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BDI-Chef kritisiert Sympathie der Wirtschaft für Russland und China

Archivmeldung vom 04.04.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.04.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Ulrich Grillo, BDI-Präsident, Berlin 2013
Ulrich Grillo, BDI-Präsident, Berlin 2013

Foto: RudolfSimon
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Industriepräsident Ulrich Grillo übt in einem internen Brief an rund 1000 Unternehmens- und Verbandsvertreter überraschende Selbstkritik. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) forderte die Unternehmensvertreter auf, nicht länger Sympathiebekundungen für Regime wie China oder Russland zu zeigen, berichtet die Zeitung "Die Welt". "Signale aus der deutschen Wirtschaft, dass das Verhalten der russischen Wirtschaft nachvollziehbar oder gar gerechtfertigt sei, trafen definitiv nichts zur Konfliktlösung oder gar zur Wiederherstellung der europäischen Friedensordnung bei", schrieb Grillo in dem Brief.

Die Positionierung der deutschen Wirtschaft in kritischen außenpolitischen Fragen sei schon immer ein wichtiger Faktor für die deutschen Außenbeziehungen gewesen. "Auch wir müssen unseren Beitrag zur Stabilisierung der internationalen Ordnung leisten", schrieb Grillo mit Blick auf die Rolle der Wirtschaft. Besonders im Konflikt mit Russland hätten betriebswirtschaftliche Erwägungen hinter Wirtschaftssanktionen auf Völkerrechtsverstöße "zurückzustehen".

Auch im Umgang mit China mahnte Grillo die Wirtschaft zu mehr Zurückhaltung. Zwar könne er verstehen, wenn man beeindruckt sei von der Schnelligkeit der chinesischen Regierung. "Wer aber Fünf-Jahres-Pläne und planwirtschaftliche Eingriffe lobt, muss sich bewusst sein, dass diese im Widerspruch zu Prinzipien stehen, auf deren Fundament unsere marktwirtschaftliche Ordnung aufbaut". Die deutschen Wirtschaftsvertreter müssten sich der "Signale bewusst sein, die sie aussenden". Statt Sympathien mit China oder Russland zu zeigen, müssten die deutschen Unternehmen einen stärkeren Beitrag zur Stabilisierung der EU und der transatlantischen Beziehungen leisten und dies als "wichtigen Auftrag begreifen". Es wäre "gefährlich, wenn die Unterstützung für die Euro-Zone in ihrer bestehenden Form besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen bröckeln würde", warnt Grillo.

Auch sei es wichtig, mit dem geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA (TTIP) die Position für das anstehende Aushandeln globaler Standards zu verbessern. "Unsere Unternehmer müssen Standardsetzer bleiben. Sie dürfen nicht zum Standardnehmer absteigen", so Grillo weiter. Der Verbandschef fordert die Wirtschaftsvertreter daher auf, sich stärker in globalen Wirtschaftsforen und Verbünden zu engagieren.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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