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Schuldenbarometer: Trotz Finanzkrise weniger Privatinsolvenzen

Archivmeldung vom 24.02.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.02.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Oliver Randak

Wenn man als Mann zwischen 26 und 60 Jahre alt ist und dazu noch in Bremen wohnt, ist man statistisch gesehen sehr nahe an einer Privatinsolvenz. Mit 236 Insolvenzen pro 100.000 Einwohnern führt das kleinste Bundesland die Tabelle an.

Männer zwischen 26 und 60 Jahren, die in Bremen leben, sind statistisch gesehen am häufigsten von privater Insolvenz betroffen. So lautet ein Ergebnis der aktuellen Studie „Schuldenbarometer 2008“ der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG Hamburg, die die Insolvenzentwicklung von Privatpersonen analysiert. Es zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Insgesamt meldeten 2008 120.289 Bundesbürger Privatinsolvenz an, das sind 146 auf 100.000 Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 12,2 Prozent. Allerdings fällt die Zahl der Verbraucherinsolvenzen je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus: Am häufigsten nahmen im Jahr 2008 Verbraucher aus Bremen das Insolvenzgericht in Anspruch, nämlich 236 je 100.000 Einwohner, am seltensten die Saarländer mit 93 Fällen je 100.000 Einwohner. Gut stehen auch die Verbraucher in den beiden südlichsten Bundesländern da. So meldet Baden-Württemberg 109 und Bayern 111 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner.

Besonders stark sind die Altersgruppen der 36- bis 45-Jährigen (33,05 Prozent/39.751) sowie der 46- bis 60-Jährigen (32,16 Prozent/38.688) von Verbraucherinsolvenzen betroffen. Mit steigendem Alter sinkt dann das Risiko, in die Privatinsolvenz zu geraten. So waren 2008 nur 8,8 Prozent aller insolventen Bundesbürger älter als 60 Jahre. Das liegt zum einen daran, dass Ältere erfahrener im Umgang mit Geld sind und mehr Zeit gehabt haben, Ersparnisse anzulegen. Zum anderen haben sie nicht mehr so hohe Kosten: Kredite sind abbezahlt und die Kinder in der Regel aus dem Haus.

Außerdem gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Knapp 60 Prozent aller Bundesbürger, die Privatinsolvenz anmelden, sind männlich. Dass Männer häufiger von Verbraucherinsolvenz betroffen sind, gilt für alle Altersgruppen – mit einer Ausnahme: Nur bei den unter 25-Jährigen ist die Anzahl der insolventen weiblichen Privatpersonen (55 Prozent/2.889) höher als die der männlichen.

Für 2009 ist nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL, Tochter der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG (Allianz Group) und der KG EOS Holding GmbH & Co. KG (Otto Group), eine Zunahme der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland zu erwarten. Auf mehr als 140.000 Fälle (plus 17 Prozent) könnte ihre Zahl ansteigen, so BÜRGEL. Diese Prognose basiert unter anderem auf dem Anstieg der Arbeitslosenquote in den letzten Monaten (Nov. 2008: 7,1 %, Dez. 2008: 7,4 %, Jan. 2009: 8,3 %. Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Finanz- und Wirtschaftskrise wird bei vielen Unternehmen zu Liquiditätsengpässen und Pleiten führen und somit zu einer deutlich steigenden Arbeitslosenzahl. Da Arbeitslosigkeit und auch Kurzarbeit zwangsläufig eine Verringerung des Einkommens zur Folge haben, wird hierin der Hauptauslöser für die Überschuldung von Privatpersonen im Jahr 2009 zu sehen sein.
Nach wie vor maßgeblich für private Schulden sind vorübergehende Liquiditätsengpässe und laufende Ratenkredite. Ein Grund für den prognostizierten Anstieg der Privatinsolvenzen ist laut BÜRGEL daher auch, dass es wesentlich schwieriger geworden ist, von Banken einen neuen Kredit zu bekommen: Bei den Sicherheiten werden strengere Maßstäbe angelegt als in den Jahren zuvor. 
Daneben bleiben die typischen Ursachen von privater Insolvenz bestehen: Veränderungen im persönlichen Umfeld durch Trennung, Scheidung oder den Tod der Partnerin bzw. des Partners, Erkrankungen, Unfälle sowie das Scheitern der Selbstständigkeit. Verbindlichkeiten der Verbraucher wie Miet- und Energiekosten, Telekommunikationskosten, Konsumkosten durch Raten- oder Kreditkartenkäufe, Unterhaltsverpflichtungen, Immobilienfinanzierungen und Rückforderungen vom Finanzamt erhöhen das Risiko der Privatinsolvenz zusätzlich. Summieren sich derartige Verpflichtungen oder kommt sogar noch Arbeitslosigkeit dazu, geraten Verbraucher schnell in eine finanzielle Schieflage. Dann bleibt häufig nur noch die Anmeldung der Verbraucherinsolvenz.

Doch dieser Schritt kommt nicht über Nacht. Frühindikatoren für Verbraucherinsolvenzen sind vor allem die eidesstattliche Versicherung und die Haftanordnung. Beantragt ein privater Schuldner die Insolvenz, hat er in der Regel mindestens eine dieser Maßnahmen schon durchlaufen. Auch die Frühindikatoren für eine drohende Privatinsolvenz waren auf Gesamtjahressicht 2008 rückläufig. So ging die Häufigkeit der eidesstattlichen Versicherung von 958.895 auf 826.475 zurück (minus 13,9 Prozent) und die Zahl der Haftanordnungen verringerte sich von 538.308 auf 504.674. Dies entspricht einem Minus von 6 Prozent. Für 2009 ist nach der Einschätzung von BÜRGEL hingegen ein Anstieg dieser Frühindikatoren zu erwarten.


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