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Sprachwissenschaftler: Aramäisch auch in Europa erhalten

Archivmeldung vom 20.02.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.02.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Verzierte syrisch-aramäische Handschrift aus der Sammlung des Katharinenklosters am Sinai
Verzierte syrisch-aramäische Handschrift aus der Sammlung des Katharinenklosters am Sinai

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Leiter des Lehrstuhls für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg, Werner Arnold, fordert, aramäische Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland an einem Ort anzusiedeln. "Ich appelliere an den Staat, dafür zu sorgen, dass Sprachen wie das Aramäische auch in Europa erhalten werden", sagte der Wissenschaftler in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Und das gelingt am besten, wenn man die Aramäer nicht auseinanderreißt."

Das Schicksal vom Aussterben bedrohter Sprachen steht auch im Mittelpunkt des von der Unesco im Jahr 2000 eingeführten Welttages der Muttersprachen am 21. Februar.

Er habe durchaus Verständnis für die Strategie, andere Flüchtlinge im Sinne einer besseren Integration im Lande zu verteilen, betonte Arnold, der Leiter der Abteilung für Semitistik an der Universität Heidelberg ist. Beim Aramäischen gehe es aber darum, eine gefährdete Sprache zu erhalten, die im Orient keine Überlebenschance mehr habe. "Die Politik hat gegenüber dem Aramäischen eine ganz andere Verantwortung als zum Beispiel gegenüber dem Arabischen", betonte Arnold.

Arnold kritisierte auch, dass es in Deutschland nur sehr wenige zweisprachige Kindergärten gebe: "Ich bin nicht dafür, dass die Emigranten, die nach Deutschland kommen, alle ihre Sprache aufgeben. Ich bin für die Förderung von Zweisprachigkeit", sagte er. Das habe nur Vorteile für die Kinder.

Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 70000 Aramäer aus der Türkei, die schon vor Jahren hierhergekommen seien. Diese Aramäer siedelten alle in etwa 20 Orten in Deutschland. "Die bilden große Gemeinden und könnten deshalb sehr gut sowohl zweisprachige Kindergärten als auch Schulen haben." Gleichzeitig forderte Arnold die europäischen Staaten auf, die noch im Orient lebenden aramäischen Christen zu unterstützen und ihnen zu helfen, dass sie dort bleiben können. "Das Christentum hat seine Wiege im Orient", sagte der Experte. Es wäre schade, wenn es dort ausgelöscht würde. "Das wäre wie Italien ohne Katholiken. Das geht einfach nicht." Leider sei das Interesse an den orientalischen Christen bei uns aber nicht besonders groß.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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