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Ex-Linde-Chef gegen Bürgerversicherung nach SPD-Modell

Archivmeldung vom 06.12.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.12.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Wolfgang Reitzle
Wolfgang Reitzle

Foto: Linde AG, Photographer: Peter Hoennemann
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle hat die von der SPD geforderte Bürgerversicherung kritisiert. Sie sei der direkte Weg in die Absenkung des Niveaus der Gesundheitsversorgung in Deutschland, schrieb Reitzle in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". Das Argument der SPD, mit einer Bürgerversicherung würde mehr Gerechtigkeit für die gesetzlich versicherten Bürger geschaffen werden – bestmögliche Versorgung im medizinischen Sinn – sei schlicht falsch, so der Unternehmer.

"Wer das nicht glaubt, der möge sich beispielhaft im Gesundheitssystem auf den britischen Inseln umsehen: Dort ist die medizinische Versorgung für die Bevölkerung dank Einheitskasse auf ein nicht mehr tragbares Niveau abgesunken." Lediglich in reinen Privatkliniken und –praxen werde für "gut zahlende Patienten noch so gesorgt", wie dies aus gesundheitlicher Sicht notwendig und wünschenswert sei. "Das bedeutet: Die Einheitsversicherung für alle fördert gerade das, was sie zu bekämpfen vorgibt, nämlich die Zwei-Klassen-Medizin", so Reitzle. Eine Bürgerversicherung würde nicht nur zu einem Absinken des Versorgungsniveaus, sondern auch zu einer starken Verzögerung der Einführung innovativer Behandlungsmethoden führen. "Noch nie aber war das so fatal wie heute", so der Unternehmer.

Die Zukunft der Medizin werde in einem noch nie dagewesenen Ausmaß durch die Digitalisierung transformiert – die sogenannte "Regenerative Medizin" und insbesondere die Stammzellenforschung würden revolutionäre Verbesserungen in der Bekämpfung und Behandlung von Krebs, Parkinson, Diabetes und bei Herzkrankheiten bringen. Wer dagegen tatsächliche Gleichbehandlung nicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau, sondern auf dem höchstmöglichen Niveau wolle, "der kommt um eine private Komponente im Gesundheitssystem, um Markt-, Wettbewerbs- und Leistungsorientierung nicht herum". Erst recht gelte das für eine digitalisierte Zukunft, denn hier gehe es darum, immer komplexere, differenziertere und individuellere Lösungen möglichst schnell möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Reitzle prognostiziert: "Eine tendenziell stets bürokratische und finanziell eher limitierte Staats-Gesundheitskasse wird das nicht leisten können."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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