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Phänomen Younow: Neue Gefahr oder Online-Abbild der Realität?

Archivmeldung vom 20.08.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.08.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Screenshot Twitter-Account
Bild: Screenshot Twitter-Account

Younow ist ein Steamingportal, das vor allem junge Menschen nutzen. Dort werden nicht nur oft die Grenzen des Anstands übertreten, auch Pädophile nutzen diese Plattform aktiv zum Leidwesen von Eltern. Ein Younow-Kritiker und eine Medienpsychologin äußerten sich zur Problematik im Sputnikinterview.

Auf Younow kann jeder aufnehmen und streamen, was er möchte. Ihm winkt dafür die Aufmerksamkeit eines Publikums, ausgedrückt in Followern und Likes. Dafür ist vielen jedes Mittel recht. Sputnik-Korrespondent Valentin Raskatov hat sich mit dem Younow-Kritiker Rudolph Freshokowski sowie der Medienpsychologin Dr. Astrid Carolus darüber unterhalten, wann Younow problematisch wird.

Das Angebot von Younow erklärt Younow-Kritiker Rudolph Freshokowski mit den einfachen Worten: „Das grundsätzliche Angebot ist, dass sich die Leute vor die Kamera setzen und dann die Streamer auffordern, dass diese gern eine Frage stellen können. Die wissen nämlich selber nicht wirklich, was sie machen möchten. Dann gibt's einzelne Leute, die probieren auch Sketches oder Musik zu machen. Aber die künstlerische Schiene ist da eher in der Minderheit.“

Unter den Hobbystreamern gibt es aber auch solche, die mit Younow zusammenarbeiten und Partner genannt werden.  „Es gibt keine direkten Voraussetzungen, um ein Partner zu werden“, erklärt der Younow-Kritiker. „Man stellt einfach nur eine Anfrage an Younow selbst. Kriterien von der Seite sind aber, dass man eine sehr hohe Reichweite hat, dass man bereits im Vorfeld eine gewisse Internetberühmtheit hat, zum Beispiel bei Youtube oder ähnlichen Plattformen. Ansonsten wird immer gefordert, dass die Leute eine Zuschauerschaft haben von einigen Hundert Leuten, die sie konstant halten können. Das Alter egal, es gibt auch viele minderjährige Partner. Und auch das Angebot, das sie schaffen, ist unerheblich.“

Die Medienpsychologin Astrid Carolus sieht den Zweck von Younow weniger streng, indem sie sagt: „Wir sehen im Moment, dass es sehr vielen Menschen sehr wichtig ist, sich zu präsentieren. Das machen wir auch offline: Wenn wir auf die Straße gehen, dann haben wir uns vorher überlegt, was wir uns anziehen, dann muss es eine coole Hose sein, diese oder jene Marke, Haarstil, Schuhe und so weiter. Dieses Selbstdarstellungsding, das kennen wir von Menschen zu jeder Zeit, sowohl offline als auch online. Und online gibt es jetzt einen ganz großen Vorteil, denn online kann ich mir schön überlegen, wie ich mich präsentieren will. Beispielsweise auf Facebook: Welches Bild will ich denn von mir nehmen? Welche Fotos lade ich hoch? Kann ich mich so inszenieren, wie ich das gerne hätte? Wenn das alles nicht funktioniert, kann ich es wieder löschen und neu machen. Das heißt, die Social-Media-Welt bietet unserem Selbstdarstellungstrieb eine perfekte Plattform."

Dass das nicht unproblematisch ist, zeigt der Fall des Partners ErciiTV, der ein minderjähriges Mädchen dazu aufforderte, sich vor laufender Kamera auszuziehen:

Als dieses Ereignis bekannt wurde, erfolgte keine Stellungnahme von Younow, lediglich der Partner löschte sich selbst von der Seite. „Es wird in typischer Younow-Manier das Thema totgeschwiegen“, sagt Freshokowski dazu.

