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Grüne für zeitlich begrenzte Motorrad-Fahrverbote gegen Lärm

Archivmeldung vom 13.06.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.06.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: Niko Korte / pixelio.de
Bild: Niko Korte / pixelio.de

Die Grünen-Verkehrspolitikerin Daniela Wagner spricht sich in der Debatte um Motorradlärm in besonderen Konfliktfällen für Fahrverbote aus. "Zeitlich begrenzte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen für einzelne Streckenabschnitte sind das letzte Mittel, wenn das Lärmproblem vor Ort überhandnimmt und andere Maßnahmen kurzfristig keine Erleichterung bringen", sagte Wagner, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags, der "Welt".

Solange die Industrie in der Produktion von lärmintensiven Motorrädern und Zubehör ein wichtiges Verkaufsargument sehe, werde sich am Motorradlärm nicht viel ändern. "Leider braucht es offenbar einzelne drastische Maßnahmen, um ein Umdenken der sehr lauten Minderheit und der Industrie herbeizuführen." Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, unterstreicht, dass die breite Masse der Motorradfahrer an Lärmbelästigung nicht interessiert sei.

"Anstatt die wenigen schwarzen Schafe unter den Motorradfahrern durch dichtere Kontrollen und härtere Strafen zur Vernunft zu bringen, werden nun alle Biker unter Generalverdacht gestellt", sagte er der "Welt". Mit streckenweisen pauschalen Fahrverboten verlagere man die Konflikte nur, anstatt sie zu lösen. Mitte Mai hatte der Bundesrat in einer Entschließung gefordert, "für besondere Konfliktfälle" zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Motorradfahrer, Michael Lenzen, lehnt das ab. "Streckensperrungen lösen das Problem nicht, sondern verlagern es auf die nächste Strecke. Zu Ende gedacht bedeuten sie, dass Motorradfahrer gar nicht mehr fahren dürfen", sagte er der "Welt".

Dies sei eine "einseitige Benachteiligung und Diskriminierung von Motorradfahrern". Es sei richtig, für bestimmte Strecken Fahrverbote für Motorradfahrer auszusprechen, sagte hingegen Holger Siegel, Vorsitzender der Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm, der "Welt". Dort, wo die Polizei schon seit vielen Jahren versuche, Raser und Lärm in den Griff zu bekommen, gebe es keine andere Lösung mehr. "Motorradlärm ist ungeheuer aggressiv und entsetzlich störend", so Brigitte Schulte-Fortkamp, Professorin für Psychoakustik und Lärmwirkung an der Technischen Universität Berlin. Besonders in sensiblen Umgebungen mit Kliniken, Altenheimen, Schulen und Kindergärten oder in Gebieten, in denen viele Menschen wohnen, sei es sinnvoll, bestimmte Bereiche für Motorräder zu sperren.

Quelle: dts Nachrichtenagentur


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