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Greenpeace wirft Bundeskanzlerin Merkel Industriehörigkeit vor

Archivmeldung vom 22.11.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.11.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Mit einer Dia-Projektion auf ein Gebäude des Braunkohlekraftwerks in Boxberg protestiert die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestern Abend gegen die klimaschädliche Stromerzeugung des Energieversorgers Vattenfall. Auf der mehrere hundert Quadratmeter großen Projektion ist der Spruch zu lesen: "Merkels Klimaberater von Vattenfall empfiehlt: Mehr Kohlekraftwerke! So nicht, Herr Josefsson!"

Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich in Klimafragen nur noch von unabhängiger Seite beraten zu lassen und sich von Vattenfall-Chef Josefsson als Berater zu trennen. Angesichts des vierten IPCC-Berichtes, der am vergangenen Samstag veröffentlicht wurde, dürfen Politiker den Klimaschutz nicht länger den Interessen der Industrie unterordnen.

"Der Umgang mit Braunkohlekraftwerken wie dem in Boxberg ist bezeichnend für die Industriehörigkeit verantwortlicher Politiker in Sachen Klimaschutz", kritisiert Jörg Feddern, Klimaexperte von Greenpeace. "Lars Göran Josefsson, der Vattenfall-Klimaberater der Kanzlerin, hat seinen exklusiven Zugang zu Frau Merkel mehrfach genutzt, um Vorteile für die klimaschädlichen Kohlekraftwerke seines Konzerns einzufordern. So wird der Klimaschutz den Unternehmensinteressen von Vattenfall geopfert."

Das Braunkohlekraftwerk Boxberg hat zurzeit eine Leistung von 1.900 Megawatt. Mit der Fertigstellung eines zusätzlichen Kraftwerksblocks sollen im Jahr 2011 weitere 675 Megawatt ans Netz gehen. Für diesen Neubaublock soll der schon stillgelegte Tagebau Reichwalde wieder in Betrieb genommen werden. Mit spezifischen CO2-Emissionen von 924 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom wird diese Anlage doppelt so klimaschädlich sein wie ein modernes gasbetriebenes GUD-Kraftwerk. Kein anderes Industrieland verfeuert so viel klimaschädliche Braunkohle wie Deutschland. Kein anderer Konzern setzt so intensiv auf die Verstromung von Braunkohle wie Vattenfall.

Die Kohlekraftwerke von Vattenfall gehören zu den größten Kohlendioxid-Quellen in Deutschland. Vattenfall will weitere 3,5 Milliarden Euro in die klimaschädliche Kohletechnik investieren. Die drei geplanten Kohlekraftwerke im sächsischen Boxberg, in Hamburg und Berlin werden pro Jahr 18,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich ausstoßen. Das ist mehr als der Staat Tunesien mit zehn Millionen Einwohnern an Treibhausgasen jährlich ausstößt. Greenpeace-Kletterer hatten Anfang Oktober mehrere Kräne der Baustelle in Boxberg bestiegen und über mehrere Tage gegen das Braunkohleprojekt protestiert.

Neben dem Braunkohlekraftwerk in Boxberg wird in Deutschland bis 2012 der Bau von 24 weiteren Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von 24.000 Megawatt geplant. Deutschland ist damit führend beim Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke in Europa. Insgesamt werden die geplanten Anlagen für die kommenden Jahrzehnte die Atmosphäre jährlich mit 140 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich belasten. Eine am Montag veröffentlichte Greenpeace-Studie zeigt, dass die Bundesregierung dadurch ihre selbst gesetzten Klimaschutzziele nicht erreichen kann.

Quelle: Pressemitteilung Greenpeace e.V.

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