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Große Umfrage nach den Sondierungen - Mehrheit der CDU-, CSU- und SPD-Anhänger für die Groko, Mehrheit der Oppositionsparteien dagegen

Archivmeldung vom 15.01.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.01.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Das Ergebnis der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU und SPD wird von der Bevölkerung sehr unterschiedlich aufgenommen. Eine große Mehrheit der Anhänger der CDU (71 Prozent) und der CSU (68 Prozent) fände es gut, wenn es wieder zu einer Großen Koalition käme. Das sieht auch, den parteiinternen Auseinandersetzungen zum Trotz, eine klare Mehrheit der SPD-Wähler (56 Prozent) so.

Über die Hälfte der Wahlberechtigten (56 Prozent) hat darüber hinaus wenig Verständnis für die Art der Entscheidungsfindung bei der SPD. Statt Sonderparteitag und Mitgliederbefragung wün-schen sich die meisten Bürger schneller Klarheit über den künftigen Kurs der Sozialdemokraten. Bei den Anhängern der übrigen im Bundestag vertretenen Parteien ist nur eine Minderheit für eine Neuauflage der Großen Koalition - bei den Grünen 31 Prozent, bei der FDP 30 Prozent, bei den Linken 24 Prozent und bei der AfD 21 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von forsa nach Abschluss der Sondierungsgespräche am Freitag im Auftrag der Mediengruppe RTL durchgeführt wurde. Dabei wurden 1006 Wahlberechtigte gefragt, ob sie unter dem Eindruck der Sondierungsergebnisse eine erneute Große Koalition gut fänden oder ob ihnen eine der beiden verbliebenen Alternativen - eine Minderheitsregierung aus Union und Grünen oder Neuwahlen - lieber wäre.

Von allen Wahlberechtigten sind 45 Prozent für die Große Koalition, 25 Prozent für eine Minder-heitsregierung und 26 Prozent für Neuwahlen. Dabei fände fast die Hälfte der Grünen (47%) eine Minderheitsregierung besser als die "Groko". Eine klare Mehrheit der AfD-Anhänger (62%) plä-diert für Neuwahlen.

forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: "Die Einigung von Unionsparteien und Sozialdemokraten auf Koalitionsgespräche löst bei den Deutschen keine Begeisterung aus. An den von den Koalitionären verheißenen 'Aufbruch' und eine 'Erneuerung der Gesellschaft' glaubt nur eine kleine Minderheit (8%) der Bundesbürger. Die große Mehrheit von 90 Prozent sieht eine neue Große Koalition eher als 'Notgemeinschaft', weil andere Regierungsbildungen zurzeit nicht möglich sind."

Dementsprechend glaubt auch nur eine Minderheit von 16 Prozent, dass eine schwarz-rote Neuauflage der "Groko" das Land künftig besser regieren würde als während der vergangenen vier Jahre. Gleichfalls 16 Prozent erwarten, dass Union und SPD es künftig schlechter machen würden als bisher. Die große Mehrheit (68%) ist dagegen überzeugt, dass die neue Merkel-Regierung genauso gut oder schlecht arbeiten wird wie man es von ihr gewöhnt ist.

Wenn die Große Koalition auch nach den Verhandlungen und der Abstimmung der SPD-Basis zustande kommen sollte, rechnet eine Mehrheit von 59 Prozent der Befragten damit, dass das Regierungsbündnis vier Jahre halten würde.

Davon sind nicht nur die Anhänger der Regierungsparteien, sondern auch die der Opposition überzeugt - mit einer Ausnahme: 60 Prozent der AfD-Anhänger rechnen mit dem vorzeitigen Bruch einer Großen Koalition. Mit einer konstruktiven und sachlichen Zusammenarbeit rechnet nur eine Minderheit der Deutschen (27%). 70 Prozent dagegen sind sich sicher, dass es häufiger zu Streits und Konflikten kommen würde zwischen CDU, CSU und SPD.

Schulz soll nicht Minister werden - Merkel soll ihre Nachfolge regeln

43 Prozent der Bundesbürger möchten, dass Angela Merkel für volle vier Jahre Kanzlerin bleibt. 50 Prozent der Befragten allerdings sind anderer Meinung: Sie hielten es für richtig, wenn Merkel ihr Amt nach ungefähr zwei Jahren für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zur Verfügung stellte. Für eine frühzeitige Nachfolge-Regelung sind vor allem die Anhänger der Linken (55%), der SPD (65%) und der AfD (87%). Die Anhänger der Grünen (53%), der CSU (70%) und der CDU (74%) sind mehrheitlich dafür, dass Angela Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode durchregiert. Zwei Drittel der Deutschen (67%) sind dagegen, dass SPD-Chef Martin Schulz Minister in einer Merkel-Regierung wird. Selbst unter den SPD-Anhänger plädieren nur 30 Prozent dafür, dass Schulz ein Regierungsamt übernimmt.

