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Wirtschaftsforschungsinstitut: Lücke beim Kita-Ausbau lässt sich nicht rechtzeitig schließen

Archivmeldung vom 07.11.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.11.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Martin Berk / pixelio.de
Bild: Martin Berk / pixelio.de

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht keine Chance, die große Lücke beim Ausbau der Kinderbetreuungsplätze rechtzeitig zu schließen, um wie verabredet bis August 2013 Betreuungsangebote für 780.000 Ein- und Zweijährige zu schaffen. "Insbesondere in Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen westdeutschen Bundesländern besteht erheblicher Nachholbedarf, der in einem Jahr kaum zu erfüllen sein dürfte", sagte der stellvertretende Leiter des Bereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik beim IW, Axel Plünnecke, "Handelsblatt-Online".

Plünnecke sieht den Staat in der Pflicht, das Problem zu lösen. Er wandte sich damit zugleich gegen einen Vorschlag des Städte- und Gemeindebunds. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg hatte im Gespräch mit "Handelsblatt-Online" angeregt, bei der Kinderbetreuung die Wirtschaft stärker einzubinden. Dazu gehöre der Ausbau bestehender Betriebskindergärten. "Zusätzlich sollten sich aber auch kleinere Unternehmen zusammentun und Tagesmütter oder Erzieherinnen fest anstellen", sagte Landsberg. "So können sie für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Betreuung organisieren, ohne eine eigene Einrichtung unterhalten zu müssen." Plünnecke sagte dazu: "Ordnungspolitisch ist der Kita-Ausbau eine öffentliche Aufgabe, da die frühkindliche Förderung ein öffentliches Gut ist." Einzelne Unternehmen engagierten sich zwar in diesem Bereich. "Jedoch kann es sich dabei nicht um einen systematischen Beitrag zur flächendeckenden Absicherung des Rechtsanspruchs handeln." Plünnecke hob hervor, dass sich insbesondere für die öffentliche Hand Investitionen in die frühkindliche Infrastruktur rechneten. "So können zum Beispiel Alleinerziehende ihre Erwerbswünsche realisieren, dadurch steigen die Einnahmen der öffentlichen Hand und Sozialausgaben können vermieden werden", sagte und fügte mit Blick auf die Wirtschaft hinzu: "Kleine und mittlere Unternehmen profitieren hingegen nicht systematisch vom eigenen Angebot an Kita-Plätzen."

Arbeitgeber weisen Verantwortung für Kinderbetreuung zurück

Die Wirtschaft hat die Forderung der Kommunen, sich stärker am Ausbau der Kinderbetreuung zu beteiligen, scharf zurückgewiesen: "Unternehmen können nicht Ausputzer für Bund, Länder und Kommunen sein", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem "Handelsblatt". Auch Christina Ramb von den Arbeitgebern bekräftigte: "Es darf nicht sein, dass die Verantwortung für Kinderbetreuung auf Unternehmen verlagert wird, das ist Kernaufgabe des Staates." Dennoch hat sich die Zahl der Betriebskitas - im Betrieb selbst oder in dessen Auftrag - seit dem Krippengipfel im Jahr 2007 auf niedrigem Niveau fast verdoppelt: aktuell gibt es 586 Betriebskitas, im Jahr 2007 waren es erst 307, sagten die Statistiker dem "Handelsblatt". Das sind knapp zwei Prozent der insgesamt 52.000 Kitas in Deutschland. Um den Ausbau weiter zu fördern, "muss die Politik bürokratische Hürden für Betriebskitas beseitigen", forderte Driftmann.

Nach einer Umfrage des DIHK helfen schon heute 30 Prozent der Unternehmen ab 20 Mitarbeiter organisatorisch bei der Kinderbetreuung - mit Betriebskita, Belegplätzen außerhalb oder auch einer eigenen Tagesmutter. Vor allem Konzerne wie Henkel, Siemens oder Daimler haben eigene Kindergärten eingerichtet. Zur Selbsthilfe greifen auch Mittelständler wie Weleda, Voith Heidenheim hat eine eigene Villa zum Kinderhaus umgebaut und beteiligt sich an einer kommunalen Einrichtung. Neun von zehn Betrieben erwarten jedoch vom Staat rasche Abhilfe insbesondere für unter Dreijährige, mahnte Driftmann mit Blick auf die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach noch 220.000 Plätze fehlen.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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