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Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert sofortige Öffnung von Kitas und Grundschulen

Archivmeldung vom 28.04.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.04.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Debattenkultur im Bundestag (Symbolbild)
Debattenkultur im Bundestag (Symbolbild)

Bild: Rob hyrons, fotolia / Eigenes Werk

Mit Blick auf jüngste Studien fordert die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) eine sofortige Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen. "Unter einem Schutzschild sollte es unbedingt wieder losgehen, um die teils untragbaren Situationen für unzählige Familien zu beenden. Da brauchen wir mehr Tempo", sagte DGKH-Vorstandssprecher Peter Walger, selbst Infektiologe und Intensivmediziner, im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

"Die Datenlage rechtfertigt eine schrittweise Wiederöffnung von Kita-Betreuung und Beschulung", betonte der Experte. Die ersten Schritte zur Wiederbeschulung müssten um die jüngeren Jahrgänge und insbesondere die Kleinkinder erweitert werden, so die klare Forderung der DGKH, die Gutachten für mehrere NRW-Ministerien erstellt. "Von der Infektionsgefahr her macht es keinen Sinn, mit den Abiturjahrgängen und den älteren Schülern anzufangen und die jüngeren Grundschüler und Kita-Kinder länger daheim zu lassen", sagte Walger der "NOZ".

Wo Testung und Maskenschutz gewährleistet seien, solle "ab sofort" wieder geöffnet werden. "Der Schaden durch die Kita- und Grundschulschließungen ist gewaltig. Die Notbetreuung deckt ja nur einen kleinen Anteil ab. Abertausende Väter und Mütter arbeiten nicht, weil ihre Kinder nicht betreut werden. Wenn wir noch länger abwarten, eskalieren die Sekundäreffekte", warnte der Experte.

Walger verwies auf Erkenntnisse aus China, Modellierungen aus London sowie auf die Vorveröffentlichung einer Studie von Schweizer Forschern über die nur minimalen Effekte von Schulschließungen in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland: "Die pauschalen Warnungen, Kita- und Schulöffnungen würden zu einem Hochschnellen der Infektionszahlen führen, sind definitiv übertrieben", konstatierte der Infektiologe. "Das würde nur dann passieren, wenn die Übertragungsrisiken unbeeinflusst blieben."

Der DGKH-Vorstandssprecher nannte Bedingungen, unter denen auch Kitas zur Normalbetreuung zurückkehren sollten: "Strenge Hygieneregeln in Verbindung mit klaren Vorgaben der Abstandswahrung, und wo das nicht möglich ist mit Maskenpflicht für Lehrer und Betreuer." Von den jüngeren Kindern könne und müsse man das Tragen von Masken hingegen "nicht verlangen".

Optimal seien auch regelmäßige Testungen, sagte Walger. Nur negativ getestetes Personal dürfe Kinder versorgen. "Überdies müssen die Familienstrukturen im Blick sein, etwa, ob Kinder mit Großeltern oder vulnerablen Eltern unter einem Dach leben. Dann müssten sich Letztere besonders schützen, auch daheim Masken tragen, wenn sie ihren Enkeln nahekommen."

Auch Restaurants müssten nicht länger geschlossen bleiben, erklärte der Hygieniker: "Wo Infektionsschutz garantiert ist, durch Abstand und Schutz des Personals durch das Tragen von Masken und gegebenenfalls Testung, spricht aus infektiologischer Sicht nichts gegen Öffnungen", sagte er. "Natürlich gehören Biergärten, Ballermann-Kneipen und vergleichbares Trink-Ambiente nicht in die erste Kategorie", sagte er, aber für Speiserestaurants könne man "bei vernünftiger Tischordnung und einer Begrenzung der Gästezahl Öffnungen rechtfertigen". Auch gegen die Öffnung von Biergärten oder Gartencafés "spricht nichts, wenn die Gästezahl überschaubar gehalten wird", sagte der Infektiologe, zumal frische Luft "immer ein zusätzlicher Schutzfaktor ist".

Mit Blick auf das deutsche Krisenmanagement forderte die DGKH eine Kehrtwende: "Minimalrisiken werden mit Hyperempfindlichkeit, zum Teil mit Hysterie diskutiert. Die Maximalrisiken werden noch nicht optimal gemanagt", sagte er. Das gelte für die Infektionsgefahren in Krankenhäusern, Heimen und in der ambulanten Pflege. "Es muss genau umgekehrt sein: Wir brauchen eine Pandemiebekämpfung der zwei Geschwindigkeiten: mehr zulassen im Niedrigrisikobereich, schnellerer und effektiverer Schutz im Hochrisikobereich."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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