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Antike Schreibmaschine lässt Nutzer chatten

Archivmeldung vom 21.10.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.10.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Schreibmaschine "Dico": Look alt, Funktionalität neu. Bild: asmarterplanet.com
Schreibmaschine "Dico": Look alt, Funktionalität neu. Bild: asmarterplanet.com

Der britische Student Joe Hounsham, Absolvent des Studiengangs Digital Art and Technology an der Plymouth University, hat eine Schreibmaschine aus den 1930er-Jahren so umgebaut, dass Nutzer damit online mit zufällig ausgewählten Partnern chatten können. Die Nachrichten des Chat-Partners bringt der Umbau "Dico" mangels Bildschirm ganz klassisch zu Papier. Mit dem von IBM ausgezeichneten Projekt wollte Hounsham aber nicht nur dem altmodischen Gerät neues Leben einhauchen, sondern auch das Problem der Datensicherheit ins Rampenlicht rücken - weshalb die Schreibmaschine zufällig ausgewählte Nachrichten verschlüsselt.

Von außen sieht Dico immer noch wie eine alte Schreibmaschine aus, doch im Inneren steckt viel moderne Technik. Dadurch kann die Schreibmaschine unter anderem erkennen, ob sich jemand nähert und schon vorsorglich nach einem Chat-Partner suchen. Die Auswahl erfolgt dabei zufällig, was nicht ganz ideal ist. "Das setzt Nutzer manchmal Menschen aus, die unhöflich sind oder sich nicht unterhalten wollen", meint Hounsham gegenüber pressetext. "Aber man könnte sagen, das ist einfach, wie sich Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität im Internet verhalten." Eigentlich soll Dico freilich auf ein anderes Problem aufmerksam machen: das der Online-Sicherheit.

Chatten mit Codebuch

An sich sorgt die Elektronik in Dico dafür, dass sich die Tasten der Schreibmaschine bewegen und auf einem Blatt Papier tippen, was der Chat-Partner von sich gibt. Doch manchmal fängt das System eine Nachricht ab und verschlüsselt sie erst. Dann muss der Nutzer zu einem Codebuch greifen, um den Inhalt in der analogen Welt wieder zu entschlüsseln. Das soll Hounsham zufolge die Frage aufwerfen, wie Daten in der digitalen Welt gesichert werden - immerhin hatte seine Dissertation mit IT-Sicherheit zu tun. Bei Schreibmaschinen-Chattern soll letztlich ein größeres Problembewusstsein entstehen.

Das Projekt, eine alte Schreibmaschine in ein Werkzeug moderner Online-Interaktion zu verwandeln, ist in seinem Kern vor allem ein technisches. Ein Herzstück von Dico ist dabei ein Arduino-Mikrocontroller http://arduino.cc , der die Tastenbewegungen der Schreibmaschine steuert. Das Erkennen sich nähernder Nutzer wiederum erfolgt mittels Ultraschall-Sensor. Für die Chat-Schreibmaschine hat Hounsham einen IBM Smarter Planet Award erhalten, der Konzern das Projekt in seinem "A Smarter Planet"-Blog (http://asmarterplanet.com) vorgestellt. "Ich würde das gerne weiterentwickeln, vielleicht eine zweite bauen, damit sie sich den ganzen Tag lang unterhalten können", meint er nun.

Endlose Möglichkeiten

Im Prinzip bietet die 1930er-Schreibmaschine mit Hightech-Innenleben schier unbegrenzte Möglichkeiten. Denkbar wäre beispielsweise, dass sie jeden Morgen aktuelle Nachrichten zu Papier bringt oder einem digitalen Gästebuch Retro-Charme verleiht. Auch ein Steuerung intelligenter Beleuchtungssysteme durch getippte Worte ist vorstellbar. Auch beim Chatten selbst ist Hounsham zufolge noch Luft nach oben. "Ich denke, den Chat-Partner beispielsweise nach Interessengebiet gezielt auswählbar zu machen, würde sicher sinnvolle Unterhaltungen bedeuten", betont er gegenüber pressetext.

Quelle: www.pressetext.com/Thomas Pichler

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