Du es tun.

Du schüttelst den Kopf. Es ist dumm, denkst Du, es ist albern.
Aber dann hörst Du ihre Stimme sagen: Es macht doch nichts. Es ist doch nicht zu spät. Das ist es nie ...

Text von Herbert Jost-Hof

Passend zur Kolumne von Herbert Jost-Hof folgen hier nun zwei Rezepte, eines davon vegetarisch.

Rote Bete - Auflauf

Rezept für 2 Portionen
Zutaten

4 Rote Bete
1 Semmel(n), vom Vortag
1 Zwiebel(n)
200 g Hackfleisch
4 EL Schmand
100 ml Gemüsebrühe
2 EL Mehl
5 EL Käse, gerieben
Meersalz
schwarzer Pfeffer
Kümmel

Zubereitung:

Die Rote Bete in reichlich Salzwasser ca. 20 min. garen, schälen und in Scheiben schneiden. Wer will kann mit Handschuhen arbeiten, da die Rote Bete abfärbt.
Semmel in Wasser oder Milch einweichen, abtropfen lassen und gut ausdrücken. Zwiebel fein hacken, mit Semmel und Hackfleisch vermengen und mit Meersalz, schwarzem Pfeffer und Kümmel würzen. Rote Bete-Scheiben und Hackfleischmasse abwechselnd in eine Auflaufform schichten. Schmand, Gemüsebrühe und Mehl verrühren, mit Meersalz und schwarzem Pfefferr abschmecken und über dem Auflauf verteilen. Käse darüber streuen. Anschließend im vorgeheizten Backofen bei 180° ca. 20 min. garen.

Arbeitszeit: ca. 25 Min.

Rote Bete Lasagne mit Schafskäse und Honig

Rezept für 4 Portionen
Zutaten

2 Knollen Rote Bete, frische
2 Pck. echter Schafskäse
1 Handvoll Kräuter, frische, gemischt (Thymian, Majoran, Estragon und/oder Rosmarin)
4 EL Honig
5 EL Olivenöl, gutes

Zubereitung:

Die Roten Bete schälen und in ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Eine backofenfeste Form mit der ersten, geschälten Roten Bete auslegen und darauf eine Packung Schafskäse bröseln. Darauf ein wenig Honig und die Kräuter verteilen. Dann die zweite Rote Bete darauf schichten, darauf dann den restlichen Schafskäse verteilen, dann noch mal Honig und Kräuter darüber verteilen. Zum Schluss Olivenöl drüber träufeln und für 30 Min. in den Ofen bei 200 Grad (Ober-/ Unterhitze). Wer will, kann am Ende noch mal die Grillfunktion vom Backofen einschalten.

Arbeitszeit: ca. 20 Min.

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