Politiker-Ranking: Vertrauensverlust für den FDP-Chef

Welchem Politiker schenken die Deutschen ihr Vertrauen? Diese Frage wird regelmäßig von forsa untersucht, jetzt auch in der ersten Umfrage unmittelbar nach Abschluss der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU und SPD. Dabei zeigen sich gegenüber dem letzten Politiker-Ranking im Oktober 2017 einige Veränderungen. forsa-Chef Prof. Manfred Güllner resümiert gegenüber der Mediengruppe RTL: "Größter Verlierer ist der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Im Oktober lag er noch mit 50 Punkten auf Rang 4 der Ranking-Liste. Nach Abbruch der Jamaika-Sondierungen durch die FDP hat er 13 Punkte eingebüßt und rutscht ab auf 37 Punkte. Hinter ihm liegen nur noch CSU-Chef Horst Seehofer (36 Punkte) sowie das AfD-Spitzenduo Alice Weidel (13 Punkte) und Schlusslicht Alexander Gauland mit 12 Punkten." Gauland, der schon im Oktober einen schwachen Wert errang, rutschte nochmals um 2 Punkte ab.

Im Übrigen zeigt sich, dass die lang andauernden Bemühungen um eine Regierungsbildung viele Bundesbürger konsterniert haben. Alle Verhandlungsführer bei den Sondierungsgesprächen müssen Federn lassen: Horst Seehofer wird um 4 Punkte niedriger bewertet als im Oktober, Angela Merkel und Martin Schulz um jeweils 3 Punkte. Während aber die Kanzlerin trotz des Rückgangs weiter auf Platz 1 der Ranking-Liste rangiert und die große Mehrheit ihrer eigenen Anhänger (84%) weiterhin zu ihr steht, rutscht Martin Schulz noch weiter ab. Nur noch 45 Prozent der Gesamtbevölkerung setzen ihr Vertrauen in ihn, bei den SPD-Anhängern verliert er 6 Prozentpunkte an Zustimmung und liegt jetzt bei 64 Prozent. Sein Vorgänger Sigmar Gabriel liegt mit einem Zugewinn von 4 Punkten auf dem zweiten Platz und hat seinen Parteichef um 11 Punkte überflügelt. Vor Schulz liegen auch noch die SPD-Ministerpräsidenten Olaf Scholz und Stephan Weil sowie der Noch-Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir. Markus Söder, der designierte Nachfolger Horst Seehofers als bayerischer Ministerpräsident, ist auf Anhieb mit 6 Punkten Vorsprung an dem CSU-Chef vorbeigezogen.

Politiker-Ranking im Januar 2018*

Gesamt Differenz Januar 18 - Oktober 17

Angela Merkel 60 minus 3%punkte Sigmar Gabriel 56 plus 4%punkte Olaf Scholz 54 im Oktober nicht abgefragt Stephan Weil 50 im Oktober nicht abgefragt Cem Özdemir 49 plus 1% Punkt Martin Schulz 45 minus 3%punkte Ursula von der Leyen 45 im Oktober nicht abgefragt Andreas Nahles 42 unverändert Markus Söder 42 im Oktober nicht abgefragt Katrin Göring-Eckardt 41 unverändert Sarah Wagenknecht 39 minus 1%punkt Christian Lindner 37 minus 13%punkte Horst Seehofer 36 minus 4%punkte Alice Weidel 13 unverändert Alexander Gauland 12 minus 2%punkte

*Bewertung anhand einer Skala von 0 bis 100; dargestellt ist jeweils der Mittelwert

Der Wählerwille ändert sich nicht

Auch unter dem Eindruck der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU und SPD ändert sich kaum etwas am Wählerwillen in Deutschland. Wenn jetzt gewählt würde, könnte sich die AfD gegenüber der Vorwoche wieder um einen Prozentpunkt von 10 auf 11 Prozent verbessern. Die Unionsparteien kämen auf 33 Prozent - ein Prozentpunkt weniger als in der Vorwoche, aber genauso viel wie bei der Bundestagswahl im vergangenen September. Bei allen anderen Parteien ändert sich gegenüber der ersten Januarwoche 2018 nichts.

Die Ergebnisse im Einzelnen: CDU/CSU 33 Prozent (Bundestagswahl 32,9), SPD 20 Prozent (20,5), FDP 9 Prozent (10,7), Grüne 12 Prozent (8,9), Linke 9 Prozent (9,2), AfD 11 Prozent (12,6). 6 Pro-zent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2). Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt bei 22 Prozent und damit etwas unter dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl (23,8%).

Auch bei der Kanzlerpräferenz haben die Deutschen ihre Meinung nur unwesentlich geändert. Wenn die Deutschen ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich derzeit 46 Prozent für Angela Merkel entscheiden, das ist ein Prozentpunkt weniger als in der Woche. Martin Schulz käme auf 19 Prozent, das ist ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. Die CDU-Chefin läge damit immer noch weit vor dem SPD-Chef - 27 Prozentpunkte.

Quelle: Mediengruppe RTL Deutschland (ots)

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