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Pflegeversicherung erstmals seit 2007 wieder im Minus

Archivmeldung vom 15.03.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.03.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Die gesetzliche Pflegeversicherung hat das vergangene Jahr trotz einer Beitragserhöhung erstmals seit 2007 mit einem Minus abgeschlossen. Dies geht aus Zahlen des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung hervor, über welche die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Danach gaben die Pflegekassen im Jahr 2017 rund 2,4 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Insgesamt betrugen die Ausgaben 37,2 Milliarden Euro. Das waren rund 7,5 Milliarden Euro oder 25 Prozent mehr als 2016. Grund dafür war vor allem die jüngste Pflegereform, die höhere Leistungen für die Versicherten vorsieht. Um einen Teil dieser höheren Ausgaben zu decken, war der Pflegebeitrag Anfang 2017 um 0,2 Punkte auf 2,55 Prozent vom Bruttolohn angehoben worden. Er soll bis 2022 stabil bleiben. Das Defizit führt dazu, dass die Finanzreserven der Pflegeversicherung von 9,3 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro abgeschmolzen sind. Diese Summe deckt theoretisch die Ausgaben für etwas mehr als zwei Monate ab.

Vor einem Jahr betrugen die Rücklagen noch 9,4 Milliarden Euro - das würde für fast vier Monate reichen. Der für die Pflegeversicherung zuständige Vorstand des Kassenverbands, Gernot Kiefer, sieht in der Entwicklung keinen Anlass zu Sorge. "Die Pflegeversicherung ist trotz der steigenden Ausgaben derzeit aufgrund der Rücklagen in einer guten finanziellen Verfassung", sagte er den Funke-Zeitungen. "Dass die Beitragssätze auch angesichts der deutlichen Ausweitung der Leistungen in den kommenden Jahren stabil bleiben können, spricht für die Stärke unseres Solidarsystems." Kiefer zufolge gehen 80 Prozent der zusätzlichen Ausgaben auf das Konto der Pflegereform.

Die übrigen 20 Prozent hätte es aufgrund der älter werdenden Bevölkerung ohnehin gegeben. Die zu Beginn des Jahres in Kraft getretene Reform stellt vor allem Demenzkranke besser und soll die häusliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen stärken. Verbandsvertreter Kiefer forderte den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, die Verbesserung der Altenpflege ganz oben auf die politische Agenda zu setzen: "Wer über anständige Pflege redet, muss auch über die anständige Bezahlung der Pflegekräfte sprechen", sagte Kiefer. Er habe den Eindruck, dass Pflegerinnen und Pfleger noch nicht immer ausreichend bezahlt würden. Wer gute Pflege wolle, müsse die Rahmenbedingungen für die Pflegekräfte verbessern. Spahn tritt sein Amt am heutigen Donnerstag an.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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