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Niedersachsens Ministerpräsident ruft Merkel zu Kurswechsel auf

Archivmeldung vom 15.01.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.01.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Stephan Weil Bild: German Embassy London, on Flickr CC BY-SA 2.0
Stephan Weil Bild: German Embassy London, on Flickr CC BY-SA 2.0

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingspolitik zum Kurswechsel aufgefordert. "Die Bundeskanzlerin wird sich im Laufe des Jahres korrigieren müssen", sagte Weil im Interview der "Welt". "Entweder gelingt es, international die Zugangszahl zu drosseln. Oder wir müssen Dinge tun, die niemand will und die Europa schaden werden." Sollte die EU-Außengrenze nicht gesichert werden, "erleben Binnengrenzen in Europa ein Comeback", sagte Weil.

Weil stellte sich zwar hinter die Entscheidung der Kanzlerin von September, die Grenze zu öffnen. Er bezeichnete sie allerdings als Zwischenlösung. Sie habe "fatalerweise dauerhaft zu einer Sonderrolle Deutschlands in Europa geführt", erklärte der SPD-Politiker. "Die anderen Staaten lehnen sich nicht nur zurück, sondern sprechen mit Häme von der `deutschen Einladung`." Diesen Mechanismus müsse die Bundesregierung beenden.

Der Ministerpräsident machte der Kanzlerin und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schwere Vorwürfe. Er sprach von einer Verunsicherung der Bevölkerung. "Die Menschen spüren, dass der Staat die Lage nicht im Griff hat", sagte Weil. Den Satz der Kanzlerin "Wir schaffen das" nannte er "etwas wohlfeil", da es Länder und vor allem Kommunen, Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche seien, die die Krise bewältigen würden. "Die Gesellschaft hat ihre Bewährungsprobe 2015 bestanden. Das kann man von der Politik nicht behaupten."

Weil forderte die Bundeskanzlerin zu neuen Maßnahmen in der Flüchtlingskrise auf. "Wir müssen zum Beispiel sehr viele Wohnungen bauen, damit es nicht zu einem Verdrängungswettkampf mit den Ärmeren in der Gesellschaft kommt", sagte der Ministerpräsident. Das hätten die Unionsmitglieder der Bundesregierung bislang nicht verstanden. Merkels "Wir schaffen das" habe mit Ach und Krach seine Berechtigung für die Notunterkünfte gehabt. "Notunterkünfte alleine aber reichen nicht aus."

Der Ministerpräsident unterstützte mit Blick auf die Kosten der Flüchtlingskrise den Vorschlag von CSU-Chef Horst Seehofer, den Solidaritätszuschlag zu verlängern. "Integration ist eine große, sehr teure Investition", sagte Weil. "Sie kann unsere Sozialsysteme langfristig dauerhaft entlasten und die Wirtschaft beflügeln. Aber erst einmal kostet sie Geld." Eine Aufweichung der Schuldenbremse lehnte Weil dagegen ab. "Ich erwarte von der Bundeskanzlerin, die einen eigenen Anteil an der aktuellen Lage hat, einen Plan für die Finanzierung. Die einen machen die große Politik, die anderen machen die Arbeit und zahlen - so geht das nicht."

Niedersachsens Ministerpräsident: SPD muss auch um AfD-Anhänger kämpfen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat seine Partei vor der Vorstandsklausur an diesem Wochenende aufgefordert, auch um Anhänger der AfD zu kämpfen. "Die etablierten Parteien müssen das Vertrauen derjenigen, die zweifeln und Angst haben, zurückgewinnen", sagte Weil im Interview der "Welt". "Solche Leute darf man doch nicht in die rechte Ecke stellen."

Weil warnte vor einem erfolgreichen Abschneiden der AfD bei den drei Landtagswahlen im März. "Ein Erfolg dieser ausländerfeindlichen Partei wäre ein Rückschlag für unser Land", erklärte Weil. Der Ministerpräsident appellierte an seine Partei, in der Flüchtlingspolitik geschlossener aufzutreten. "Ich wünsche mir generell, dass meine Partei ihre Standpunkte noch stärker konturiert und verständlich darstellt", sagte der SPD-Politiker. "Sehr viele unserer Anhänger wollen eine realistische Politik, die die humanitären Möglichkeiten Deutschlands ausschöpft, uns aber nicht überfordert", erklärte Weil.

Vorbildlich nannte er "eine Haltung, die der Bundespräsident perfekt pointiert hat: `Unsere Herzen sind weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich.`" Das sei vielen SPD-Wählern näher als "die Floskel `Wir schaffen das`", sagte Weil. Weil lehnte Tabus im Umgang mit kriminellen Flüchtlingen ab. "Ich finde nicht, dass etwas verschwiegen werden sollte", sagte der SPD-Politiker. "Ich halte es aber für richtig, dass die Nationalität dann in der Presse genannt wird, wenn es einen Zusammenhang zur Straftat gibt." Eine allgemeine Verschlechterung der Sicherheitslage durch den Zuzug von Flüchtlingen würden die Zahlen nämlich nicht belegen.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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