Dass es sich nicht immer um Zwang und Bloßstellung handeln muss, zeigt ein anderer Partner. „Es gibt eine andere Partnerin, die nennt sich Katja Krasavice. Die ist auch auf Youtube sehr berühmt geworden, die nennt sich selber die größte Schlampe Deutschlands, vertreibt dort auch teilweise sexuelle Inhalte und das tut sie auch auf Younow.“ Und da liegt für Freshokowski der Kern des Problems. „Die Seite ist ja ab 13 Jahren freigegeben. An der Stelle sieht man, dass die Seite eher an Zuschauerzahlen interessiert ist als an einem kindgerechten Angebot.“

Am bedenklichsten sind aber Fälle von Pädophilie. „Besonders auffällig ist es gerade in den Morgenstunden, wenn zum Beispiel Kinder vor der Schule nochmal die Kamera anwerfen müssen, um zu zeigen, wie sie sich etwa kurz für die Schule fertig machen. Da fällt einem im Chat auf: Es gucken 60 Leute zu und drei reden mit ihr. Und der Rest ist einfach nur schweigender Zuschauer. Und die dort mit ihr in Kontakt treten, lassen auch manchmal eindeutige Spitzen fallen. Zum Beispiel die Frage, ob derjenige überhaupt schon mal Verkehr hatte oder Ähnliches. Und, was auch sehr gerne genommen wird von den Leuten, denen ich Pädophilie unterstelle: Dass sie zum Beispiel eindeutige Posen erbitten dadurch, dass sie etwa irgendwelche Übungen machen sollten. Fragen wie: Kannst du einen Handstand machen? Sodass sich dann das lockere T-Shirt nach oben bewegt“, kommentiert Rudolph Freshokowski.

Die Medienpsychologin sieht keine Steigerung solcher Tendenzen durch die Plattform, es gebe ihrer Ansicht nach vielmehr den Vorteil der Dokumentation. „Wir haben in der Onlinewelt ein Abbild dessen, was wir auch in der Offlinewelt erleben. Alle die Probleme wie Hatespeech und Pädosexualität finden wir auch offline. Die Onlineproblematik hat insofern einen Vorteil, als dass es dort dokumentiert wird. Wir können das auf Facebook nachlesen oder auf Younow Video und Chat mitschneiden. Das heißt es ist grundsätzlich leichter nachzuvollziehen als in der realen Welt, wo vielleicht gar keine Zeugen sind. Und jetzt tappen wir manchmal so in die Falle, dass wir denken: Bei Younow ist irgendeine schlimme Sache passiert! Wir vergessen, dass das wahrscheinlich parallel auch offline passiert, nur dort nicht dokumentiert und damit nicht nachvollziehbar wird.“

Problematisch sieht die Kontaktaufnahme über Younow aber auch Carolus: „Was wir online haben, ist insofern eine besondere Situation, als dass Täter dort aus einer Anonymität heraus agieren können. Das heißt, sie können Jugendliche oder Kinder einfach so anschreiben, ohne dass das jetzt zum Beispiel Eltern oder Erwachsene mitbekommen. Und dadurch entstehen Räume, die für Kinder sehr ungeschützt sind. Ich würde nicht sagen, dass dadurch Themen wie Pädosexualität dort gesteigert werden – dafür haben wir keine Zahlen, die so etwas irgendwie anzeigen –, aber wir haben dort eine weitere Spielwiese für all diese Dinge, die fatalerweise durch Erwachsene, durch Eltern immer nicht so richtig im Blickpunkt sind und die auch die Betreiber beispielsweise jetzt hier von Younow nicht wirklich im Griff haben."

Die Lösung liegt nach Freshokowskis und Carolus‘ Ansicht in der Hebung des Alters von 13 auf 18 Jahre. Zudem wünscht sich der Younow-Kritiker den Einsatz von mehr Moderatoren: „Im Moment sind es drei oder vier Moderatoren und die arbeiten auch auf ehrenamtlicher Basis, sodass die auch ein kleines Zeitfenster haben und dadurch überhaupt nicht diese Masse an Leuten, die diese Seite nutzen, überblicken können. Das ist auch für die ein Kampf gegen Windmühlen. Zumal auch von den Moderatoren selbst vieles bagatellisiert wird.“ Unter solchen Bedingungen könnte in der Tat die Dokumentation, von der Carolus spricht, nicht in jedem Fall gegeben sein.

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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